Verunsicherter Markt mit dünnen Umsätzen
Nemax 50 fällt auf Rekordtief

Mit einem schnellen Sturz bis auf 1 995 Punkte hat der Neue-Markt-Index Nemax 50 am Donnerstagnachmittag die psychologisch wichtige Marke von 2 000 Punkten unterschritten. Unmittelbar darauf erholte er sich jedoch wieder bis auf 2 037 Zähler.

rtr/dpa-afx FRANKFURT. In der Hektik des Börsengeschehens blieb das kurzfristige Unterschreiten unbemerkt, sagte eine Händlerin: "Hier guckt jeder nur auf den Nasdaq-Index." Verluste an der US-Technologiebörse Nasdaq hätten am Nachmittag den erneuten Kursverfall am Neuen Markt ausgelöst. Für das weitere Vertrauen der Anleger in den Markt sei es wichtig, das die Marke von 2 000 Punkten nicht dauerhaft unterschritten werde. "Der Neue Markt ist getrieben, jedoch nicht von der Vernunft."

Belastend wirke sich eine immer unwahrscheinlicher werdende Zinssenkung in Europa aus, sagten Händler. Der auf eine stärkere Inflation in Deutschland hindeutende Anstieg der Teuerung in Nordrhein-Westfalen lässt nach Einschätzung von Volkswirten eine Zinssenkung in Europa zumindest kurzfristig nicht erwarten. Hintergrund für das Abrutschen der Kurse könne auch der negative Nasdaq-Future sein, der auf eine schwächere Eröffnung der US-Technologiebörse hindeute.

Bei insgesamt dünnen Umsätzen gehörten Brokat und die vor einer Entfernung vom Neuen Markt stehende Gigabell zu den meistgehandelten Aktien am Neuen Markt. Stark unter Druck standen die Direktbanken, die nach dem Urteil des Marktes unter steigendem Wettbewerbsdruck und sinkenden Margen leiden. Die spärlichen Umsätze wurden weiter mit geringen Aktivitäten institutioneller Anleger erklärt, die den Markt fast ganz den Privaten überließen. Ohne die großen Spieler wird es so schnell nicht besser, sagte ein Börsianer.

Brokat, die nach Vorlage von Geschäftzahlen am Vortag deutliche Kursgewinne verbuchten, wurden nach Einschätzung von Börsianern von Gewinnmitnahmen getroffen und büßten mehr als zehn Prozent auf 15,45 Euro ein. Umsatzspitzenreiter mit 1,1 Mill. Stücken auf dem elektronischen Handelssystem Xetra waren die vor der Entfernung aus dem Neuen Markt stehenden Gigabell-Titel, die über 60 % auf 0,37 Euro einbrachen. Die Deutsche Börse hatte am Morgen bekannt gegeben, die Notierung der Aktie am Neuen Markt werde mit Ablauf des 23. Februar eingestellt. Dies belaste den Gesamtmarkt aber kaum, sagte ein Händler. Zum einen sei diese Maßnahme erwartet worden, zum anderen handele es sich bei dem Wert ohnehin nur noch um eine "Zockerpapier".

Direktbanken stehen unter Druck

Wie schon an den Vortagen standen die Direktbanken unter Druck, die nach Händlerangaben unter sinkenden Margen und wachsendem Wettbewerb litten. So markierten Consors mit einem Minus von über sechs Prozent ein neues Rekordtief bei 29,51 Euro. Der alle Finanztitel des Neuen Marktes umfassende Branchenindex verlor über vier Prozent an Boden.

Deutlich unter Druck standen auch Brainpower. Das Unternehmen hatte am Morgen eine Ausweitung der Verluste im Geschäftsjahr 2000 bekannt gegeben. Solche Nachrichten quittiert der Markt derzeit mit einem gnadenlosen Ausverkauf, sagte ein Fondsmanager. Brainpower fielen um 27,36 % auf ein Jahrestief von 3,85 Euro.

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