Verwirrende Rechenmethoden der Anlageberater
Jede Anlage ist die beste

Ob Aktienfonds, Immobilien oder Lebensversicherungen - jeder Anbieter behauptet, seine Anlageform sei die beste. Dabei werden verwirrende Rechenmethoden angewandt.

ddp-vwd.BERLIN. Bei der Geldanlage ist jedes Investment das richtige - zumindest das, welches die Werbeprospekte gerade versprechen.

Aktienfonds seien wegen ihrer langfristig guten Performance besonders für die private Altersvorsorge geeignet, meint der Bundesverband Deutscher Investmentgesellschaften (BVI) mit Sitz in Frankfurt am Main. "Anlage in Immobilien ist im Langfristvergleich meist besser", meldet hingegen die Immobilienmakler-Gruppe Aufina/Era aus Wiesbaden. "Im Risiko-Rendite-Verhältnis ist die Kapitallebensversicherung dem Fonds deutlich überlegen", hat die Deutsche Aktuarvereinigung errechnet, unter deren Dach sich die Versicherungsmathematiker zusammengefunden haben. Wer hat denn nun Recht? Natürlich alle, denn es ist eine Frage des Standpunktes.



Sharpe-Ratio-Fomel als Argumentationshilfe



Die Deutsche Aktuarvereinigung gibt denn auch zu, die Analyse von Fonds und Lebensversicherungen habe deutlich höhere mittlere Renditen der Fonds ergeben. Allerdings unterliegen Aktienfonds bekanntlich hohen Kursschwankungen und damit einem größeren Risiko als Lebensversicherungen. Und da setzen die Mathematiker an. Als Argumentationshilfe dient die Sharpe-Ratio, benannt nach dem Nobelpreisträger William F. Sharpe. Da höhere Renditen nur mit höherem Risiko erkauft werden können, erfand er eine Formel, diese beiden Variablen in Beziehung zu setzen. So lässt sich errechnen, wieviel Ertrag bei vergleichbarem Risikoeinsatz erreicht wurde.



In der Tat ist die Sharpe-Ratio bei den Lebensversicherern in der Auflistung deutlich höher. Allerdings wählten die Mathematiker 18 Fonds aus, die in den vergangenen zehn Jahren eine mittlere Rendite von 9,4 % erzielten. Nach BVI rentierten international anlegende Aktienfonds in der vergangenen Dekade hingegen durchschnittlich 14,3 % jährlich.



Den Beginn der Renditeberechnung beachten



Auch die Maklergruppe Aufina/Era setzt ihre Argumentation an der Schwachstelle der Aktienfonds an: der Schwankungsanfälligkeit. Wer im Jahre 1963 100 000 DM in Immobilien oder in Aktienfonds des Dax steckte, stand bis 1995 mit Immobilien besser da, lässt die Maklergruppe über ihre Public-Relations-Agentur verlauten. Danach legten Immobilien zwar stetig weiter zu, gegen den Dax konnten sie jedoch nicht mithalten: Er verdreifachte sich seit 1995. Der Trick der für die Immobilien günstigen Rechnung liegt hier darin, den Beginn der Untersuchung zeitlich passend zu setzen. Ein Fondsverkäufer hätte den Vergleich sicher Anfang der 80er Jahre beginnen lassen. Dort lagen Aktienfonds von Beginn an gegenüber Immobilien im Plus.



Der Verbraucher sollte deshalb stets genau schauen, wie die jeweiligen Angebote begründet werden und welches Interesse die Anbieter daran haben. Die richtige Geldanlage schlechthin gibt es dabei nicht, denn das Vermögen sollte nach Anlagehorizont und Risikoneigung verschieden aufgefächert und im Laufe der Jahre auch umgeschichtet werden.

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