Vertrauen verspielt
Der Neue Markt bedarf mehr als schärferer Gesetze

Verheerende Quartalsberichte, verantwortungslose Unternehmensbosse, missbrauchtes Anlegervertrauen, Kursrutsch unter 1.000 Punkte - der Neue Markt hat in den vergangenen Monaten nichts ausgelassen, um sich in Verruf zu bringen.

Nun interessieren sich eigentlich nur noch Zocker für den Index der Technologiewerte. Grund für die Deutsche Börse, mit einem Kapitalmarktkodex durchzugreifen um das viel beschworene "Anlegervertrauen" wieder zurückzuholen. Doch was die Regelung nun letztlich regeln soll, was sie durchsetzen kann und wer geschützt wird - darum streiten sich die Rechtsexperten. Trotz der guten Absichten wird der künftige Kodex nur bedingt das Vertrauen der Anleger wieder aufbauen können, denn die Verträge zwischen Börse und Unternehmen wirken sich nicht ohne weiteres auf die Situation der Anleger aus.

Erfreulich also, dass sich der Gesetzgeber mit dem vierten Finanzmarktförderungsgesetzt für die Rechte der Anleger einsetzen will. Klagemöglichkeiten für Privatinvestoren soll es geben und mehr Handlungsmöglichkeiten für die Börse, Banken und Kapitalanlagegesellschaften. Bis zu 500.000 EUR sollen Manager künftig berappen müssen, wenn sie kursrelevante Informationen unterlassen oder Falschmeldungen veröffentlichen. Bei Insiderhandel drohen gar Freiheitsstrafen bis zu fünf Jahren.

Doch was nutzt dem Anleger eine Klagemöglichkeit, wenn es nichts zu Klagen gibt. Wenn Unternehmen auf Grund der miesen Konjunkturlage schlechte Zahlen liefern, die die Kurse zum Einbrechen bringen. Und zusätzlich lasten Horror-Meldungen amerikanischer Technologie-Unternehmen auf den hiesigen Werten. Neben all den gut gemeinten Regeln und Gesetzen muss sich am Neuen Markt von innen heraus wieder Qualität entwickeln. Und das geht nicht so schnell, wie sich das die Börse wünscht. Nicht vor dem ersten Quartal 2002 erwartet das Gros der Händler und Analysten eine Trendwende der Konjunktur. Einer solchen bedarf es aber, soll es den Unternehmen wieder besser gehen.

Warten auf den Trendwechsel

Sollte das Konjunkurbarometer wieder ein Hoch anzeigen, stehen den Gesellschaften auch wieder mehr Mittel zur Verfügung, die sinnvoll investiert werden können. Sicherlich wird dann das ein oder andere Unternehmen, das derzeit als "Pennystock" sein Dasein fristet, von größeren Firmen geschluckt werden und so vom Kurszettel verschwinden, sollte das nicht schon vorher der Fall sein.

Auch Fusionen dürften den Neuen Markt von wenig rentabel wirtschaftenden Unternehmen befreien, deren Überleben sonst auf der Kippe stünde. Qualität wird sich letzlich durchsetzen. Und Qualität findet sich nicht nur unter den "Großen", sondern auch bei so manch kleinerem Wert der zweiten und dritten Reihe. Und diese Firmen warten noch auf ihre Chance. Wie lange sie noch warten müssen, steht in den Sternen.

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