Verträge mit Megastars
Schlammschlacht wird für Sony Music zum Millionen-Risiko

Es begann als hässliche Schlammschlacht zwischen einer Plattenfirma und einem alternden Popstar. Doch jetzt droht die Geschichte um Michael Jackson (43) für Sony Music zum Millionen-Dollar schweren Risiko zu werden.

HB DÜSSELDORF. Der "King of Pop" hat Staranwalt Marty Singer angeheuert und will Sony verklagen, weil die Plattenfirma angeblich Schuld ist am Misserfolg seines Albums "Invincible". Außerdem soll Sony die Veröffentlichung einer Wohltätigkeits-Single verhindert haben. "Wir haben die Punkte zusammen getragen", erklärte Singer letzte Woche in Los Angeles. Es gehe unter anderem um Vertragsbruch und unrechtmäßige Verbuchungen. Die Schadenersatz-Forderungen, so Singer, könnten mehrere hundert Millionen Dollar wert sein.

Die Europazentrale von Sony Music in London wollte zu den Anwürfen auf Anfrage des Handelsblatts auch zum Wochenanfang keine Stellung nehmen. In einer Erklärung heißt es nur, man habe keine Kosten gespart, um das neue Album zu promoten. Ansonsten hüllt man sich in Schweigen.

Der Fall Jackson ist der jüngste in einer Reihe von Auseinandersetzungen zwischen Stars und ihren Musikfirmen. Sie sind nicht zuletzt Ausfluss der gängigen Praxis der Musikfinanzierung. Dabei werden Künstler mit langfristigen Verträgen gebunden und geben dafür im Gegenzug die Rechte an ihrer Musik an die Unternehmen. Die wiederum finanzieren - wie mit einem rückzahlbaren Bankkredit - Produktionen, Marketing und manchmal auch den Lebensunterhalt vor. Getilgt wird aus CD-Verkäufen. Doch die sinken seit Jahren. Was in guten Zeiten funktionierte, wird jetzt zum Problem.

Für Jacksons jüngstes Album alleine will Sony rund 25 Millionen $ für Marketing ausgegeben haben. Bei geschätzten Verkäufen von weniger als 5 Millionen CDs ist diese Summe kaum wieder reinzuholen. Also müsste Jackson für die Rückzahlung gerade stehen.

Kann er das nicht, so könnte Sony versuchen, sich an der gemeinsam mit Jackson gehaltenen Plattenfirma Sony/ATV-Music schadlos zu halten, in der wertvolle Rechte an Beatles-Songs liegen. Ein Misserfolg seines Albums käme Sony entgegen, vermutet jedenfalls Jackson.

Tatsache ist, dass sich langlaufende Megaverträge wie mit Jackson in Zeiten der Internet-Piraterie und des schnell wandelnden Musikgeschmacks immer mehr zum Risiko entwickeln. Erst jüngst trennte sich Emi Music für einen Abstand von 32 Millionen Euro von einem 114 Millionen Euro Vertragmit Mariah Carey. Auf Dauer wäre es teurer geworden, den Vertrag zu erfüllen und neue Alben mit verlorenen Marketing-Millionen zu promoten, war die Befürchtung. Rock-Star Courtney Love klagt wegen unfairer Geschäftspraxis gegen ihre Plattenfirma, Universal Music. Und de Recording Artists Coalition will sogar eine generelle Neuregelung der "Knebelverträge" mit Musikunternehmen erreichen.

Quelle: Handelsblatt

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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