Vertraulichkeitserklärung unterzeichnet
Bieterverfahren für Bankgesellschaft wohl in neuer Phase

Das Bieterverfahren um die angeschlagene Bankgesellschaft Berlin ist offenbar mit leichter Verzögerung in eine neue Phase getreten. Aus Verhandlungskreisen verlautete am Mittwoch in Berlin, einer der beiden im Rennen verbliebenen US-Investoren habe inzwischen eine so genannte Vertraulichkeitserklärung unterzeichnet.

Reuters BERLIN. Die texanische Investmentgesellschaft Lone Star habe bereits seit einigen Tagen Zugang zum Datenraum der Bankgesellschaft, um die Unternehmensprüfung (Due Dilligence) fortzusetzen. Ursprünglich war dies bereits für Anfang Oktober geplant. Lone Star äußerte sich nicht dazu. In den Kreisen hieß es weiter, der andere Investor BGB Capital Partners werde vermutlich nicht so einen tiefen Einblick in die vertraulichen Unterlagen nehmen. BGB Capital Partners kommentierte dies nicht. Unklar blieb zunächst, ob auch diese Bietergemeinschaft die Vertraulichkeitserklärung unterschrieben hat.

Ob die Verkaufsverhandlungen Erfolg haben werden, ist nach Einschätzung von Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) derzeit noch offen. Sollte der Verkauf scheitern, werde das Land als Großaktionär die Bankgesellschaft zusammen mit dem Unternehmen in den nächsten fünf Jahren von sich aus sanieren müssen, sagte Sarrazin am späten Dienstagabend in Berlin.

Das Land Berlin hält rund 81 Prozent an der Bankgesellschaft und will das Geldinstitut möglichst noch bis Jahresende verkaufen. Der Senat hat die Haftung von Immobilien-Altrisiken der Bank in Höhe von 21,6 Milliarden Euro für die nächsten rund 30 Jahre übernommen. Lone Star hat angekündigt, bei einem Zuschlag keine weitere Risikoübernahme vom Land einzufordern. In den Verhandlungskreisen hieß es weiter, deshalb sei Lone Star an einer genauen Prüfung der vertraulichen Bankdaten interessiert. Ein Lone-Star-Sprecher lehnte eine Stellungnahme ab.

BGB Capital Partners hatte zuletzt mehrfach betont, der Senat sei bereits auf der Grundlage der Investorenangebote vom August entscheidungsfähig. In den Kreisen hieß es, die Bietergemeinschaft um den Banker Christopher Flowers und die Beteiligungsgesellschaft Texas Pacific Group (TPG) sei an einer Risikobeteiligung des Landes interessiert. Ähnlich war Flowers bei der Übernahme der heutigen Shinsei Bank in Japan vorgegangen, wo die öffentliche Hand Garantien übernommen hatte. Ein Sprecher von BGB Capital Partners äußerte sich nicht zur aktuellen Offerte, sagte aber, im ursprünglichen Angebot vom Herbst 2001 habe man dem Senat bereits eine weitergehende Beteiligung an der Bankgesellschaft in Aussicht gestellt.

Sarrazin bekräftigte den Willen des Landes, die Bankgesellschaft zu verkaufen. Sollte es aber kein akzeptables Übernahmeangebot geben, werde es einen neuen Verkaufsprozess erst wieder 2007/2008 geben. "Bis dahin wäre das Unternehmen für den Verkauf, wenn er jetzt scheitert, verbrannt", sagte Sarrazin bei einer Diskussionsveranstaltung. Skeptisch äußerte er sich zur Möglichkeit einer generellen Rückabwicklung der umstrittenen Immobilienfonds, die zu einer weiteren finanziellen Belastung der Bank führe. Vielmehr müsse man versuchen, für jeden einzelnen Fonds eine angemessene Lösung zu finden. Die Haftungsübernahme des Landes betrifft vor allem marktunüblich hohe Miet- und Garantieleistungen gegenüber den Zeichnern.

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