Viacom darf TV-Network UPN halten
FCC lockert Eigentumsregelungen für US-Fernsehanbieter

Eine Überraschung war es nicht, als die Federal Communications Commission (FCC) am vergangenen Donnerstag bekannt gab, dass die Eigentümerregelungen für die TV-Networks gelockert werden sollen. Denn die Lobbyisten der großen Medienkonzerne, die alle ein Büro in Washington haben, gaben sich bei der FCC schon seit Monaten die Klinke in die Hand. Und während sie bei dem bisherigen Vorsitzenden, dem Demokraten William Kennard, zumindest auf Bedenken stießen, laufen sie bei dem neuen Mann an der Spitze der Behörde offene Türen ein.

HB WASHINGTON/NEW YORK. Michael Powell, Sohn des US-Außenministers Colin Powell, hatte schon bei seinem Amtsantritt zu verstehen gegeben, dass er - gemeinsam mit seiner mehrheitlich republikanisch geprägten Behörde - gegen eine weitere Deregulierung der amerikanischen Medien nichts einzuwenden habe.

Auch das Bundesberufungsgericht (Federal Appeals Court) signalisierte in den vergangenen Monaten, dass es die Beschränkungen, die zum Teil noch aus den vierziger Jahren stammen, für veraltet hält. Konsolidierung heißt der gegenwärtige Trend, bei dem zahlreiche mittlere und kleinere Medienunternehmen unter das Dach einer Hand voll Konzerne genommen werden, um Synergieeffekte zu nutzen und die Kosten von Neuentwicklungen amortisieren und in Profite umwandeln zu können.

Daher scheint es konsequent, dass es den Konzernen nunmehr erlaubt ist, neben einem der großen Networks wie ABC, CBS, NBC oder Fox ein zweites, kleines Network besitzen zu dürfen. "Eine Beibehaltung der Regel ist nicht länger von öffentlichem Interesse", sagte Powell bei Bekanntgabe der Entscheidung.

Viacom profitiert von der Lockerung

Besonders profitiert hat der Medienkonzern Viacom von der Lockerung, der neben CBS auch das kleinere Network UPN besitzt. Die Wall Street reagiert erfreut auf die Nachricht, und die Viacom-Aktie stieg daraufhin um 1,2 $ auf 53,4 $ an. "Eine Fusion zwischen einem großen Network und UPN könnte substanzielle Vorteile hervorbringen, von denen der Verbraucher profitieren kann", sagte FCC-Anwalt Roger Holberg. "UPN kämpft finanziell ums Überleben und ist gefährdet".

Die FCC will es dabei jedoch nicht bewenden lassen. Im Mai sollen außerdem die Beschränkungen für Überkreuzbeteiligungen gelockert werden, die es einem Konzern derzeit verbieten eine Zeitung und einen Fernseh-Sender in einem Markt zu besitzen. Dies betrifft vor allem Rupert Murdochs News Corporation, die auf dem New Yorker Markt bereits das TV-Network Fox sowie die Tageszeitung New York Post besitzt. Die FCC hatte die Übernahme der Zeitung 1993 dennoch erlaubt, nachdem Murdoch argumentiert hatte, sie würde ohne seine finanzielle Unterstützung nicht überleben. Wegen derselben Beschränkungen ist derzeit zudem noch der Kauf des Medienunternehmens Chris-Craft in der Schwebe, das Murdoch einen zweiten Sender in New York bescheren würde.

Die News Corporation will diese Übernahme mit derselben Argumentation wie vor acht Jahren noch einmal durchsetzen. Allerdings hat der Medienunternehmer Morton Zuckerman, der bereits die New York Daily News besitzt, inzwischen sein Interesse an der Post erklärt. Die FCC hat sich in dieser Sache eine Prüfung vorbehalten. Powell beschrieb die Restriktionen von Überkreuzbeteiligungen vor Reportern kürzlich als "schwer zu verkaufen. Ich weiß nicht, was an Zeitungen und Sendern so besonders sein soll, dass man sie nicht kombinieren kann". Verbraucherorganisationen protestieren gegen die Lockerungen, weil sie ihrer Meinung nach die Meinungsvielfalt einzuschränken drohen.

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