Versuch zunächst gescheitert
OM Gruppen scheitert mit Übernahmegebot für LSE

Nur wenige Aktionäre der London Stock Exchange akzeptierten das Angebot des schwedischen Finanzmarktbetreibers.

Reuters STOCKHOLM. Der schwedische Finanzmarktbetreiber OM Gruppen ist wie erwartet mit dem Versuch gescheitert, die Londoner Börse durch eine feindliche Übernahme zu erwerben. Nur 6,7 % der Aktionäre der London Stock Exchange (LSE) hätten die Offerte mit einem Gesamtwert von umgerechnet mehr als drei Mrd. DM akzeptiert, gab OM Gruppen am Freitag in Stockholm bekannt. Damit geht ein monatelanger Wettlauf um die traditionsreiche LSE zunächst zu Ende, der im Mai mit der damals geplanten Fusion der Börsen in Frankfurt und London begonnen hatte. OM-Gruppen-Chef Per Larsson kündigte aber Gespräche mit LSE-Aktionären an, die zu einem neuen Gebot führen könnten.

Die LSE hatte die unerbetene Offerte von vorneherein abgelehnt und mehrere Abwehrdokumente vorgelegt. OM Gruppen hatte den LSE-Eigentümern je gehaltenem Papier entweder 1,4 eigene Aktien oder aber 0,5 eigene Aktien plus 20 Pfund geboten, was einem Aufschlag auf den Firmenwert der Londoner Börse von rund 30 % entsprach.

Larsson sagte laut einer schriftlichen Stellungnahme, das Angebot hätte der LSE eine wettbewerbsfähige Führung, Struktur und Strategie gebracht. Durch die Ablehnung der Offerte habe die LSE ihre Probleme nur verschoben. In einer Telefonkonferenz mit Journalisten kündigte Larsson an, in der kommenden Woche Gespräche über Dienstleistungen zu beginnen, die OM der LSE bereitstellen könne. "Es wird uns der LSE oder einem neuen Versuch eines Gebots näher bringen, aber heute ist es noch zu früh, darüber etwas zu sagen."

LSE-Chairman Don Cruickshank sagte in London, er sei zufrieden, dass die Unsicherheit durch das OM-Angebot vorbei sei. Die LSE werde nun ihre Strategie in enger Zusammenarbeit mit ihren Aktionären und Kunden umsetzen. Die Deutsche Börse erklärte, sie gratuliere der LSE zur erfolgreichen Abwehr des feindlichen Übernahmeangebots.

Dem OM-Angebot hatte kaum ein Finanzmarktexperte in Europa Aussichten auf Erfolg eingeräumt. OM Gruppen hätte für eine erfolgreiche Übernahme der LSE einen Zuspruch von mindestens 75 % benötigt, sich selbst aber eine Akzeptanz von 90 % zum Ziel gesetzt. Die Londoner Börse hat eine Anteilsbegrenzung für Einzelaktionäre, derzufolge Investoren maximal 2,9 % an der Gesellschaft halten dürfen. Zur Abschaffung dieses Limits bedarf es einer 75-Prozent-Mehrheit der Eigentümerversammlung. Die über das Maklerhaus Cazenove gehandelte Aktie der LSE tendierte am Freitagabend unverändert. Die Aktie von OM Gruppen gab in Stockholm um 6,50 Kronen auf 314,50 Kronen nach.

OM Gruppen hatte mit seinem feindlichen Kaufangebot die eigentlich geplante Fusion der Börsen in London und Frankfurt zum Scheitern gebracht. Die beiden größten Wertpapier-Märkte in Europa hatten im Mai angekündigt, sich zur Großbörse iX ("International Exchanges") zusammenschließen zu wollen. Darüber hinaus hatten sie mit der US-Technologiebörse Nasdaq vereinbart, einen pan-europäischen Markt für Wachstumswerte zu gründen. Vor allem die großen Banken und Investmenthäuser fordern ein Zusammenwachsen der insgesamt rund 30 Wertpapiermärkte in Europa, da das Handeln an verschiedenen Börsen höhere Kosten als etwa in den USA verursacht.

Seit dem Scheitern der iX-Pläne kam es wiederholt zu Spekulationen, ob die Deutsche Börse als so genannter "Weißer Ritter" auftreten und ein freundliches Gegenangebot zu der OM-Offerte für die LSE vorlegen könnte. Mittlerweile verlautet jedoch aus börsennahen Kreisen, dass ein Angebot aus Frankfurt als wenig aussichtsreich eingeschätzt wird. Bereits gegen den Plan zum Aufbau von iX war bei Politikern, Banken und Finanzmarktakteuren teilweise heftiger Widerstand aufgekommen. Neben der Deutschen Börse war auch der aus den Märkten Amsterdam, Brüssel und Paris entstandene Finanzplatz Euronext als Kandidat für eine LSE-Übernahme oder-Fusion gehandelt worden. Euronext hatte der LSE bereits im Frühjahr eine Zusammenarbeit angeboten, was die Londoner jedoch ablehnten. Auch die Nasdaq wurde bisher immer wieder als potenzieller Bieter für die LSE genannt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%