Vertrauen der Aktionäre stärken
Vivendi Universal: Neues Aufsichtsgremium

Die internationale Medien- und Versorgergruppe Vivendi Universal hat ein neues Aufsichtsgremium eingesetzt, um nach den Turbulenzen der vergangenen Wochen um den umstrittenen Konzern-Chef Jean-Marie Messier das Vertrauen der Aktionäre zu stärken.

Reuters NEW YORK/ PARIS. Nach einer Unternehmenskreisen zufolge teils stürmischen Sitzung berief das Vivendi-Board in der Nacht zum Donnerstag in New York Edgar Bronfman an die Doppelspitze des Corporate Governance Komitees. Bronfmans Familie ist mit 5,3 % größter Vivendi-Aktionär. Messier sollte auf der Sitzung seine Strategie zum Abbau des Schuldenberges erläutert.

Analysten, die mit einem Plan zum Teilverkauf des Versorgers Vivendi Environnement gerechnet hatten, vermissten aber detaillierte Informationen zur weiteren Unternehmensstrategie. An der Pariser Börse brachen Vivendi-Aktien im frühen Handel um mehr als vier % ein.

Bronfmans Rückkehr

Mit der Berufung in das Gremium gemeinsam mit Marc Vienot, Chef der Vivendi Buchprüfung, übernimmt Bronfman wieder eine aktivere Rolle im Management. Im März hatte er die Verantwortung für die Sparten Musik und Internet abgegeben. Die Familie war über den Verkauf des kanadischen Getränkekonzerns Seagram und der US-Filmfirma Universal Studios zu Vivendi gestoßen.

Die Informationen nach der Board-Sitzung waren eher spärlich. Man wolle sich mit einem älteren Management auf die Umsetzung der Strategie konzentrieren, hieß es in einer Mitteilung. In einer später veröffentlichten zweiten Stellungnahme fügte Vivendi die Worte "ohne Einmischung" hinzu. Die Strategie beruhe "auf der aktiven Fortsetzung des Programms zur Schuldenreduzierung und zum inneren Wachstum der Geschäftsbereiche des Unternehmens", hieß es weiter. "Ich freue mich auf die Empfehlungen unseres neu gegründeten Governance Komitees", teilte Messier in New York mit.

Analysten begrüßten die Einrichtung des Gremiums, kritisierten aber zugleich den spärlichen Informationsfluss. "Ein solcher Schritt könnte als positiver Katalysator dienen, sofern Messiers Manöverraum nicht zu stark eingeschränkt wird", sagte Mark Harrington, Analyst bei J.P.Morgan, mit Blick auf die Einrichtung des Komitees.

Keine neue Hauptversammlung

Wie von Branchenexperten erwartet, entschied Vivendi in der Nacht zum Donnerstag, keine neue Aktionärsversammlung einzuberufen. Die Hauptversammlung war der offizielle Anlass des Board-Treffens, nachdem Messier die Aktionärsabstimmung im April wegen angeblicher Manipulationen als ungültig bezeichnet hatte. In New York bestätigte der Board nun das Ergebnis der April-Abstimmung. Die Hauptversammlung hatte unter anderem die Ausgabe von Aktienoptionen an leitende Angestellte abgelehnt.

Offen bleibt weiterhin, wie Messier den Einbruch der Vivendi-Aktien auffangen will. Branchenexperten hatten mit einem Vorschlag Messiers gerechnet, zwecks Schuldenabbau und Konzentration auf das Mediengeschäft 15 bis 20 % der Beteiligung an der Versorgungssparte für bis zu 2,5 Milliarden ? abzustoßen. Vor den französischen Wahlen Mitte Juni sei jedoch nicht mit einem Verkauf zu rechnen, sagte dagegen Chris Dixon, Medien-Analyst bei UBS Warburg. Der Teilverkauf des Wasserversorgers - womöglich an ein nichtfranzösisches Unternehmen - ist in Frankreich zu einem politischen Streitthema geworden.

Vivendis Schuldenberg aus bisherigen Zukäufen dämpft die Handlungsfreiheit des weltweit zweitgrößten Medienhauses. Vor einem Monat hatte die Ratingagentur Standard and Poor's ihre Bonitäts-Einstufung für Vivendis Verbindlichkeiten gesenkt. Vivendi präsentierte darauf den Agenturen einen Plan zur Schuldenreduzierung, den es allerdings nicht veröffentlichte. Ohne Vivendi Environment sitzt der Konzern nach umfangreichen Akquisitionen noch auf 17 Milliarden ? Schulden.

An der Pariser Börse verloren Vivendi-Aktien am Donnerstagvormittag in einem leichteren Gesamtmarkt 4,39 % nach 32,26 ? .

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