"Verwirrende Vielfalt"
Vermögensverwalter: "Individuell" wird groß geschrieben

Vermögensverwalter gehen gezielt auf die Wünsche ihrer Kunden ein. So lauten die Werbebotschaften. Aber in welchen Punkten sind "persönliche" Konzepte überhaupt möglich und sinnvoll?

Alle wollen ihn: den vermögenden Privatkunden. Die kleinen, feinen Privatbanken haben sich schon lange auf diese Kundengruppe spezialisiert. Aber auch die großen Bankkonzerne setzen auf das "Private Banking". Dazu mischen Sparkassen, Genossenschaftsbanken und Versicherer nebst jeder Menge unabhängiger Berater mit. Ob der Kunde sich über so viel Aufmerksamkeit freuen sollte?

Parallel zum Run auf die neuen und alten "Reichen" unserer Gesellschaft hat sich ein ganzes Bündel von Berufen und Dienstleistungen entwickelt. Es herrsche eine "verwirrende Vielfalt", sagt Dietmar Vogelsang, vereidigter Sachverständiger für Kapitalanlagen und Finanzplanung. Dabei sei kaum ein Verbraucher in der Lage, die Qualität der Angebote beurteilen zu können. Die "klassischen" Vermögensverwalter legen einfach das Geld ihrer Kunden möglichst rentabel an.

Die "Financial Planner" konzentrieren sich auf die Planung: Sie erstellen Tabellen und manchmal komplizierte Grafiken mit Spar- und Vermögenszielen sowie Schaubilder zur Strukturierung der privaten Schätze. Unter dem Stichwort "Family Office" werden schließlich Rundum-Beratungen für Multimillionäre angeboten: Dazu gehören dann auch - zum Teil in Kooperation mit außenstehenden Experten - die Kontrolle externer Vermögensverwalter, Fragen der Besteuerung, Nachlassregelungen, Stiftungen oder die diskrete finanzielle Absicherung der Geliebten.

Wer "reich" und damit der entsprechenden Dienstleistungen würdig ist, bleibt Definitionssache des Anbieters. Das Spektrum ist allein schon bei der puren Geldanlage sehr weit: angefangen von Dachfonds, die praktisch eine Vermögensverwaltung im Westentaschenformat darstellen, über die Verwaltung auf Fondsbasis bis zu individuell betreuten Depots mit Einzelaktien. Viele Banken nennen Summen von 500 000 Euro als Minimum für eine "individuelle" Betreuung. Dabei ist in erster Linie das frei verfügbare Vermögen entscheidend, aber der Immobilienbesitz und das Einkommen spielen auch eine Rolle für die Einschätzung, ob der Kunde interessant ist.

"Individuell" wird groß geschrieben

Das Wort "individuell" wird ganz groß geschrieben. Aber was heißt das in der Praxis neben der - eigentlich selbstverständlichen - Abstimmung der Depotstruktur auf Neigung und Lebenssituation des Kunden? Anders gefragt: Wie sinnvoll sind überhaupt individuelle Depots? Schließlich geht es am Ende immer um die Rendite.

Trinkaus & Burkhardt setzt bei Anlagen zwischen 50 000 und 500 000 Euro auf Fonds, also auf Standardprodukte. Anja Tack, Direktorin in der Vermögensverwaltung, hat "im Konkurrenzvergleich" beobachtet, dass Banken mit Fonds oft bessere Ergebnisse erzielen als mit Einzelaktien. "Bei der Auswahl der Einzelaktien gibt es ein zusätzliches Selektionsrisiko", erläutert sie. Die Individualität der Anlage bei großen Vermögen wäre demnach ein zweifelhafter Vorteil.

Sachverständiger Vogelsang meint sogar, dass frühestens ab einem liquiden, verfügbaren Vermögen von 2,5 Millionen Euro eine Chance auf eine wirklich individuelle Betreuung besteht. Bei kleinen Vermögen sei es aber ohnehin besser, auf Indexprodukte zu setzen statt auf Einzeltitel. "Wir glauben nicht an den aktiv gemanagten Stil bei Aktien", erklärt auch Jens Heinneccius, Vorstandsvorsitzender der Beratungsgesellschaft Sineus AG. Deshalb rät auch er überwiegend zu Indexzertifikaten und börsengehandelten Indexfonds. Nur bei Sonderthemen wie Aktien in Südostasien bevorzuge man einen aktiven Ansatz.

Mitsprache kann zum Risiko werden

Wer Mitsprache beim Führen des Depots verlangt, geht ein Risiko ein: Wenn es schlecht läuft, hat der Verwalter ein Argument, sich herauszureden. Zumindest einen Teil des Geldes sollte er daher eigenverantwortlich managen. Wer dennoch eigene Ideen einbringen möchte, sollte sich vorher erkundigen, inwieweit das möglich ist. Manche Banken, etwa Oppenheim, bieten zwei Varianten an - mit und ohne Mitsprache. Andere lassen Raum für persönliche Wünsche, "legen aber Wert darauf, dass sich die Strategie der Bank in den Kundendepots wiederfindet", wie es Anja Tack von Trinkaus formuliert.

Fazit: "Individuell" sollte vor allem die Beratung sein. Bei der Umsetzung der Depotstrategie schadet aber ein guter Standard nicht.

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