Videoclipkanal will unabhängiger vom Werbemarkt werden
Viva Plus setzt künftig auf Zuschaueranrufe

"Im ersten Anlauf wollen wir 30 % unserer Einnahmen aus Anrufen und SMS erzielen", sagte Dieter Gorny, Vorstandschef der Viva Medien AG, dem Handelsblatt.

DÜSSELDORF. Das Kölner Medienunternehmen hält an der Viva Plus Fernsehen GmbH 51 %. Die restlichen Anteile sind im Besitz des amerikanischen Mediengiganten AOL Time Warner. Spätestens 2004 soll der Minisender schwarze Zahlen liefern.

Derzeit wird Viva Plus umgebaut. Bis Ende der Woche laufen noch Gespräche mit dem Betriebsrat über den Stellenabbau. Gorny kündigte an: "Das teure Korrespondentennetz wird verschwinden." Bisher beschäftigt Viva Plus Korrespondenten in London, Los Angeles, München, Berlin, Hamburg und Köln. Die Redaktionen von Viva Plus und dem Hauptsender Viva wurden bereits unter der Gesamtleitung der 39-jährigen Martina Bruder zusammengelegt. Hätte das Management weniger auf Ausgaben und mehr auf Einnahmen geachtet, wären die Entlassungen vermeidbar gewesen, resümierte ein Insider gestern.

Viva Plus soll künftig vor allem mit so genannten Votings die Zuschauer anlocken. Bei dieser modernen Art des Wunschkonzerts können die Zuschauer bestimmen, welches Programm ausgestrahlt wird. "Der Zuschauer kann sein ganz persönliches Viva zusammenbauen", verspricht Gorny.

Schon jetzt macht der Sender mit dieser Art des Fernsehens gute Erfahrungen. Nach Unternehmensangaben rufen bei der Wunsch-Videoclipsendung "Get the clip" pro Stunde 8 000 Zuschauer an. Vorbild ist der britische Musiksender The Box. Die Neuausrichtung von Viva Plus erinnert auch an den Mitmachsender Neun Live, der sich erfolgreich über die Anrufe seiner Zuschauer finanziert.

Die Kehrtwende bei Viva Plus erfolgt in enger Absprache mit dem Gesellschafter AOL Time Warner. Erst zu Wochenbeginn sprach Gorny mit AOL-Chef Richard Parsons über die Strategie des weltgrößten Medienkonzerns im deutschen Markt. In Unternehmenskreisen hieß es, dass sich AOL nicht auf ein risikoreiches und teures Engagement bei der insolventen Kirch Media einlassen will. Die Amerikaner wollten statt dessen, ihr Engagement bei Viva ausbauen, um in Deutschland stärker präsent zu sein. AOL ist derzeit mit 30,6 % an der Viva Medien AG beteiligt.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%