Vertriebs- und Anzeigenmärkte schwächeln
Axel Springer Verlag senkt Umsatzprognose

Der Axel Springer Verlag hat angesichts der andauernden Flaute auf dem Anzeigen- und Werbemarkt seine Umsatzerwartungen für 2002 gesenkt. Einen Kommentar über ein mögliches Interesse des Springer-Verlags an einem Engagement bei der insolventen Kirch-Gesellschaft KirchMedia lehnte Vorstandschef Mathias Döpfner ab.

rtr BERLIN. "Der negative Branchentrend geht weiter. Ein Ende ist aus heutiger Perspektive nicht in Sicht", zeichnete Döpfner am Dienstag auf der Bilanzpressekonferenz des Verlagshauses in Berlin ein pessimistisches Bild. Daher werde ein Umsatzzuwachs im laufenden Jahr nur schwer erreichbar sein. Zunächst war Springer noch von einem Umsatzplus von bis zu zwei Prozent ausgegangen, wie es im Geschäftsbericht hieß. Beim operativen Ergebnis erwartet Springer 2002 nur eine moderate Verbesserung gegenüber dem schwachen Vorjahreswert von 14 (2000: 199) Mill. ?.

Im vergangenen Jahr hatte der Springer-Verlag, der Zeitungen wie "Bild" und "Die Welt" und Zeitschriften wie "Hörzu" und "Popcorn" herausgibt, mit 198 Mill. ? den ersten Verlust in der 50-jährigen Unternehmensgeschichte verbucht. Der Umsatz war um 1,3 % auf 2,86 Mrd. ? gesunken. Die Aktionäre müssen daher auf eine Dividende für 2001 verzichten. Die Bezüge des Vorstands hätten sich im vergangenen Jahr aber auch halbiert, sagte Döpfner.

Döpfner schließt weitere Kostensenkungen nicht aus

Mit Einsparungen, der Schließung von unprofitablen Projekten und dem Abbau von zehn Prozent der rund 14 000 Mitarbeiter bis 2003 will der seit Jahresanfang amtierende Vorstandschef den Verlag wieder in die schwarzen Zahlen führen. "Wir sehen, dass das Kostensenkungsprogramm greift", sagte Döpfner am Dienstag. Die Marketingkosten seien gesenkt, rund 70 % des geplanten Personalabbaus identifiziert und unrentable Projekte wie die Zeitschriften "Ambientes" in Spanien oder "Mieskaj" in Polen eingestellt worden. Döpfner schloss weitere Maßnahmen zur Kostensenkung nicht aus: "Wir haben viel getan, ob wir noch mehr tun müssen, hängt von der wirtschaftlichen Entwicklung ab."

Anlass zur Hoffnung auf eine baldige Markterholung geben die ersten Monate des neuen Jahres nicht. Auch Springer habe sich der negativen Entwicklung auf dem Vertriebs- und Anzeigenmärkten nicht entziehen können, erläuterte Finanzvorstand Steffen Naumann. So seien die Anzeigenerlöse in den Monaten Januar bis April 2002 rund neun Prozent gesunken. Der Vertriebsumsatz sei vor allem wegen Preiserhöhungen und des Auslandsgeschäfts um drei Prozent gestiegen. Bei der Entwicklung der Auflagen gab sich Döpfner pessimistisch: "Wir sehen keine Anzeichen für Zuwächse. Wir gehen eher von stagnierenden und hier und da sogar rückläufigen Auflagen aus."

Kirch-Krise belastet

Neben der schwachen Marktentwicklung sei die Krise des Medienkonzerns Kirch-Gruppe[KRCH.UL] eine Belastung für den Axel Springer Verlag, führte Döpfner aus. "Das bindet vor allem Managementkapazität". Springer hatte im Frühjahr eine Option zum Verkauf seines 11,5-prozentigen Anteils an der Senderfamilie ProSiebenSat.1 für 767 Mill. ? an KirchMedia ausgeübt und damit die Krise des Medienkonzerns verschärft. "Der Axel Springer Verlag hatte kein Interesse an der Schwächung der Kirch-Gruppe", stellte Döpfner klar. Es habe im Interesse der eigenen Aktionäre keine Alternative gegeben. Nun befindet sich Springer mit Kirch in einem Rechtsstreit über die Option.

Ob Springer Interesse an einem Einstieg bei der insolventen KirchMedia oder der Aufstockung der Anteile an ProSiebenSat.1 hat, wollte Döpfner nicht kommentieren. "Wir haben an einem nicht strategischen Asset langfristig kein Interesse", sagte er lediglich. In Verlagskreisen heißt es schon seit längerem, eine strategische Beteiligung von mindestens 25 % bei dem einen oder dem anderen Unternehmen werde zumindest überlegt.

Mit der Deutschen Bank führe Springer konstruktive Gespräche über die Verwertung des 40-prozentigen Anteils an Springer, den das Kreditinstitut nach der Insolvenz von KirchMedia übernommen hatte, sagte Döpfner weiter. Finanzkreisen zufolge will die Deutsche Bank das Paket im Spätsommer an die Börse bringen, wodurch der Springer-Verlag, von dessen Aktien bisher weniger als zehn Prozent in Streubesitz sind, auf einen Schlag zu einem der wichtigsten börsennotierten Medienkonzernen in Deutschland werden würde. Springer hatte sich gegen einen Verkauf des Pakets an einen Konkurrenten wie die WAZ-Gruppe gewehrt und für eine breite Streuung am Aktienmarkt plädiert.

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