Vertrauter von Putschistenchef wird neuer Präsident
Geiselnahme im Parlament der Fidschi-Inseln unblutig beendet

Die Zukunft des Inselstaates war am Donnerstag weiter unklar. Seit dem Umsturzversuch herrschte auf den Fidschis ein Klima der Anarchie.

Suva, 13. Juli (AFP) - Der Putschversuch auf den Fidschi-Inseln mit anschließender Geiselnahme ist nach fast zwei Monaten ohne Blutvergießen zu Ende gegangen. Die Putschisten unter Anführer George Speight ließen am Donnerstag auch die letzten 19 Geiseln frei, die sie seit Mitte Mai in der Hauptstadt Suva im Parlamentsgebäude festgehalten hatten. Darunter war auch der inzwischen abgesetzte Premierminister Mahendra Chaudhry. Kurz darauf ernannte der Häuptlingsrat der Fidschi-Ureinwohner einen Vertrauten des Putschistenführers, Ratu Josefa Iloilo, zum neuen Präsidenten. Das Militär kündigte an, nach dessen offizieller Amtsübernahme seine derzeitigen Machtbefugnisse wieder abzugeben. Im Ausland wurde das unblutige Ende begrüßt. Allerdings gab es massive Kritik daran, dass die Putschisten ihr Ziel offenbar erreichten. Die bewaffnete Gruppe um den Geschäftsmann Speight hatte am 19. Mai das Parlamentsgebäude gestürmt und den amtierenden Ministerpräsidenten sowie zahlreiche Abgeordnete in ihre Gewalt gebracht. Ende Mai wurde der indisch-stämmige Ministerpräsident offiziell für abgesetzt erklärt, und das Militär übernahm die Macht. Seither liefen Verhandlungen, wie das Geiseldrama zu Ende gebracht werden könnte. Hintergrund des Putsches waren die Spannungen zwischen der Mehrheit der Fidschi-Ureinwohner und der indisch-stämmigen Bevölkerung. Am Donnerstag verabschiedeten die Putschisten ihre Geiseln mit Handschlag, bevor die freigelassenen Politiker in zwei Wagen des Roten Kreuzes das Parlamentsgebäude verließen. Hunderte Menschen strömten auf die Straße, um die Freigelassenen mit Jubel zu begrüßen. Die Putschisten feierten das Ende der Geiselnahme als Sieg; der Hintergrund der Freilassung war zunächst jedoch unklar. Laut Militärs hatte der Häuptlingsrat gedroht, die zugesicherte Immunität für die Putschisten aufzuheben, sollten die Geiseln nicht umgehend freikommen. Speight und die Armee hatten am Sonntag ein Abkommen unterzeichnet, um die Krise zu beenden. Als letzter Termin für die Freilassung der Gefangenen wurde darin der Donnerstag festgesetzt. Der ehemalige Ministerpräsident Chaundry berichtete, er sei in den 55 Tagen Geiselhaft geschlagen, jedoch nie schwer verletzt worden. Gegen die Putschisten hege er keinen Groll. Vor der Freilassung habe er sich zwei Stunden mit Speight unterhalten, sagte der deutlich abgemagerte Ex-Premierminister. Der Umsturzversuch hatte sich in erster Linie gegen Chaundry gerichtet, den ersten indisch-stämmigen Premierminister. Der designierte Präsident kündigte an, noch in dieser Woche eine neue Regierung zusammenzustellen. Speight selbst sagte, er würde sich "geehrt" fühlen, wenn er das Amt des Premierministers übernehmen könnte. Der bisherige Präsident Ratu Sir Kamisese Mara war Ende Mai zurückgetreten, nachdem die Armee die Macht ergriffen hatte. Die Zukunft des Inselstaates war am Donnerstag weiter unklar. Seit dem Umsturzversuch herrschte auf den Fidschis ein Klima der Anarchie. Überall im Land wurden Straßensperren errichtet, zahlreiche Touristenanlagen von angeblichen Landbeseiztzern beschlagnahmt und auch das einzige Wasserkraftwerk ist seit Tagen von Putschisten-Anhängern besetzt. Viele Indisch-Stämmige verließen die Inseln. Die Nachfahren der Inder, die von der früheren Kolonialmacht Großbritannien Ende des 19. Jahrhunderts ins Land geholt wurden, stellen etwa 43 Prozent der Einwohner. Die Putschisten hatten eine neue Verfassung verlangt, in der den Fidschi-Ureinwohnern die Macht zugesichert werden sollte.

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