Video zeigt ihn beim Essen
Amateurfilmer liefert bin Ladens Schuldbeweis

Dass Osama Bin Laden für die Terroranschläge vom 11. September verantwortlich ist, steht für die US-Regierung seit dem ersten Tage außer Frage. Beweise dafür, in erster Linie Geheimdienstinformationen, hat sie bislang aber nur Regierungen vorgelegt, auf deren Unterstützung sie im Anti-Terrorkampf angewiesen ist - damit die Terroristen nicht erfahren, wo und wie gelauscht wird, war das Argument. Geheimniskrämerei ist bei dem neuen Video nicht nötig: Bin Laden selbst brüstet sich darauf mit den Anschlägen und lacht über die Entführer, die nach seinen Angaben bis zur letzten Minute selbst nicht wussten, dass sie auf tödlicher Mission waren.

dpa WASHINGTON. "Denjenigen, die das Video sehen, wird klar, dass er nicht nur wegen Massenmordes schuldig ist. Er hat kein Gewissen und keine Seele und ist das Schlimmste, was die Zivilisation hervorgebracht hat", sagte US-Präsident George W. Bush sichtlich angewidert. Das Amateur- Video fiel US-Soldaten in einem Haus in Dschalalabad in die Hände, das El-Kaida-Kräfte beim Ansturm der Anti-Taliban-Kämpfer Hals über Kopf verlassen hatten.

Es zeigt bin Laden beim Essen mit einem Religionsführer. Er habe nur mit dem Einsturz der obersten Stockwerke des World Trade Centers gerechnet, sagt Bin Laden darauf. Er amüsiert sich, dass selbst einer seiner engsten Vertrauten vorher nichts gewusst hatte und am 11. September mit der Neuigkeit der Anschläge zu ihm gerannt kam.

Bin Laden bestätigt, dass Mohamed Atta Anführer der 19 Entführer war, die am 11. September vier Flugzeuge entführten. Zwei wurden in die Doppeltürme des World Trade Centers gelenkt, eins auf das Pentagon bei Washington. Die vierte Maschine stürzte in Pennsylvania ab, wahrscheinlich, weil Passagiere die Entführer niederrangen. "Es wird viel gelacht auf diesem Video", sagte ein Regierungsbeamter.

Das 40-minütige Video stellt in seiner Eindeutigkeit alles in den Schatten, was die Geheimdienste bislang zusammengetragen haben. Abgehörte Gespräche zwischen El-Kaida-Aktivisten, zugespielte Hinweise von Informanten, Material, das im Besitz der Entführer gefunden wurde - all das überzeugte zwar diejenigen, die es zu sehen bekamen, doch ein so eindeutiges Schuldeingeständnis war nach Angaben der Ermittler nicht dabei.

"Absolut unbestreitbare Beweise" nannte der britische Premierminister Tony Blair schon im September das, was die US- Regierung präsentiert hatte. Das Beweismaterial sei stichhaltig und zweifelsfrei, sagte auch die Bundesregierung.

Außenminister Powell drängt auf Offenheit

Außenminister Colin Powell wollte das Material publik machen. «Ich denke, wir können in Kürze ein Dokument veröffentlichen, das unsere Beweise für Bin Ladens Verbindung mit den Anschlägen sehr deutlich darlegt", sagte er im September, ehe Bush ihn zurückpfiff. Aus Sicherheitsgründen müssten die Beweise Verschlusssache bleiben.

Diese Sorge gibt es bei dem neuen Video nicht. Und dennoch hat die US-Regierung tagelang gezögert, ob bin Ladens Schuldbekenntnis öffentlich gemacht werden soll. Skeptiker könnten die Echtheit der Aufnahme bezweifeln, die schlecht gemacht und teilweise unverständlich ist, meinten einige. So kompromittierend das Video auch sein möge, der Topterrorist solle keine Gelegenheit erhalten, auf dem amerikanischen Fernsehschirm aufzutauchen, sagten andere.

Einige Experten fürchteten, die Aufnahme könne versteckte Botschaften an so genannte Schläferzellen enthalten, die damit aktiviert werden. Mit diesem Argument hatte die US-Regierung die US- Sender schon vorher erfolgreich geknebelt, ohne je Beweise dafür vorzulegen.

Fernsehstationen willigten ein, Bin-Laden-Videos nur noch sehr restriktiv zu senden. Diese Befürchtungen wurden nun beiseite gewischt. Das Band soll wahrscheinlich mit englischen Untertiteln veröffentlicht werden, damit Arabisch-Kenner bin Ladens schwer belastende Ausführungen im Originalton hören können.

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