Verwirrende Auswahl
Bankenanleihen bieten mehr Rendite als Staatsbonds

Die Auswahl an Bankenbonds ist groß, aber auch verwirrend. Gemeinsam ist den Papieren, dass die Anleihebesitzer mit ihren Forderungen weit hinten anstehen, wenn eine Bank pleite geht. Dennoch gelten Bankenanleihen als recht sicher und bieten im Vergleich zu Staatsanleihen attraktive Renditen.

FRANKFURT/M. Anleger, die auf sichere Anleihen setzen wollen, bieten Bankenanleihen eine große Auswahl. Denn Banken gehören zu den größten Emittenten von Anleihen. Alleine im vergangenen Jahr begaben sie Bonds über gut 280 Mrd. Euro. Dabei wird die Kreditqualität der Institute von den Ratingagenturen Standard & Poor?s und Moody?s im Durchschnitt mit einem zweifachen A bewertet - Zeichen für eine gute Qualität.

"Für Investoren, die eine etwas höhere Rendite als bei Staatsanleihen erzielen möchten, sich aber nicht den Kursschwankungen von Aktien aussetzen wollen, sind die Papiere durchaus interessant", meint Corinna Dröse, Analystin für Bankenanleihen bei der DZ Bank. "Allerdings sind die Strukturen und Bezeichnungen recht kompliziert", fügt sie hinzu (siehe Kasten). Am häufigsten und liquidesten sind so genannte Lower Tier-2 Anleihen. Sollte eine Bank tatsächlich in Konkurs gehen, stehen die Anleihegläubiger weit hinten an. Dafür bieten diese Anleihen im Schnitt zwischen 0,60 und gut 1,0 Prozentpunkt mehr Rendite als Bundesanleihen.

Das Renditeniveau liegt auch noch leicht über dem vom Pfandbriefen, also mit Hypotheken- oder Krediten an die öffentliche Hand gesicherten Anleihen, die meist von Hypotheken- und Landesbanken begeben werden.

Pfandbriefe zählen zu den besicherten Bankenanleihen und stehen mehr im Fokus - unter anderem deshalb weil sie leichter zu verstehen sind. Außerdem haben Besitzer von Pfandbriefen mit den Hypotheken oder Krediten eben ein Pfand in der Hand - bei nachrangigen Bankenanleihen können sie sich nur auf den guten Namen der Bank verlassen.

Dabei ist die Rendite bei Tier 1-Anleihen am höchsten, denn Besitzer dieser Papiere werden bei einem Konkurs der Bank als letztes bedient. So bieten Tier 1-Anleihen bis zu gut 2,0 Prozentpunkte mehr Rendite als langlaufende Bundesanleihen. "Gerade Tier 1-Anleihen sind jedoch ein sehr komplexes Instrument, und es ist wichtig, sich die einzelnen Anleihebedingungen anzusehen", sagt Ralf Burmeister von der Landesbank Baden-Württemberg.

Außerdem haben die Papiere keine feste Endlaufzeit, wer sein Geld zurückhaben will, muss die Anleihen verkaufen. "Das kann gerade für Privatanleger mit höheren Kosten verbunden sein, denn anders als zum Beispiel Pfandbriefe werden nachrangige Bankenanleihen nicht immer an deutschen Börsen gehandelt", erklärt Burmeister. Meist werden die Papiere zwar nach einer gewissen Zeit von den Emittenten gekündigt, doch verlassen können sich Anleger darauf nicht.

Die Ratingagenturen bewerten die nachrangigen Bankenanleihen allgemein meist schlechter als die Kreditwürdigkeit der Banken selbst. Das Ausfallrisiko ist dennoch begrenzt. Die Kreditqualität der europäischen Banken insgesamt bezeichnete die Ratingagentur Standard & Poor?s in einer kürzlich erschienenen Studie als solide. Die größten Schwierigkeiten sieht die Agentur unter anderem wegen der Überkapazitäten in Deutschland. Auch in Österreich und den Niederlanden gebe es Probleme. Diese Aussagen sollten Investoren - vor allem solche, die zum Beispiel Lower 2-Anleihen bis zur Endfälligkeit halten, nicht um den Schlaf bringen. Mit ihren Aussagen warnt die Agentur lediglich davor, dass die Ratings einiger Banken heruntergestuft werden könnten. Von einer Einstufung als spekulative und damit riskante Investitionen sind die Anleihen der großen Banken aber alle noch weit entfernt.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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