Vertuschungsskandal um Fahrzeugmängel
Japanische Regierung stellt Strafanzeige gegen Mitsubishi Motors

Mitsubishi-Chef Katsuhiko Kawasoe tritt nach dem Vertuschungsskandal um Fahrzeugmängel zurück. Ex-Adtranz-Chef Rolf Eckrodt soll neuer Vizechef werden

afp/reuters TOKIO. Im Skandal um die Verheimlichung von Kundenbeschwerden über gravierende Fahrzeugmängel hat das japanische Verkehrsministerium am Freitag gegen den Autobauer Mitsubishi Motors Strafanzeige gestellt. Die Polizei werde gegen den Konzern ermitteln, teilte das Ministerium in Tokio mit.

Daraufhin hat der Chef von Mitsubishi Motors, Katsuhiko Kawasoe, seinen Rücktritt erklärt. Er übernehme die volle Verantwortung für den Vertuschungsskandal, sagte Kawasoe am Freitag auf einer Pressekonferenz im japanischen Verkehrsministerium. Mitsubishi hatte im vergangenen Monat zugegeben, mehr als 20 Jahre lang meldepflichtige Kundenbeschwerden vertuscht zu haben. "Ich entschuldige mich in aller Form für die Unannehmlichkeiten, die wir unseren Kunden mit diesem Problem bereitet haben", sagte Kawasoe. Zuvor hatte das Ministerium mitgeteilt, Strafanzeige gegen Mitsubishi zu erstatten und eine Geldstrafe von bis zu vier Millionen Yen (rund 76.000 DM) für vier heimliche Rückrufaktionen zu fordern.

Ob er weiterhin einen Posten im Vorstand des Unternehmens inne haben werde, ließ Kawasoe offen. Er würde gerne helfen, das Problem zu lösen und das Unternehmen zu unterstützen, sagte er. Zu der möglichen Erhöhung des DaimlerChrysler-Anteils an Mitsubishi wollte sich Kawasoe nicht äußern. Unter Kawasoe hatte der japanische Autohersteller zunächst den schwedischen Lkw-Hersteller Volvo beteiligt. DaimlerChrysler plant die Übernahme von 34 Prozent an Mitsubishi. Medienberichten zufolge will das deutsch-amerikanische Unternehmen diesen Anteil auf bis zu 38 Prozent erhöhen.

Nach Informationen der Wirtschaftszeitung "Nihon Keizai Shimbun" soll der bisherige Vizechef Takashi Sonobe die Nachfolge Kawasoes antreten. Der Chef der frühreren DaimlerChrysler-Bahntochter Adtranz, Rolf Eckrodt, wird nach Informationen der "Stuttgarter Nachrichten" (Freitagausgabe) neuer Vizechef von Mitsubishi Motors.

Bei Routineinspektionen des Verkehrsministeriums im vergangenen Jahr war bekannt geworden, dass Mitsubishi seit mindestens 1977 systematisch Kundenbeschwerden über Fahrzeugmängel verheimlicht hatte, um teure Rückrufaktionen zu vermeiden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%