Verzicht auf Fusion erwägt
T-Mobile bleibt in den USA wohl ohne Partner

Die Deutsche Telekom erwägt nach Angaben aus Branchenkreisen, auf eine langwierige Fusion ihrer US-Mobilfunktochter mit einem Konkurrenten zu verzichten.

Reuters FRANKFURT. Aus den Kreisen verlautete am Mittwoch, gegen eine Fusion mit einer der beiden GSM-Mobilfunkfirmen Cingular Wireless oder AT&T Wireless spreche unter anderem, dass zwischen Einigung und Abschluss der Transaktion neun bis 15 Monate vergehen könnten. "Dann könnte es mit Blick auf den Schuldenabbauplan bis Ende 2003 zu spät sein, um mittels Fusion mehrere Milliarden Euro an Verbindlichkeiten aus der Telekom-Bilanz zu dekonsolidieren und bei den Investitionskosten zu sparen", hieß es.

Ein Telekom-Sprecher wollte die Überlegungen nicht kommentieren und sagte, das Unternehmen prüfe alle Optionen. Der zurückgetretene Konzernchef Ron Sommer hatte bereits geplant, auf eine Fusion in den USA zu verzichten. Das Unternehmen will am 14. November die Eckpunkte seiner mehrmonatigen Strategieprüfung bekannt geben. Die Telekom-Aktie gab bis zum frühen Abend einen Teil der Gewinne ab, lag aber gegen den schwächeren Markt noch mit 1,3 Prozent im Plus bei 10,50 Euro.

Die Telekom richtet den Kreisen zufolge ihr Augenmerk nicht mehr allein auf das angestrebte Schuldenziel von 50 Milliarden Euro, sondern zunehmend auf die Schuldendeckungsquote durch das operative Ergebnis Ebitda. "Wichtiger als die absolute Marke ist für die Telekom, dass die für die Ratingagenturen entscheidende Relation von Nettoverschuldung zu Ebitda (Ergebnis vor Steuern, Zinsen, Abschreibungen und Amortisationen) wie geplant auf den Faktor Drei zurückgeführt wird", hieß es.

Um diesen Faktor bei einer Rückführung der Schulden auf 50 Milliarden Euro zu erreichen, müsste die Telekom im Jahr 2003 ein Ebitda von etwas mehr als 17 Milliarden Euro erzielen nach 15,1 Milliarden Euro im vergangenen Jahr. Sofern das Ebitda für das Jahr 2003 jedoch einen Wert von deutlich über 17 Milliarden Euro erreichen würde, könnte die absolute Verschuldung über der Marke von 50 Milliarden Euro bleiben, ohne eine Herabstufung der Kreditwürdigkeit durch die Ratingagenturen befürchten zu müssen.

Sollte die Telekom auf dem US-Markt indes auf Partnersuche gehen, hätte dies den Kreisen zufolge schwer wiegende Konsequenzen. "Bei jeder Transaktion würde offensichtlich, dass man Voicestream zum schlechtesten Zeitpunkt zu teuren Preisen gekauft hat und nun zum schlechtesten Zeitpunkt bei den am Boden liegenden Preisen abgebe." Zudem würden wegen des deutlich geschrumpften Marktwerts der US-Tochter Wertberichtigungen in Milliardenhöhe fällig, die den im laufenden Jahr zu erwartenden Netto-Verlust von 5,5 Milliarden Euro noch vergrößern würden.

Beim bis Ende 2003 geplanten Schuldenabbau von zuletzt 64,2 Milliarden Euro auf 50 Milliarden Euro klafft derzeit ein Loch von vier bis sieben Milliarden Euro. Um das Ziel zu erreichen, müsste der Konzern weitere Beteiligungen verkaufen oder erhebliche Einsparungen vornehmen.

Vor diesem Hintergrund wird an den Märkten seit dem Rücktritt von Telekom-Chef Sommer verstärkt über einen Verkauf der US-Mobilfunktochter Voicestream oder über eine Fusion mit Cingular oder AT&T Wireless spekuliert. Da T-Mobile in den USA bereits operative Gewinne erwirtschaftet, würde sich die Telekom jedoch bei einer Dekonsolidierung der Tochter im Zuge einer Fusion oder eines Verkaufs selbst eines großen Wachstumsfaktors für das Konzern-Ebitda berauben.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%