Verzicht auf Showeffekte
IAA stand im Schatten des Terrors

Die diesjährige Internationale Automobilausstellung hat schwer unter den Terroranschlägen in den USA gelitten. Statt des angepeilten Rekords von mehr als einer Million Besuchern wurden nur gut 800 000 Gäste gezählt - etwa 10 % weniger als bei der vergangenen IAA 1999. Die Stimmung der fast 1 100 Aussteller wurde durch die Angst vor einem Konjunktureinbruch infolge der Attentate gedrückt.

dpa FRANKFURT/MAIN. Aus der ursprünglich geplanten IAA der Superlative, des Glanzes und des Glamours mit einem Rekord von 57 Weltpremieren sei eine "leise IAA" geworden, räumte auch der Vorsitzende des Verbandes der deutschen Automobilindustrie (VDA), Bernd Gottschalk, zum Messeschluss am Sonntag ein. Trotz des Einbruchs der Besucherzahlen - es kamen sogar weniger Gäste als vor vier Jahren - habe die Ausstellung ihre Bewährungsprobe bestanden. "Betroffenheit wurde vermittelt, ohne die 'Faszination Auto' zu mindern."

Die Anschläge in den USA haben die Käufer verunsichert, betonte Gottschalk. Besonders besorgt zeigte er sich über die Lage am überaus wichtigen US-Markt. Zahlreiche Experten erwarten in den USA zumindest eine vorübergehende Rezession, die sich auch in der Automobilbranche niederschlagen würde. Die Absatzzahlen in den USA waren in den Tagen nach den Anschlägen um 25 bis 30 % gefallen, ergab eine Umfrage der Marktforschungsfirma J.D. Power bei Händlern. Der nordamerikanische Markt ist angesichts der flauen Nachfrage in Europa für die meisten deutschen Autoproduzenten ein extrem wichtiger Antriebsfaktor. Erst vor kurzem hatten sich deutsche Pkw-Hersteller in den USA erstmals einen Marktanteil von 10 % erkämpft. Nun hoffe er auf die Mentalität der Amerikaner, "dass man in der Not zusammensteht", sagte Gottschalk.

"Kunden haben besonnen auf Anschläge reagiert"

Für gesicherte Prognosen sei es noch zu früh, vor allem müssten neue Zahlen zu den Bestellungen abgewartet werden, betonte der VDA-Präsident. Nach einer ersten Umfrage hätten Kunden "mit Besonnenheit" reagiert, Stornierungen bereits erteilter Aufträge gebe es praktisch nicht. Die bisherige Prognose von rund 5,2 Mill. in Deutschland produzierter Autos kann aus Sicht des Verbands in diesem Jahr mit einer "nicht maßgeblichen" Abweichung noch annährend erreicht werden.

Der VDA peilte für 2001 einen Rekordumsatz von mehr als 400 Mrd. DM an. Die Neuzulassungen in Deutschland lagen in den ersten acht Monaten mit 2,7 Mill. Fahrzeugen um 2,7 % unter dem Wert des Vorjahres, obwohl im August ein leichter Anstieg im Jahresvergleich verzeichnet wurde. Entscheidender Konjunkturmotor war der Export. Eine weitere Abschwächung der weltweiten Wirtschaft, wie sie als Folge der Anschläge und einer US-Vergeltungsaktion befürchtet wird, würde das Geschäft deutlich verschlechtern.

Die Menschen strömten vor allem am letzten Wochenende zur IAA. Ausgerechnet der von Umweltschützern ausgerufene "autofreie" Samstag war mit 102 000 Gästen der besucherstärkste Tag. Die Veranstalter hatten nach den Anschlägen, die mit dem ersten Pressetag auf der IAA zusammenfielen, die Eröffnungsfeier und zahlreiche Show-Vorstellungen abgesagt.

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