Verunsicherung an den internationalen Finanzmärkten erreicht neuen Höhepunkt
Der Bär wird zum Hoffnungsträger

In immer kürzeren Abständen schicken Bilanzskandale und schlechte Unternehmensdaten bzw. -prognosen die Aktienkurse auf Talfahrt. Die Abwärtsspirale erreichte am Freitag mit Dow- und Dax-Einbrüchen von 4,6 und 5,1 Prozent einen weiteren Höhepunkt. Gleich vier Firmen hatten daran maßgeblichen Anteil: Johnson & Johnson, Sun Microsystems, Ericsson und Epcos, die Abstürze zwischen 16 und 27 Prozent verbuchten.

FRANKFURT/M. Der Dow liegt nach dem umsatzstärksten Tag seiner Geschichte auf einem Vierjahrestief, während der Dax das Tief vom September vergangenen Jahres noch nicht unterschritten hat. Anleihen und Edelmetalle erwiesen sich erneut als sichere Häfen. Gold kletterte auf knapp 324 Dollar je Unze und markierte damit ein Dreiwochenhoch.

Nur noch wenige Marktteilnehmer können sich der psychologischen Wirkung immer neuer Hiobsbotschaften von den Firmen und daraus folgender Aktienmarktrückschläge entziehen. Dennoch gibt es eine Minderheit von Optimisten, die aus der extremen Skepsis vieler Anleger und Händler eine bevorstehende Marktwende zum Besseren ableitet. Interessanterweise schöpft sie ihre Hoffnung gerade aus der schlechten Stimmung nach nun mehr als zwei Jahren Baisse. Getreu dem Motto: Pessimistische Anleger haben ihre Bestände bereits verkauft, können demnach nicht durch weitere Abgaben für Verkaufs- und damit Kursdruck in der Zukunft sorgen.

Vertreter dieser Gruppe können ihre Argumente jetzt erweitern. Heute erscheint die neue Ausgabe des Wirtschaftsmagazins Business Week mit einem wild ausschauenden Grizzly als Titelbild. Die Optimisten weisen darauf hin, dass das Wochenmagazin Ende der siebziger Jahre mit seiner Titelgeschichte "Der Tod der Aktie" den Beginn der Jahrhunderthausse Anfang der Achtziger verpasst hatte. Allerdings können Bären- wie Bullenmärkte in ihren Endphasen eine vorher nicht für möglich gehaltene Eigendynamik entfalten, so dass die Prognose über Zeitpunkt und Indexstände für eine Trendwende praktisch unmöglich ist.

Manche Skeptiker erwarten sogar zusätzliches Ungemach, halten vom jetzigen tiefen Niveau aus weitere Rückschläge von rund einem Drittel für denkbar. Sie argumentieren unter anderem mit dem Fall unter langfristige charttechnische Unterstützungslinien und warten vor dem Ausruf einer Wende noch auf einen letzten "Sell out". Ein derartiger panikartiger Verkauf bei sehr großen Verlusten an einem Tag könnte einer Bodenbildung auf tieferem Niveau vorangehen.

Angesichts der überaus schlechten Marktpsychologie dürfte die in den nächsten Tagen anstehende Flut von Wirtschafts- und Firmendaten auf besonders große Aufmerksamkeit stoßen. Morgen geben unter anderem AT & T, Amazon, Gillette und Volvo Zahlen bekannt. Am Mittwoch verlagert sich der Schwerpunkt nach Europa. Zu den wichtigsten Adressen dieses Tages zählen AOL Time Warner, Anheuser-Busch, Danone, GlaxoSmithKline, ABB, Adecco, Akzo Nobel, Sanofi-Synthelabo und Stora Enso. Am Donnerstag schließlich folgen bekannte Namen wie Viacom, American International, Eastman Kodak, France Télécom, Fiat, Renault, Alcatel, Saint Gobain und Sonera.

Bei den gesamtwirtschaftlichen Daten konzentriert sich die Aufmerksamkeit auf die amerikanischen Daten zu den Auftragseingängen sowie Zahlen vom Arbeits- und Immobilienmarkt, die am Donnerstag veröffentlicht werden. Auch in Europa stehen die wichtigsten Veröffentlichungen an diesem Tag an. Es geht insbesondere um den Ifo-Geschäftsklimaindex. Einzelhandelsumsätze aus verschiedenen Euro-Ländern werden am Mittwoch und Donnerstag erwartet.

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