Verzögerungen beim UMTS-Aufbau befürchtet
Telekom-Branche leidet unter akutem Personalmangel

Die Lizenzen sind teuer bezahlt, jetzt fehlen die Spezialisten für den Aufbau der UMTS-Infrastruktur. Allein der Personalbedarf des Konsortiums um den spanischen Telefonriesen Telefónica, das in Deutschland bei null anfängt, wird für die nächsten zwei bis drei Jahre auf 4 000 bis 5 000 Mitarbeiter geschätzt. In Schnellkursen will die Industrie sogar branchenfremde Studienabgänger umschulen.

HB BERLIN. In der Telekommunikationsbranche gehört die Suche nach qualifiziertem Personal zum drängendsten Problem der überwiegend neuen Unternehmen. "Qualifizierte Mitarbeiter, die dem Anforderungsprofil der Telekom-Unternehmen entsprechen, sind auf dem Arbeitsmarkt kaum zu finden", sagt Jürgen Grützner, Geschäftsführer des Unternehmerverbandes der neuen Telekom-Unternehmen, VATM. Der Engpass wird sich nach Einschätzung Grützners bis Mitte 2001 noch verschärfen. Zahlreiche Neugründungen von Unternehmen, die Glasfasernetze aufbauen oder gerade beginnen, in den Ortsnetzen tätig zu werden, suchen Personal.

Hinzu kommt außerdem der Aufbau der neuen UMTS-Mobilfunknetze, der auf Grund der hohen Investitionen in die Lizenzen bei den betroffenen Firmen absolute Priorität genießt. Allein der Personalbedarf des Konsortiums um den spanischen Telefonriesen Telefónica, das in Deutschland bei null anfängt, wird für die nächsten zwei bis drei Jahre auf 4 000 bis 5 000 Mitarbeiter geschätzt. Mobilcom sucht allein bis Ende des Jahres 500 Mitarbeiter für die UMTS-Netzgesellschaft. Darüber hinausgehende Einstellungspläne hütet Mobilcom-Chef Gerhard Schmid noch als Geschäftsgeheimnis; Branchenkenner rechnen mit weiteren 1 500 bis 2 000 Leuten.

Wie groß die Lücke zwischen der Zahl der benötigten und der tatsächlich vorhandenen Fachkräfte genau ist, hat in der seit der Liberalisierung 1998 boomenden Branche noch niemand ermittelt. Der VATM hat gerade erst eine Befragung seiner 54 Mitgliedsunternehmen gestartet. Nach den Zahlen von Telekom-Regulierer Klaus-Dieter Scheurle waren Ende 1999 bei Netzbetreibern außerhalb der Deutschen Telekom 46 200 Menschen beschäftigt. Bis Ende dieses Jahres erwartet Scheurle eine Zunahme um 14 600 Arbeitsplätze.

Die Vorstände und Geschäftsführer der Unternehmen selbst mögen nur hinter vorgehaltener Hand über das Thema reden. Sie befürchten, als unattraktiver Arbeitgeber zu gelten, wenn sie in der Presse namentlich zitiert werden, begründen vom Handelsblatt befragte Führungskräfte ihre Zurückhaltung.

Green Card nur begrenzter Lösungsansatz



Die Green Card für ausländische Spezialisten sehen sie nur sehr begrenzt als Lösungsansatz: weniger Softwareprogrammierer fehlten als vor allem Netzwerk-Spezialisten und Kenner der europäischen Telekommärkte, heißt es beim VATM. Um Aus- und Weiterbildung werde die Branche nicht herumkommen, wenn die Rekrutierungskosten nicht unermessliche Höhen erreichen sollen. Derzeit jagen sich die Unternehmen meist per Headhunter die guten Leute gegenseitig bei ständig steigenden Gehältern ab.

In einem Pilotprojekt mit 20 Teilnehmern will der VATM jetzt gemeinsam mit Siemens Business Services Hochschulabsolventen aus nicht-technischen Studiengängen zu Telekomfachleuten weiterbilden. Kurzfristig, räumt Grützner ein, bringt dies keine Entlastung. Die Unternehmen müssten jetzt ihre Personalplanung langfristiger angehen als bisher. Andernfalls werde der Arbeitskräftemangel absehbar auf das Wachstum der gesamten Branche, derzeit rund 10 % jährlich, durchschlagen.

Donata Riedel ist Handelsblatt-Korrespondentin in Berlin.
Donata Riedel
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