Verträge über Umwandlung in eine AG sind nicht auf der Tagesordnung
Arcor muss wegen Verzögerungen der Bahn den Börsengang verschieben

Die Telefon-Festnetzgesellschaft Mannesmann Arcor wird nicht wie geplant im 1. Halbjahr 2001 an die Börse gehen können. Verantwortlich dafür ist die Deutsche Bahn AG, die einen Minderheitsanteil von 18,8 % an Arcor hält.

Handelsblatt BERLIN. Die Bahn, deren Kommunikationsnetz 1997 die Basis für den Aufbau des neuen Unternehmens bildete, sperrt sich seit dem Amtsantritt ihres Chefs Hartmut Mehdorn gegen eine Umwandlung der heutigen AG&Co. in eine AG.

Wie das Handelsblatt am Wochenende aus dem Bahnvorstand erfuhr, tauchen die im Prinzip unterschriftsreif vorliegenden Verträge nicht auf der Tagesordnung des Bahn-Aufsichtsrates am 6. Dezember auf. Ob und wann die Bahn nun Entscheidungen über die Verträge oder Neuverhandlungen trifft, ist demnach noch völlig offen.

Damit steht fest, dass Arcor in diesem Jahr nicht mehr in eine AG umgewandelt werden kann. Der ursprünglich einmal für den März vorgesehene Börsengang wird sich damit über das erste Halbjahr hinaus verzögern. Ein Sprecher der Arcor-Muttergesellschaft Vodafone wollte auf Anfrage dazu nicht Stellung nehmen.

Börsengang-Unsicherheit schwächt das Unternehmen

Bereits in der vergangenen Woche hatte ein Manager des Telekomkonzerns gegenüber dem Handelsblatt die Befürchtung geäußert, dass Arcor durch die weitere Verzögerung in eine immerwährende Diskussion geraten werde, ob der Mehrheitseigentümer Vodafone tatsächlich ernst machen wird mit dem Arcor-Börsengang. Diese Unsicherheit schwäche das Unternehmen.

Arcor braucht den Börsengang, um in den Aktien eine Tauschwährung für Übernahmen zu haben, wenn im nächsten Jahr, wie abzusehen, zahlreiche kleinere Festnetzgesellschaften werden aufgeben müssen. Dass Vodafone Arcor nun verkaufen werde, wird in Unternehmenskreisen eher für unrealistisch gehalten: Alle Unternehmen, die in Frage kämen, hätten sich im Zuge der UMTS-Lizenzvergabe hoch verschuldet und könnten keineswegs 10 Mrd. Euro für Arcor aufbringen.

Donata Riedel ist Handelsblatt-Korrespondentin in Berlin.
Donata Riedel
Handelsblatt / Korrespondentin
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