Via Digital zahlt nur 78 Mill. Euro – Streit mit ARD und ZDF beigelegt
Spanischer Bezahlsender kauft von Kirch die Fußball-WM 2006

Das spanische Bezahlfernsehen Vía Digital hat die Pay-TV-Rechte an der Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschen für 78 Mill. Euro von der Kirch Sport erworben. Das berichtete die spanische Wirtschaftszeitung "Cinco Dias".

MADRID/DÜSSELDORF. In Branchenkreisen wird der Preis als ausgesprochen niedrig angesehen. Denn für die WM 2002 in Südkorea und Japan, die im Juni statt findet, zahlte das Pay-TV des spanischen Telekomriesen Telefonica noch 162 Mill. Euro. Der günstige Preis kam nach Meinung von Insidern zu Stande, weil Kirch einen drohenden Rechtsstreit mit Via Digital aus dem Wege gehen wollte.

Der defizitäre Bezahlsender Via Digital sah bereits seit Monaten seinen Vertrag verletzt, weil in spanischen Haushalten über einen analogen Satelliten die von ARD und ZDF übertragenen Weltmeisterschaft-Spiele kostenlos in Spanien empfangen können. Der Abo-Sender forderte daher einen Preisnachlass von Kirch oder eine Verschlüsselung der WM-Übertragungen von ARD und ZDF. Dagegen wehrten sich die Öffentlich-Rechtlichen vehement. Durch den nun erzielten Kompromiss ist der Streit zwischen Via Digital, Kirch und ARD/ZDF beendet. "Wir haben nie einen Zweifel gehabt, dass wir die WM in dem Umfang ausstrahlen können, wie es unserem Vertrag mit Kirch entspricht", erklärte ZDF-Sprecher Walter Kehr am Donnerstag. Hingegen die ARD hatte zuletzt durchaus Zweifel. ARD-Vorsitzender Fritz Pleitgen pochte auf eine unverschlüsselten Ausstrahlung der Fußballweltmeisterschaft per Satellit. "Die ARD würde gegen ihren gesetzlichen Auftrag verstoßen, wenn sie generell darauf verzichtete", sagte der ARD-Chef noch vor wenigen Wochen. In Absprache mit dem ZDF setzte er Kirch unter Druck. Schließlich gehören die beiden öffentlich-rechtlichen Sender zu den treuesten Kirch-Kund und zahlen für die 24 Live-Spiele aus Südkorea und Japan rund 250 Mill. Euro an den Münchener Medienkonzern.

ARD-Chef Pleitgen machte bereits im März klar, dass er sich auf keinen Kompromiss einlassen werden. "Für die ARD kommt nur die unverschlüsselte und frei zugängliche Verbreitung ihres Programms in Frage."

Der Verkauf der WM-Rechte lief über die Kirch Sport. Die Kirch Media AG legte im März ihre Sportrechte-Agenturen zusammen. Mit der Verschmelzung der Agenturen CWL Telesport & Marketing AG sowie Prisma Sports & Media AG unter dem Dach der Kirch Sport AG, Zug, soll mehr Effizienz erzielt werden, hieß es offiziell. Die Kirch Sport versorgt TV-Sender und Bezahlfernsehen sowie Internetdienstleister mit Sportrechten und ist von der Insolvenz der Kirch Media nicht berührt. Der Deal mit Via Digital wäre laut "Cinco Dias" in enger Absprache mit dem Weltfußballverband Fifa zu Stande gekommen.

Quelle: Handelsblatt

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