Vertragsverlängerung in der Halbzeitpause
Heiner Brand bleibt bis 2008 Handball-Bundestrainer

Die deutschen Handballer führten im Supercup-Halbfinale gegen Kroatien zur Halbzeit 15:11, als der Hallensprecher sich am Sonnabend in der SachsenArena von Riesa zu Wort meldete. "Der Bundestrainer hat seinen Vertrag bis 2008 verlängert", verkündete er. Die Zuschauer jubelten wie nach dem anschließenden 30:28-Sieg der Deutschen nach Siebenmeterwerfen.

RIESA. Doch die lautstarke Bekanntgabe ist gar nicht der Stil von Heiner Brand. Deshalb sei er, gestand der Trainer später, im Moment der Durchsage "ziemlich rot geworden". Unangenehm war nicht die Tatsache, sondern der Zeitpunkt der Bekanntgabe."Das in der Halbzeit zu melden, ist ungeschickt gewesen", sagte Brand, "das lenkt von der Mannschaft und ihren Leistungen ab." Schließlich wurde sein Team Zweiter, verlor gestern das Finale gegen Spanien denkbar knapp 28:29.

Aber die eilig verteilte Presseerklärung des Deutschen Handball-Bundes (DHB) am Vortag war nötig geworden, weil zu viele schon davon wussten. Am Samstagmorgen hatte DHB-Präsident Ulrich Strombach dem erweiterten 42-köpfigen DHB-Vorstand den Rentenvertrag mitgeteilt, und dies war flugs weitergetragen worden.

Die 51-jährige Personifizierung des deutschen Handballs war auch deswegen ungehalten, weil er so die Mannschaft nicht vorher hatte einweihen können. "Das war schon komisch, das so mitten im Spiel zu erfahren", sagte Mark Dragunski. Aber alle Spieler, berichtete der Kreisläufer vom VfL Gummersbach, "sind froh darüber, er ist doch das beste, was uns passieren kann". Und Kapitän Markus Baur fand die Weiterarbeit mit Brand die "einzig vernünftige Lösung, ich sehe sonst keinen". Die Spieler schätzen Brands fachliche und menschliche Souveränität und das seltene Vermögen, Mannschaften zusammenzustellen und sie vorsichtig zu entwickeln. "Er vermag es wie kein anderer, die einzelnen Teile eines Teams wie ein Puzzle ineinander zu passen", sagte Torhüter Christian Ramota bei der WM im Januar, die die Deutschen als Zweiter beendeten. Brand, der die Mannschaft 1997 an einem sportlichen Nullpunkt übernommen hatte, wird nicht nur respektiert. In allen Aussagen der Akteure liegt immer auch ein Hauch Verehrung.

Freilich hatte Brand vor dem finalen Gespräch mit Präsident Strombach in Interviews auch mit anderen Optionen spekuliert, so mit dem Vereinshandball in Spanien oder Frankreich. Geld spielte dabei seiner Aussage nach keine Rolle, ein Vertragspoker "ist meine Sache nicht, das habe ich schon 30 Jahre lang falsch gemacht", wie Brand grinsend verriet. Vielmehr erschien ihm ein Vertragsende nach 2005, wie bisher vorgesehen, nicht logisch; er wollte "entweder einen Schnitt nach Athen 2004" oder eben bis zu den nächsten Olympischen Spielen 2008 weiterarbeiten.

Nun lockt zusätzlich eine Europameisterschaft in Deutschland. Die Turniere für 2006 und 2008 werden bald vergeben.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%