Verwirrende und unklare Berichte
Türkische Soldaten im Nordirak

Der türkische Generalstab hat Berichte über eine Verstärkung der türkischen Militärpräsenz im Nordirak dementiert. Nach türkischen Medienberichten waren in der Nacht zum Samstag rund 1000 Soldaten ins nordirakische Grenzgebiet vorgerückt.

dpa ANKARA/BERLIN. "Diese Berichte spiegeln nicht die Wahrheit wider", erklärte die Militärführung am Samstag in Ankara. Die türkischen Streitkräfte seien aber bereit, "wenn es die Lage und die Bedingungen erfordern". In Washington und Berlin war der gemeldete Einmarsch türkischer Truppen mit Sorge verfolgt worden.

Der türkische Außenminister Abdullah Gül hatte in der Nacht zum Samstag keinen Zweifel daran gelassen, dass die Türkei nach der Öffnung ihres Luftraums für US-Militärflugzeuge eigene Truppen in den Nordirak entsenden werde. Die US-Regierung hatte heftige Bedenken gegen eine Verstärkung der türkischen Militärpräsenz geäußert und Ankara vor "unkoordinierten oder einseitigen Aktionen" gewarnt. Washington befürchtet Spannungen zwischen Türken und Kurden im Nordirak.

In Berlin kündigte Bundesaußenminister Joschka Fischer nach einer Sitzung des Sicherheitskabinetts an, dass die Bundesregierung die deutschen Soldaten aus den AWACS-Aufklärungsflugzeugen der NATO abziehen werde, wenn die Türkei in den Irak-Krieg eingreifen sollte. "Sollte die Türkei Kriegspartei werden, würde eine neue Lage entstehen", sagte Fischer. Auch die griechische EU- Ratspräsidentschaft warnte vor der Verwicklung von Nachbarstaaten im Irak-Krieg.

Ankara will mit seiner Militärpräsenz nach offizieller Darstellung Flüchtlingsströme von der Türkei fern halten und das Einsickern von Kämpfern der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK verhindern. Bereits in den vergangenen Jahren hatte die türkische Armee im Kampf gegen die PKK starke Verbände an der Grenze zum Irak zusammengezogen. Seit damals wurden auch Panzer und Fahrzeuge über den einzigen Grenzübergang Habur ins irakische Grenzgebiet verlegt. Ziel der türkischen Irak-Politik ist es, die Gründung eines unabhängigen Kurdenstaates im Nachbarland zu verhindern.

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