Vertrag steht offenbar zur Disposition
Intertainment hat sich mit US-Partner Franchise überworfen

Intertainment-Vorstandschef Rüdiger Baeres will einen Vertrag über 60 Filme neu verhandeln. Über die Gründe schweigt sich Intertainment aus. Der Aktie tut das nicht gut.

dpa/rtr/HB MÜNCHEN. Nach einer drastischen Korrektur der Umsatz- und Gewinnprognose hat der Medienkonzern Intertainment jetzt Ärger mit seinem US-Partner Franchise Pictures. Es gebe "Differenzen in der Geschäftsbeziehung", teilte die Intertainment AG (München) am Dienstag mit. Daher seien Verhandlungen über die bestehenden Verträge aufgenommen worden. Ziel sei eine "Neugestaltung der Vertragsbeziehungen zur Franchise Gruppe".

Wie Intertainment weiter mitteilte, hat die Tochter Intertainment Licensing GmbH bereits einige der erworbenen Filmrechte für einzelne europäische Länder weiter lizensiert. Die Differenzen mit Franchise Pictures beträfen auch die Geschäftsbeziehung zwischen Intertainment und ihren Lizenznehmern.

Eine Intertainment-Sprecherin wollte die Auseinandersetzung nicht näher kommentieren. Anfang Dezember hatte die Kirch-Gruppe einen Abschluss mit Franchise verkündet. Epsilon Motion Pictures, ein Gemeinschaftsunternehmen von Kirch-Media und der italienischen Mediaset, sicherte sich die kontinental-europäischen Rechte an zunächst drei Franchise-Kinofilmen.

Die Nachverhandlung mit Franchise stehe "in keinem unmittelbaren Zusammenhang" mit dem Abschluss der Kirch-Gruppe, sagte die Intertainment Intertainment-Sprecherin. habe das Recht, als erster einen Film anzuschauen und sich gegebenenfalls die Rechte zu sichern, sagte die Sprecherin. Erst wenn Intertainment einen Film ablehne, könnten sich andere die Rechte sichern. Nach Spekulationen in Branchenkreisen musste Intertainment aber möglicherweise auf Abschlüsse verzichten, weil die Finanzierung nicht rechtzeitig auf die Beine gestellt werden konnte.

Vertrag enthält Mindestabnahmeverpflichtung

Im vergangenen Jahr hatte Intertainment den Abschluss mit Franchise Pictures als großen Erfolg gefeiert. Das Münchner Unternehmen sicherte sich laut Mitteilung vom Dienstag über einen Zeitraum von fünf Jahren die Rechte an mindestens 60 Filmen. Nach früheren Angaben hatte das Paket ein Gesamtproduktionsbudget von 500 Mill. $. Intertainment wollte in den ersten beiden Jahren 125 Mill. $ (rund 270 Mio DM) investieren. Vereinbart wurde auch ein bestimmtes Mindestkontingent, das Intertainment abnehmen muss.

Rätselhafte Mitteilung als "präventive Maßnahme"

Der Ausgang der Verhandlungen sei völlig offen, sagte eine Intertainment-Sprecherin. Ob die Gespräche auch zu einer Lösung der Verträge führen könnten, wollte sie nicht sagen. Die Sprecherin bezeichnete die Mitteilung als "präventive Maßnahme". "Die Verhandlungen werden mit Sicherheit zu einem Ergebnis führen", sagte sie.

Branchenspekulationen, wonach Intertainment Schwierigkeiten habe, die Filme zu finanzieren, wies die Sprecherin zurück. Die Gerüchte seien ihr bekannt, das Unternehmen verfüge aber über 154 Millionen DM Finanzmittel und sei nicht in Liquiditätsnöten.

Im November hatte Intertainment eine Umsatz- und Gewinnwarnung ausgegeben. Statt 290 Millionen DM Umsatz wird nun nur noch mit 170 Millionen DM Umsatz gerechnet, statt einem Ergebnis von 84 Millionen DM vor Zinsen und Steuern (Ebit) mit einem Ebit von 60 Millionen DM.

Intertainment hat an der Börse bessere Zeiten gesehen

Die Aktie des Medienunternehmens war am 8. Februar vergangenen Jahres am Neuen Markt gestartet. Trotz Kritik am Finanzierungsmodell war die Aktie (Emissionspreis 36 Euro) auf ein Hoch von mehr als 120 Euro gestiegen. Die Krise der Medienwerte riss Intertainemt in den vergangenen Wochen nach unten.
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