Verzicht um UMTS-Entwicklungsplan
Mobilcom ist vorerst gerettet

Nach wochenlangem Ringen und der Beinahepleite des Büdelsdorfer Mobilfunkanbieters stimmte der frühere Partner und Großaktionär France Telecom am Freitag einem milliardenschweren Rettungsplan zu.

Reuters BÜDELSDORF/PARIS. Damit wird Mobilcom weitgehend entschuldet und die Grundlage für einen Neuanfang gelegt. France Telecom kostet der Rückzug aus dem einst mit großen Hoffnungen verbundenen UMTS-Engagement in Deutschland weitere gut sieben Milliarden Euro.

Eine endgültige Einigung wurde unter den Vorbehalt weiterer Einigungen mit den Banken und den Netzwerklieferanten Nokia und Ericsson gestellt sowie der Zustimmung der Hauptversammlungen beider Gesellschaften voraussichtlich im Januar 2003. Eine Zustimmung der Banken und Zulieferer sowie der der Aktionäre gilt allerdings bei Branchenexperten nunmehr als sicher.

Mit der erzielten Einigung kann ein Überbrückungskredit von mehreren Banken in Höhe von 112 Millionen Euro ausgezahlt werden, mit dem Mobilcom vor der akut drohenden Insolvenz bewahrt wird und die Sanierung seines Kerngeschäfts finanzieren kann. Mobilcom-Chef Thorsten Grenz sagte, Mobilcom könne jetzt mit ganzer Kraft an seiner Sanierung und der Sicherung der verbleibenden Arbeitsplätze arbeiten. Im Rahmen der Sanierung fallen 1850 der insgesamt rund 5000 Stellen im Konzern weg.

Trotz des erzielten Einigung mit France Telecom beantragte Mobilcom bei den Banken eine weitere Verlängerung seiner am Freitag ausgelaufenen Zahlungsfrist für UMTS-Kredite in Höhe von 4,7 Milliarden Euro. Aus Unternehmenskreisen hieß es dazu am Abend, man wolle Zeit zur Umsetzung der Verträge erhalten.

Die Mobilcom-Aktie legte angesichts der positiven Nachrichten für die Gesellschaft zunächst fast drei Prozent zu, notierte am Abend bei 6,33 Euro aber nur noch geringfügig im Plus. In der Hoffnung auf eine Rettung von Mobilcom war die Aktie am Neuen Markt zuletzt zum Spielball spekulativer Anleger geworden. Nach einer zuvor drastischen Talfahrt vervielfachte sich der Wert des Papiers in den vergangenen Wochen der Zitterpartie um das Mobilfunk-Unternehmen.

Mobilcom hatte vor zwei Jahren mit finanzieller Hilfe von France Telecom für 8,4 Milliarden Euro eine der sechs deutschen UMTS-Lizenzen für den Mobilfunk der nächsten Generation ersteigert. Über das Ausbautempo der UMTS-Technik hatten sich die Partner überworfen, was schließlich im September zum Rückzug der Franzosen und der Beinahepleite von Mobilcom führte.

Die von Mobilcom-Unterhändler Dieter Vogel mit France Telecom ausgehandelte Trennung sieht vor, dass der französische Konzern zusätzlich zu den UMTS-Krediten auch 1,2 Milliarden Euro an Lieferantenkrediten von Nokia und Ericsson übernimmt. Ferner ist ein Gesellschafterdarlehen an Mobilcom Teil der Lösung, so dass France Telecom insgesamt Schulden von sieben Milliarden Euro von Mobilcom übernimmt. Darüber hinaus sagten die Franzosen zu, 580 Millionen Euro für den Abbau des UMTS-Netzes von Mobilcom zu tragen. Eine erste Zahlung von 14,5 Millionen Euro sei unmittelbar nach Vertragsabschluss vorgesehen. Vereinbart worden sei in diesem Zusammenhang, dass Erlöse aus dem Verkauf von UMTS-Vermögen zu 90 Prozent an France Telecom fließen.

Sowohl Hauptaktionär Gerhard Schmid als auch France Telecom verzichteten auf alle sich aus dem zwischen beiden früheren Partnern geschlossenen Kooperationsabkommen ergebenden Ansprüche, hieß es weiter.

Mobilcom zahlt zudem dem Mobilfunkanbieter E-Plus im Rahmen der Gesamteinigung 210 Millionen Euro. Damit werden Ansprüche von E-Plus aus einem Dienstleistungsvertrag abgegolten, den Mobilcom nach dem Rückzug aus der UMTS-Technik nun nicht erfüllen kann.

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