Vertrauenskrise bei WCM belastet die Kurse der gesamten Branche
Betongold-Aktien an der Börse aus der Mode

Immobilienwerte galten bislang als krisenfestes Investment am Aktienmarkt. Doch die Kursentwicklung im laufenden Jahr enttäuscht bei den meisten Werten - auch wenn der Branchenindex im direkten vergleich besser als der Dax abschneidet. Gute Perspektiven sehen die Experten nur bei ausgesuchten Gesellschaften.

DÜSSELDORF. Im bisherigen Jahresverlauf konnten Immobilienaktien ihren Ruf als Risiko ausgleichendes Investment nicht gerecht werden. Zwar hat der vom Bankhaus Ellwanger & Geiger (E&G) berechnete Dimax-Index per Ende Juli deutlich besser abgeschnitten als der Deutsche Aktienindex (Dax). Dennoch blieben die deutschen "Betongold"-Papiere von den scharfen Kurseinbrüchen an den Weltbörsen nicht verschont. Während der Dax in den ersten sieben Monaten des Jahres knapp 33 Prozent an Wert verloren hat, gab es beim Dimax, der die Wertentwicklung von 59 deutschen Immobilienaktien misst, ein Minus von etwas weniger als 19 Prozent.

Analysten warnen allerdings davor, bei dieser Betrachtung die rein nationale Brille aufzusetzen. Der für europäische Titel maßgebende Epra-Index legte seit Jahresbeginn immerhin um mehr als fünf Prozent zu. "Das zeigt, dass die Anleger eindeutig einen Diversifikationsnutzen aus Immobilienwerten gezogen haben", meint Stefan Goronczy, Analyst bei der Hamburger Landesbank.

Für das vergleichsweise schlechte Abschneiden deutscher Gesellschaften gibt es mehrere Gründe. Zum einen macht sich der Kursabsturz des Indexschwergewichts WCM (minus 71,4 Prozent) auch in der Dimax-Performance bemerkbar. Pikant daran ist, dass die Gründe für den Niedergang des WCM-Papiers in erster Linie im Beteiligungs- und weniger in der Immobiliensparte des Frankfurter Konzerns liegen. Der zweite Faktor ist, dass hierzulande andere Anlageformen bei Immobilien dominieren - etwa Fonds. "Den Investoren fehlt vielfach das Vertrauen in die Fähigkeiten des Managements", beobachtet Goronczy. "Aber wenn ich mir beispielsweise das von IVG Immobilien anschaue, kann ich das nicht nachvollziehen."

Die Bonner Immobiliengesellschaft gilt unter Analysten aufgrund ihrer europäischen Ausrichtung als Branchenfavorit. Jede zweite Empfehlung lautet "kaufen" oder "outperform" - auch weil die Summe der Vermögenswerte, der Net Asset Value, deutlich unter der aktuellen Marktkapitalisierung liegt. Dennoch musste auch das IVG-Papier im Zuge der WCM-Krise Federn lassen (minus 7,6 Prozent).

Der dritte Grund ist die im europäischen Umfeld eher verhaltene Entwicklung auf dem Primärmarkt. "Der deutsche Immobilienmarkt ist derjenige, der derzeit am schlechtesten läuft", beobachtet Helmut Kurz, Manager des E&G Immobilienaktienfonds Europa. Vor allem bei Gewerbeimmobilien sind die Vermietungserlöse rückläufig. Dazu kommt, dass der hohe Angebotsdruck bei gleichzeitig sinkender Nachfrage die Marktsituation in den kommenden Monaten eher noch verschärfen wird. Gesellschaften, die sich auf die Verwaltung oder das Projektgeschäft konzentrieren, wie TAG Tegernseebahn ( minus 34,6 Prozent) oder HBAG (minus 40,8 Prozent) sind deshalb nicht gut gelitten.

Fondsmanager Kurz sieht für Immobilienwerte derzeit eine neutrale Kursentwicklung. Für ihn könnte erst eine bessere Wirtschaftspolitik, möglicherweise verbunden mit einem Regierungswechsel im Herbst, neue Impulse liefern.

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