VHV übernimmt operative Führung
Aktuelle Krise sorgt für erste Versicherer-Fusion

In der deutschen Versicherungsbranche kommt es in der aktuellen Krise im Finanzsektor zur ersten Fusion. Die im vorigen Herbst in Turbulenzen geratene Hannoversche Leben und die ebenfalls in Hannover ansässige VHV Vereinigte Haftpflichtversicherung wollen sich nach eigenen Angaben zusammenschließen.

Reuters HANNOVER. Ziel sei vor der Hintergrund der schwierigen Situation der Branche Produkte und Vertriebswege zusammenzuführen und Marktanteile zu steigern, teilten die Vorstände am Dienstag in Hannover mit. Die beiden als Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit (VVaG) geführten Unternehmen würden zur VHV Vereinigte Hannoversche Versicherungen verschmelzen. Die operative Führung soll der um zwei Positionen erweiterte VHV-Vorstand übernehmen.

Zusammen verbuchten beide Versicherungen im vorigen Jahr 1,93 Mrd. ? Prämieneinnahmen. Die VHV steigerte ihre Beiträge um zehn Prozent auf 1,1 Mrd. ?, die Hannoversche Leben büßte dagegen etwa sechs Prozent auf 830 Mill. ? ein.

VHV zählt mit knapp fünf Millionen Versicherungsverträgen, davon fast zwei Drittel in der Autoversicherung, zu den größeren Privatversicherern. Die Hannoversche Leben ist größter Direktversicherer im Bereich der Lebensversicherungen.

Die beiden Vorstände zeigten sich zuversichtlich, dass die Mitgliederversammlungen der beiden Versicherungsvereine sowie die Finanzaufsicht (BaFin) und das Bundeskartellamt den von den Aufsichtsräten bereits gebilligten Fusionsplänen zustimmen werden. Geplant sei, das neue Unternehmen zum 1. September ins Handelsregister einzutragen.

Da es sich um eine Verschmelzung von zwei Versicherungsvereinen handele, fließe anders als bei einer Übernahme kein Geld, erklärten die beiden Vorstandschefs Uwe H. Reuter (VHV) und Anton Wittl (Hannover Leben). Allerdings werde VHV einen in der Höhe noch nicht feststehenden Kapitalzuschuss für die Hannoversche Leben aufbringen. Diese hatte wegen der Börsenschwäche erhebliche Einbußen bei ihren Finanzanlagen und musste im Herbst ihre Überschussbeteiligung senken.

Partner stellen Fusion als Wunschlösung dar

Dennoch stellten Reuter und Wittl die Verschmelzung als Wunschlösung zweier gleichberechtigter Partner dar. Alle bisherigen Versicherungsmarken blieben unter dem Dach der neuen Gesellschaft erhalten. "Von Unterordnung zu sprechen, wäre nicht richtig", sagte Wittl, der allerdings aus der Führung ausscheiden und sich in den Aufsichtsrat zurückziehen wird. Dies geschehe einvernehmlich, da das neue Unternehmen eine eindeutige Führungsstruktur brauche.

Wittl war erst im vorigen November an die Spitze der Hannoverschen Leben gewechselt und hatte dann die Restrukturierung und die Partnersuche vorangetrieben. In der Versicherungsbranche wird angesichts der aktuellen Krise mit weiteren Zusammenschlüssen vor allem mittlerer Versicherer gerechnet.

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