Verwaltungsrat stellt sich hinter Präsident Bernheim: Generali rutscht in die roten Zahlen

Verwaltungsrat stellt sich hinter Präsident Bernheim
Generali rutscht in die roten Zahlen

Hohe Abschreibungen auf den Aktienbesitz haben das Ergebnis von Generali schwer belastet. Der Versicherer greift allerdings bei der Bewertung seiner Wertpapiere härter durch als viele Konkurrenten.

mab MAILAND. Erstmals seit Jahrzehnten hat der drittgrößte Versicherungskonzern in Europa, Assicurazioni Generali, einen Verlust geschrieben. 2002 lag das Nettoergebnis infolge hoher Abschreibungen auf den Aktienbesitz bei Minus 754 Mill. Euro. Das ist schwächer als erwartet. Analysten waren von 300-600 Mill. Euro Verlust ausgegangen. 2001 hatte der Konzern noch einen Gewinn von 1,1 Mrd. Euro ausgewiesen. Die Dividende wird dennoch mit 0,28 Cent je Aktie stabil gehalten, teilte das Unternehmen am Abend mit. Die Prämien sind um rund 3% auf 46,9 Mrd. Euro gestiegen. Insgesamt hat die Assekuranz aus Triest infolge der miesen Bedingungen an den Aktienmärkten Wertberichtigungen von knapp 4 Mrd. Euro vorgenommen. Damit hat Generali in ihrem Wertpapierbestand deutlich härter durchgegriffen als viele Konkurrenten. So sitzt z.B. die französische Axa nach eigenen Angaben noch auf unrealisierten Kursverlusten von knapp 5 Mrd. Euro.

Neben der Bilanz wurde im Verwaltungsrat auch der Machtkampf zwischen diversen italienischen Kreditinstituten und der Investmentbank Mediobanca thematisiert. Bei dem Tauziehen geht es darum, wer künftig die Kontrolle über Generali ausüben wird. Seit gut drei Jahrzehnten wird der Versicherungskonzern über eine 13,6 %igen Minderheitsanteil von der Mediobanca dominiert. Diese Vorherrschaft haben in den letzten Wochen Unicredito Italiano mit einer Handvoll Verbündeter (z.B. Capitalia) in Frage gestellt, indem sie Aktienpakete von rund 20 % aufgebaut haben. Dabei geht es den Angreifern nach eigenen Angaben aber nicht um eine Übernahme der Generali, sondern lediglich um eine Entmachtung der Mediobanca und dessen Vorstandschef Vincenzo Maranghi. Die Operation wird ausdrücklich von der in Italien für die Kreditaufsicht zuständigen Zentralbank gebilligt. Unicredito ist neben Capitalia der größte Einzelaktionär der Mediobanca. Die Chefs der beiden Häuser, Alessandro Profumo und Cesare Geronzi, fordern seit Monaten den Rücktritt von Maranghi. Ihr Vorwurf lautet, dass er Generali durch eine Führung nach Gutsherrenart destabilisiert habe und eine miserable Erfolgsbilanz aufweise.

Die Führungsspitze von Generali hat gestern ihre Vermittlungsversuche zwischen den Kontrahenten intensiviert und gleichzeitig auf die Unabhängigkeit der Gesellschaft gepocht. Der Verwaltungsrat stellte sich klar hinter den französischen Präsidenten Antoine Bernheim sowie die beiden Vorstandschefs Giovanni Perissinotto und Sergio Balbinot. Die Verlängerung ihrer Mandate - insbesondere jenes von Bernheim, der erst vor im letzten September von Maranghi installiert worden ist - schien zunächst durch den Angriff unsicher. Schließlich haben Unicredito und dessen Partner durch ihre Investition ein klares Zeichen gesetzt, auf der kommenden Hauptversammlung Ende April bei der Besetzung der Spitzenposten ein Wörtchen mitreden zu wollen.

Laut Mailänder Finanzkreisen hat die Generali-Spitze aber in den letzten Stunden Unicredito-Chef Alessandro Profumo zu einer weicheren Linie überreden können. Zwar halte der Top-Manager daran fest, den Machtanspruch der Mediobanca bei Generali beschneiden zu wollen. Aus diesem Grunde werden er und seine Verbündeten auf der nächsten Hauptversammlung der Versicherung einen oder gleich mehrere Sitze im 20-köpfigen Verwaltungsrat einfordern. Er sei aber bereit, das aktuelle Management von Generali zu unterstützen.

Der bislang als Liebling der "financial community" geltende Banker ist aufgrund der intriganten Operation vor allem bei angelsächsischen Investoren in die Kritik geraten. Er bediene sich typisch italienischer Methoden, die er persönlich bislang immer bei der Mediobanca verurteilt habe, so das Urteil.

Der Gescholtene hat sich zuletzt am Montag verteidigt: Ihm gehe es nur um eine Verbesserung der Corporate Governance. Generali habe sich aufgrund ihrer Abhängigkeit von der Mediobanca in der Vergangenheit nicht optimal entwickelt.

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