Verwirrung über die künftige Besteuerung von geschlossenen Filmfonds
Fiskus führt Anleger aufs Glatteis

Ob ein Fonds-Film ein Erfolg wird, weiß kein Anleger. Ob im Anlageprospekt beschriebene Steuerregeln noch gültig sind, wenn der Film produziert wird, weiß er genauso wenig. Jüngstes Beispiel: Einige Anbieter geschlossener Filmfonds vertrauten auf eine im Entwurf eines neuen Nebenkostenerlasses vorgesehene längere Übergangsregelung. Die Neuregelung würde nämlich bisher gewährte Steuervorteile rigoros beschneiden. Anlegern, die sich während der Übergangsfrist beteiligen, sollten die früheren Steuervorteile weiter gewährt werden. Doch nun sickerte aus der Finanzverwaltung durch: In diesem Jahr kommt kein neuer Nebenkostenerlass.

rrl DÜSSELDORF. Aus der Finanzverwaltung ist außerdem zu hören, die Übergangsregelung werde separat erlassen. Danach bleiben Anlegern die alten Steuervorteile erhalten, die bis Ende 2003 einem Fonds beitreten, mit dessen Vertrieb vor dem 1.9.2002 begonnen wurde. Vorteil für die Anleger: Wenn der Fonds die Vorgaben des Medienerlasses vom 23.2.2001 erfüllt, sind sie Hersteller eines Films. Für einen Hersteller sind die Filmproduktionskosten sofort abzugsfähige Betriebsausgaben, weil das Steuerrecht es verbietet, das immaterielle Wirtschaftsgut Film als abschreibungsfähigen Vermögensposten in die Bilanz einzustellen. Und obendrein sind Nebenkosten, beispielsweise Beratungshonorare und Vertriebsprovisionen, für den Anleger überwiegend sofort abzugsfähige Werbungskosten. Daraus resultiert eine anfängliche Verlustzuweisung auf die Einlage von 100 Prozent oder mehr, wenn die Einlage zum Teil durch einen Kredit finanziert wird.

Der geplante Nebenkosterlass würde aus dem Fonds-Kommanditisten einen Erwerber von Filmrechten machen. Fatale Konsequenz: Der Film müsste über 50 Jahre abgeschrieben werden und mit ihm die Nebenkosten - Steuervorteil adieu.

Ob es die separat erlassene Übergangsregelung geben wird, ist noch nicht sicher. Der Verband Deutscher Medienfonds ist überzeugt: Auch ohne neue Übergangsregelung gelten die alten Steuervorteile. Ein früherer Nebenkostenerlass vom 24.10.2001, der bereits festschrieb, dass die Nebenkosten zu aktivieren sind, also nicht als Werbungskosten abgezogen werden dürfen, könne nicht gelten. Denn wo es nichts zu aktivieren gebe, könnten auch keine Nebenkosten aktiviert werden. Wirklich sicher ist auch das nicht. Auch dieser Erlass enthält eine Übergangsregelung: Vertriebsbeginn vor Jahresablauf 2001, Gesellschafterbeitritt bis Jahresende 2002.

Doch was gilt als Vertriebsbeginn? Der Fondsbeitritt eines vom Initiator persönlich angesprochenen Anlegers auf Basis eines vorläufigen Prospekts? Allein ein Werbeflyer? Oder muss ein vollständiger, jedem Interessenten zugänglicher Prospekt vorgelegen haben? Auch das ist nicht endgültig geklärt.

Kommt eine auf ein Beitrittsdatum bis 31.8.2002 verlängerte Übergangsregelung per Einzelerlass, sind die in der Tabelle genannten Fonds nach Angaben der Anbieter auf der sicheren Seite. Hannover Leasing nimmt für sich in Anspruch, trotz erst kürzlich vorgelegtem Prospekt, sogar die alte Übergangsregelung zu erfüllen.

Anlegern, die Zweifel am Vertriebsbeginn haben, empfiehlt Ulrich Silberberger, Chef des Medienfondsvertriebs Vendura, als Anhaltspunkt das am Stichtag bereits platzierte Kapital beim Initiator abzufragen. Für den Stichtag 31.12.2001 hat Silberberger Platzierungsergebnisse unter www.medienfonds.de (Marktübersicht - Vertriebsstart) zusammengestellt.

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