Videokonsolen: Sony will Preis für PS 2 nicht senken
Nintendo: Gamecube legt fulminanten Start hin

Der Preiskampf bei den Spielekonsolen fängt an. Doch Marktführer Sony möchte den drohenden Preiskrieg nicht mitmachen.

DÜSSELDORF. Bis Montag mittag konnte die der Videokonsolenhersteller Nintendo Co. nach eigenen Angaben rund 51 000 Exemplare der neuen Videokonsole Gamecube in Deutschland verkaufen. "Wie haben mit einem guten Start gerechnet", kommentiert ein Sprecher von Nintendo Deutschland, "aber das verschlägt uns fast den Atem." Die Angaben werden in Branchenkreisen aber noch skeptisch gesehen, hier werden "realistisch" aufgrund vorliegender Handelszahlen eher 35 000 Einheiten angenommen.

Bis Jahresende sollen 600 000 Gamecubes verkauft werden, Nintendo hatte im Vorfeld der Markteinführung am Freitag den Preis kurzfristig von 249 auf 199 Euro gesenkt. Damit wurde auf eine drastische Preissenkung des Konkurrenten Microsoft (X-Box) von 479 auf 299 Euro reagiert. Microsoft soll seit März nach Handelsinformationen rund 25 000 X-Boxen abgesetzt haben, offizielle Zahlen gibt es nicht.

Marktführer Sony zeigt sich weiter gelassen. "Es gibt keine Preissenkung bei der Playstation 2", erklärt Manfred Gerdes, Geschäftsführer der Sony Computer Entertainment Deutschland GmbH. Die "PS2" liegt gleichauf mit der X-Box. Die ersten Verkaufszahlen für die PS2 deuteten darauf hin, dass der Absatz im Mai - trotz des Gamecube-Erfolgs - auf dem Niveau des Vormonats bleiben werde, so Gerdes.

Doch Kampf der Konsolen ist noch lange nicht entschieden. Im Gegenteil, er fängt gerade erst an. Und auch weitere Preissenkungen sind wohl nicht ganz ausgeschlossen. Sony etwa fertigt bislang seine "PS 2" in Japan, soll aber überlegen, die Fertigung in Billiglohnländer auszuweiten. In China hat Sony bereits eine Produktionsstätte für die Playstation 1. Manager Gerdes: "Wir produzieren die PS2 derzeit kostenneutral. Sollten sich Einsparpotenziale ergeben, werden wir diese an die Kunden weiterreichen."

Doch noch ist Gerdes zufrieden: Jetzt herrschten "amerikanische Verhältnisse", was die Preise der Konkurrenten untereinander angehe. Das impliziere einen langfristigen Marktanteil der PS2 in Deutschland von 55 Prozent, den habe man auch in den USA. "Das ist in Ordnung, wenn der Markt sich hier verdoppelt", meint der Sony-Manager.

Sony setzt auf die DVD-Qualität

Doch die erwartete deutliche Ausweitung des Spielekonsolenmarktes ist bislang ausgeblieben: "Per März 2002 ist der Markt im Vergleich zum Vorjahr nur um rund 50 Prozent gewachsen, das hätten eher 100 Prozent sein müssen", bedauert Gerdes. Neben einer allgemeinen Konsumschwäche in Deutschland macht er eine verfehlte Preisgestaltung von Microsoft mit verantwortlich. "Die Preissensibilität im Konsolenmarkt ist sehr hoch", so Gerdes, das zeige auch der Gamecube-Erfolg. Microsoft hatte Mitte April die Konsequenzen gezogen und den Verkaufspreis der gesenkt.

Aufgrund des positiven Signals durch den Nintendo-Start glaubt Gerdes jetzt, dass der Markt sich im Mai im Vergleich zum Vorjahresmonat jetzt doch noch verdoppeln werde. Sony selber will bis Ende des laufenden Geschäftsjahrs (zum März 2003) die Zahl der in Deutschland verkauften PS2 auf über 1,7 Millionen Stück "mindestens verdoppeln". Der Umsatz soll sich insgesamt auf 350 bis 400 Mill. Euro erhöhen nach rund 312 Mill. Euro im Vorjahr." Sony will nun verstärkt auch die Qualitäten der PS2 als DVD-Video-Abspielgerät herausstellen und so stärker den lukrativen Home-Video-Markt angehen. Hier kann nur die X-Box mithalten, der Gamecube hingegen kann keine DVDs lesen.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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