Verunsicherte Anleger
EM.TV-Aktie unter Druck nach Äußerung von FIA-Chef

Spekulationen über neue Widerstände gegen eine Mehrheitsbeteiligung der Kirch-Gruppe und des Filmrechtehändler EM.TV an der Formel-Eins-Holding SLEC haben die Aktien der EM.TV AG am Mittwoch belastet. Die Papiere fielen in der Spitze um mehr als zwölf Prozent auf ein vorläufiges Tagestief von 6,01 Euro, nachdem sich nun auch der Präsident der International Automobil Federation (FIA), Max Mosley, negativ zu einer Mehrheitsbeteiligung von Kirch und EM.TV an der Formel-Eins-Holding SLEC geäußert hatte.

Reuters FRANKFURT. Ein Kirch-Sprecher wollte die Äußerungen nicht kommentieren. Die Kirch-Gruppe sei aber zu Gesprächen mit den Motorsport-Funktionären und den Autoherstellern über eine einvernehmliche Lösung bereit.

Mosley hatte am Dienstag gesagt, die geplante Aufstockung des Anteils von Kirch und EM.TV an der SLEC von 50 auf 75 % sei "nicht gut". Er würde eine Beteiligung der führenden Formel Eins-Autohersteller befürworten und wünsche sich, dass die FIA-Generalversammlung, die die Mehrheitsbeteiligung der Münchener noch genehmigen müsse, der Erhöhung nicht zustimmen werde. Auch Bernie Ecclestone, der derzeit noch die restlichen 50 % an der SLEC hält, will Zeitungsberichten zufolge eine Kontrolle der Holding durch die Münchener Unternehmen verhindern. Nach einem Bericht von "Auto, Motor und Sport" hat der Formel-Eins-Mogul bereits mit den Formel-Eins-Konstrukteuren über die Möglichkeit, eine alternative Rennserie in Leben zu rufen, gesprochen.

Das Konsortium von Autoherstellern unter der Führung von DaimlerChrysler hat nach eigenen Angaben Interesse an einem SLEC-Anteil, der aber größer als 25 % sein müsse. In der Vergangenheit hatte EM.TV auch mit den Autoherstellern Gespräche über eine Beteiligung an der SLEC geführt. Damals war eine Aufteilung der SLEC in jeweils ein Drittel für Ecclestone, EM.TV und die Konstrukteure angedacht worden.

Die Kirch-Gruppe signalisierte nun Gesprächsbereitschaft

Die Kirch-Gruppe signalisierte nun Gesprächsbereitschaft: "Wenn Ecclestone das wünscht und die Autohersteller daran interessiert sind, wird sich die Kirch-Gruppe Gesprächen über eine einvernehmliche Lösung nicht verschließen", sagte der Sprecher. Angaben dazu, wie eine solche Lösung aussehen könne, wollte er aber nicht machen. Die Kirch-Gruppe will im Rahmen einer strategischen Partnerschaft von der EM.TV AG, die derzeit noch 50 % an der SLEC hält, für rund 550 Mill. $ einen knapp 25-prozentigen Anteil an der SLEC erwerben. Zusammen mit EM.TV will der Medienkonzen dann eine Option zum Kauf von weiteren 25 % an der SLEC für knapp eine Milliarde $ ausüben. Damit läge die Kontrolle der Holding, die die für die Kirch-Gruppe so wertvollen Fernsehrechte an der Rennsportserie vergibt, mit 75 % in den Händen der beiden Münchener Unternehmen.

Ecclestone und Mosley befürchten dagegen, dass die Kirch-Gruppe als Betreiber der Privatsender ProSieben und Sat.1 und des Bezahlfernsehens Premiere ihren Einfluss bei der Vergabe bei den TV-Rechten geltend machen könnte. Bis 2003 liegen die Rechte für das werbefinanziere Fernsehen noch beim Konkurrenzsender RTL, die Pay-TV-Rechte liegen bei Premiere.

Die Aktien der EM.TV AG litten am Mittwoch erneut unter der Unsicherheit. Die Meldungen über Personen, die den rettenden Einstieg von Kirch bei der mit 1,12 Mrd. Euro verschuldeten EM.TV AG verhindern wollten, rissen nicht ab, begründete ein Analyst den Kursverfall. So drohte auch der Münchener Medienunternehmer und Chef der Tele-München-Gruppe (TMG), Herbert Kloiber, er werde den Einstieg von Kirch bei EM.TV verhindern, indem er den kartellrechtlich erforderlichen Verkauf des 45-prozentigen TMG-Anteils von EM.TV blockieren werde. Der Kirch-Sprecher sagte, sein Konzern sehe das gelassen. "Das hat für uns keine tagesaktuelle Priorität", fügte er hinzu.

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