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Versuch der Versöhnung: Monika Jetters «Mein Kriegsvater»DPA-Datum: 2004-07-12 15:59:20

Münster (dpa) - «Niemals hätte ich mir vorstellen können, ein Buch über meinen Vater zu schreiben», bekennt Monika Jetter im Vorwort ihres Buches «Mein Kriegsvater». Der Entschluss, ein derart persönliches Buch zu schreiben, rührt oft aus zu langem Zurückschrecken vor der eigenen Vergangenheit her.

Münster (dpa) - «Niemals hätte ich mir vorstellen können, ein Buch über meinen Vater zu schreiben», bekennt Monika Jetter im Vorwort ihres Buches «Mein Kriegsvater». Der Entschluss, ein derart persönliches Buch zu schreiben, rührt oft aus zu langem Zurückschrecken vor der eigenen Vergangenheit her.

Schließlich bleibt der 1940 geborenen Autorin und ehemaligen NDR-Moderatorin kein Ausweg: Kopfschmerzen und Angst-Attacken, die kein Arzt ihr nehmen kann, bringen die Erinnerung an ihre Erlebnisse als kleines Mädchen im Nachkriegs-Berlin zurück. In diesen Jahren war sie ihrem «Kriegsvater», dem Heimkehrer, ausgeliefert. Eindringlich und lebendig beschreibt Jetter den Konflikt, der sie nach Jahren des Verdrängens einholt, als sie vor der Notwendigkeit steht, sich mit dem Sterben des Vaters auseinander zu setzen. Schonungslos gibt sie all die Sorgen, Ängste und Nöte preis, die sie als kleines Mädchen niemandem anvertrauen konnte.

In aufwendigen Recherchen findet sie Zugang zu der Zeit, die ihn prägte, die vielen andere Menschen ihren Stempel aufdrückte und Nachkriegskindern Beschädigungen für das ganze Leben bescherte: Nach einem Inserat, um mit Menschen mit ähnlichem Schicksal ins Gespräch zu kommen, erhält sie erschütternde Antworten. Geschichten früh verstummter Menschen, die sich ihren Eltern nicht anzuvertrauen wagten, sondern mit Schlafstörungen, Angst-Attacken, Bettnässen, Stottern, Herzrasen und Beziehungsschwierigkeiten reagierten. Geschichten über demütigende Rituale, die Kindern auferlegt wurden, die sich nur eines wünschten: Dass die Eltern sie «doch noch lieb haben».

Monika Jetter

Mein Kriegsvater

Verlag Hoffmann und Campe

223 S., Euro 16,90

Isbn 3-455-09422-8

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