Vertrauen in die Anleger wieder herstellen
Mehrheit der US-Firmenchefs beeidigt Bilanzen

Bis zum Ablauf der Frist um 23.30 Uhr MESZ folgten mindestens 500 der betroffenen 695 Konzerne der Anordnung der Börsenaufsicht SEC.

Reuters NEW YORK. Zuvor hatten bereits die US-Aktienmärkte kräftig im Plus geschlossen. Händler sagten, die Beglaubigung der Bilanzen stärke das zuletzt arg gebeutelte Vertrauen der Anleger in die Buchungspraktiken der Konzerne. Analysten gehen davon aus, dass Firmen wie der insolvente Kabelfernsehkonzern Adelphia Communications, die die Frist versäumten, dafür in den nächsten Tagen mit empfindlichen Kursverlusten bestraft werden.

Mit der neuen Regelung will die SEC das Vertrauen der Anleger wiederherstellen, das durch die Bilanzskandale und Konkurse von Enron und Worldcom schwer erschüttert worden war. Die neue Anordnung der SEC betrifft insgesamt 942 börsennotierte Unternehmen. Für 695 davon galt die Frist bis zum 14. August. Etliche Firmen dürfen die geforderten Unterschriften später vorlegen, da ihr Geschäftsjahr nicht mit dem Kalenderjahr zusammenfällt. Die SEC verwies alle nervösen Investoren auf die Internet-Seite www.edgar-online.com, um zu prüfen, welche Unternehmen ihre Bilanzen attestiert haben.

Entgegen zeitweise anders lautender Spekulationen beglaubigten auch AOL-Time-Warner-Chef Richard Parsons und Finanzvorstand Wayne Pace die Firmenbücher, wie der weltgrößte Medienkonzern am Abend mitteilte. In Zeitungsberichten hatte es zuvor geheißen, am späten Dienstagabend sei nach Beratungen mit seinen Beratern noch unklar gewesen, ob das Unternehmen seine Erklärung abgebe. Reuters hatte jedoch zwischenzeitlich aus Kreisen erfahren, die beiden Manager würden die persönliche Verantwortung für die Richtigkeit der Zahlenwerke übernehmen.

SEC-Behördenchef Harvey Pitt plante nach den Worten einer SEC-Sprecherin zunächst keine öffentliche Erklärung nach dem Ablauf der Frist. Vor kommender Woche werde keine vernünftige Auswertung der eingegangenen Firmenerklärungen vorliegen, sagte die Sprecherin. Der SEC gehe es ohnedies mehr um den Gehalt der Unternehmensschreiben als um deren Eingangstermin.

Die US-Börsenaufsicht folgt mit der Ende Juni erlassenen Anordnung einem neuen Gesetz, das die regelmäßige Abzeichnung der Bilanzen durch Firmenchefs und Finanzvorstände verlangt. Bislang ist aber nicht klar, mit welchen Strafen die Unternehmen und ihre Repräsentanten zu rechnen haben, wenn sie die Frist der Börsenaufseher versäumen oder fehlerhafte oder gar gefälschte Bilanzen unterzeichnen. Die SEC verwies lediglich darauf, dass die Gesetze im Betrugsfall Geld- und Haftstrafen vorsehen.

Von einigen Firmen wurde nicht erwartet, dass sie die Frist einhalten werden. So ist die insolvente Worldcom noch damit beschäftigt, ihre Bilanzen neu zu erstellen, nachdem sie Fehlbuchungen über insgesamt 7,6 Mrd. $ eingestanden hatte. Nach dem Kollaps des Energiehändlers Enron hatten zudem mehrere andere Unternehmen der Branche Zweifel an ihren eigenen Bilanzen geäußert.

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