Vfl Gummersbach wandelt sich
Phoenix in blau-weiß

Der Gesamtetat der 18 Bundesligaklubs überschreitet in diesem Jahr erstmals die 40-Millionen-Euro-Grenze. Trotz des Geldregens hat der deutsche Handball aber weiter strukturelle Probleme, die in der Vergangenheit auch dem VfL Gummersbach zu schaffen machten.

KÖLN. Wer kennt nicht den Phoenix - jene Sagengestalt, die sich von Zeit zu Zeit selbst verbrennt und doch stets über die Kraft verfügt, jung und tatendurstig aus der Asche aufzusteigen. Keine Metapher illustriert die verblüffende Metamorphose, die der VfL Gummersbach derzeit durchläuft, besser als der sagenhafte Vogel. Vor zwei Jahren noch war Deutschlands Rekordmeister in den Konkurs geschlittert und nur die Abtrennung der Handballabteilung verhinderte den völligen Untergang des Traditionsklubs. Doch nun, zwei schwere Spielzeiten und Beinahe-Abstiege später, kommt wieder Goldgräberstimmung auf im Oberbergischen Land.

Während sich Konkurrenten wie die HSG Nordhorn oder die SG Wallau-Massenheim mit krassen Haushaltsnöten herumplagen müssen (siehe Tabelle), ist die Gummersbacher Handballabteilung wieder liquide. Nach Jahren knapper Kassen konnte der Klub für diese Saison mehrere finanzkräftige Großsponsoren akquirieren, die dem Vernehmen nach für einen Etat von gut 3,5 Mill. Euro sorgen sollen. Das würde eine Verdoppelung im Vergleich zum Vorjahr bedeuten.

Zuschauerströme in die Kölnarena

Zu den "Premiumpartnern" gehören der Autozulieferer ISE, die Provinzial, die Hotelgruppe Dorint, Puma, die RWE Umwelt AG sowie die Kölnarena. Und zu den "Großsponsoren" Kienbaum und Kreissparkasse Köln, die bereits in der letzten Saison mit dem Klub ein neues Konzept entwickelt und realisiert hatten, werden sich laut VfL-Geschäftsführer Carsten Sauer noch "zwei größere Partner" hinzugesellen.

Den plötzlichen Geldsegen verdankt der Verein nicht zuletzt dem Umzug in die Kölnarena, in die zu den vier Heimspielen der letzten Spielzeit bereits sensationelle 62 000 Zuschauer geströmt waren. "Die Kölnarena bietet ein hervorragendes Areal", sagt etwa der geschäftsführende Gesellschafter bei ISE, Gerd Rosendahl, der dabei auch an die geschäftlichen Kontakte denkt, die in den Lounges angebahnt werden. Rosendahl, der selbst zwischen 1978 und 1983 und noch einmal 1986 bei den Blau-Weißen gespielt hat und 1978 unter Vlado Stenzel Weltmeister wurde, ist überzeugt, dass das Handball-Engagement seine Firma voranbringt, auch wenn das Markenzeichen Gummersbach in den letzten Jahren stark gelitten habe. Spätestens in drei Jahren müsse der Klub aber um die Meisterschaft mitspielen und in einen europäischen Wettbewerb einziehen, fordert der ISE-Gesellschafter, denn: "Mittelmäßigkeit wird nicht honoriert."

Handball hat substantielle Probleme

Für diese Saison, die morgen mit dem Spiel in Essen beginnt, haben Manager Carsten Sauer und der neue Trainer Sead Hasanefendic zunächst einen "einstelligen Tabellenplatz" als Ziel vorgegeben. Vor allem vom jugoslawischen Rückraumspieler Ivan Lapcevic erwarten alle die notwendige Entlastung der etablierten Kräfte Houlet und Yoon, der 2001 "Welthandballer des Jahres wurde und beim VfL in seine siebte Spielzeit geht. Der Spanier Jordi Fernandez auf Rechtaußen und der erfahrene Andreas Rastner am Kreis gelten ebenfalls als große Verstärkung, Torwart Henning Wiechers soll den Oldie Stefan Hecker ablösen. Sauer ist sichtlich stolz auf die Neuverpflichtungen, "schließlich waren wir am Ende der letzten Saison ja mitten im Abstiegskampf".

Doch während sich der Manager über die Entwicklung des eigenen Klubs freuen kann, hat der deutsche Handball weiterhin substanzielle Probleme. Zwar sahen in der vergangenen Saison dank der Großarenen erstmals mehr als eine Million Zuschauer die Spiele der Bundesliga, so dass der Gesamtetat der 18 Erstligisten in diesem Jahr auf die Rekordsumme von 40,10 Mill. Euro stieg. "Doch im Grunde", so Sauer, "arbeitet die Liga immer noch zu unprofessionell." Der Manager beklagt vor allem die mangelnde TV-Präsenz und fordert von SportA, dem Rechtevermarkter der öffentlich-rechtlichen Anstalten ARD und ZDF, ein festes Sendeformat, auf das sich die Zuschauer einstellen können.

Erste Partie am 14. September

Dass der Handball auch für jüngere Zielgruppen im Fernsehen attraktiv ist, belegt eine vom VfL Gummersbach in Auftrag gegebene Studie des Instituts für Sportsoziologie an der Deutschen Sporthochschule in Köln. Demnach waren von den befragten 930 Zuschauern, die das erste Gummersbacher Spiel in der Kölnarena gegen den THW Kiel sahen, fast zwei Drittel jünger als 40 Jahre. Die Sender sind hingegen oft der Ansicht, der gemeine Handballfan sei männlich und alt, sprich unattraktiv für die Werbung.

Das junge Publikum geht natürlich lieber in die Kölnarena als in eine miefige Turnhalle vom Schlag der Eugen-Haas-Halle im Oberbergischen. Sechs Heimspiele will der VfL Gummersbach in der kommenden Saison deshalb in Köln austragen, vielleicht kommen noch ein oder zwei Termine hinzu. Die erste Partie in der großen Arena findet am 14. September statt - gegen den ThSV Eisenach. Schon dann wird sich zeigen, ob die Zuschauer auch gegen eher unattraktive Gegner kommen. Denn letztlich ist es das Publikum, das darüber entscheidet, wann der Phoenix aus Gummersbach das nächste Mal verglüht.

Quelle: Handelsblatt

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