Verweigerungshaltung der USA beklagt
Nordkorea bittet Briten im Atomstreit um Vermittlung

Nach der Europäischen Union (EU) soll nun auch Großbritannien im Atomstreit zwischen Nordkorea und den USA vermitteln, um eine Eskalation des Konflikts zu vermeiden. Nordkorea hatte den USA vergangene Woche in Medienberichten mit einem Präventivschlag gedroht und damit die Spannungen verschärft.

Reuters PJÖNGJANG. "Weil Großbritannien spezielle Beziehungen zu den USA hat, erwarten wir, dass das Land eine gewisse Rolle im Verhältnis zwischen Nordkorea und den USA spielen kann", sagte am Mittwoch in Pjöngjang ein ranghoher Vertreter im nordkoreanischen Außenministerium Reuters in einem Interview. Der Ruf nach Vermittlungshilfe, auf den Großbritannien zunächst nicht reagierte, kam nur wenige Stunden vor einer Sitzung der Internationalen Atom-Energiebehörde (IAEA) zum Nuklearstreit in Wien. Es wurde erwartet, dass die Behörde den UNO-Sicherheitsrat darüber unterrichten wird, dass das kommunistische Land seinen Verpflichtungen zur atomaren Sicherheit nicht nachkommt.

Südkorea hatte die Europäische Union (EU) bereits am Dienstag um Vermittlung im Atomstreit gebeten. Nach Gesprächen mit der Regierung in Seoul sagte am Mittwoch der Koordinator der EU-Außenpolitik, Javier Solana, er rechne bald mit der Entsendung einer Delegation zu Beratungen über das umstrittene Atomprogramm nach Nordkorea.

Nordkorea hatte sich 1994 in einem Abkommen zum Verzicht auf ein Atomwaffenprogramm verpflichtet. Die Regierung in Pjöngjang hatte nach US-Angaben im Oktober eingestanden, entgegen dem Abkommen ihr Atomprogramm fortgesetzt zu haben. Die USA hatten daraufhin ihre vertraglich zugesagten Heizöllieferungen an das auf internationale Hilfe angewiesene Land eingestellt, und Nordkorea war anschließend aus dem Atomwaffensperrvertrag ausgetreten. Im Dezember hatte das kommunistische Land auch die Inspektoren der IAEA ausgewiesen, die die Einhaltung des Abkommens überwachen sollten, und hat später einen versiegelten Atomreaktor wieder angefahren.

Der Beamte im nordkoreanische Außenministerium Ri Hui Chol sagte in dem Reuters-Interview über den Atomstreit mit den USA, die beste Lösung sei es, alle Probleme auf friedlichem Weg im Dialog zu lösen. "Das Problem ist nur, dass die USA nicht mit uns sprechen werden. Daher kann Großbritannien die USA drängen, mit Nordkorea zu sprechen und sich auf einen Nicht-Angriffs-Pakt zu einigen", fügte er hinzu.

Großbritannien unterhält seit dem Jahr 2000 diplomatische Beziehungen zu Nordkorea. Die USA hatten sich zwar zu Gesprächen mit der Regierung in Pjöngjang im Atomstreit bereit erklärt, Verhandlungen darüber aber abgelehnt. Ri versicherte erneut, dass Nordkorea auch nach dem Rückzug aus dem Atomwaffensperrvertrag keine Absicht zum Bau von Atomwaffen habe. Er drohte aber zugleich mit Vergeltungsmaßnahmen, falls die USA militärisch angreifen sollten. Man werde jeden Quadratzentimeter zu Lande, zu Wasser und in der Luft verteidigen. "Wir glauben, dass wir Erfolg haben werden", sagte Ri.

Solana sagte nach Gesprächen mit der südkoreanischen Regierung mit Verweis auf die geplante Entsendung der Delegation: "Wir werden das eher früher als später tun." Ziel sei es, die seit mehr als vier Monaten andauernde Krise zwischen den USA und Nordkorea zu beenden und einen Dialog zwischen den USA und dem kommunistischen Land zu fördern. Er sprach sich zudem gegen Sanktionen gegen das Land zum jetzigen Zeitpunkt aus und rief Nordkorea auf, zum Status quo vor der Ausweisung der Beobachter der IAEA und dem Wiederanfahren eines stillgelegten Atomreaktors zurückzukehren.

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