Videos können über das Mobilfunknetz verschickt werden
Camcorder für die Hosentasche

Mit UMTS wird Multimedia mobil. Mit der höheren Übertragungsgeschwindigkeit, die in dem Mobilfunknetz der nächsten Generation erzielt wird, lassen sich nicht nur Fotos, sondern auch Videos übertragen. Die Kamerahersteller entwickeln nun die dafür notwendige Technik.

MÜNCHEN. Kleiner geht es kaum noch: Panasonic bringt jetzt einen multifunktionalen Camcorder auf den europäischen Markt, der nicht größer ist als eine Visitenkarte und nicht dicker als eine Zigarettenschachtel. Das gerade mal 98 Gramm schwere Gerät ist Camcorder für Videofilme, Digitalkamera, MP3-Musikplayer und Diktiergerät in einem. Man könnte das "SD Multi AV Device" auch als multimediales Notizbuch bezeichnen, mit dem sich Fotos und Videos aufnehmen und über das Mobilfunknetz verschicken lassen.

Weltweit entwickeln die Hersteller von Unterhaltungselektronik zurzeit kleine handliche multifunktionale Geräte, mit denen sich die neue mobile Multimediawelt der Zukunft erschließen lassen könnte, die mit der neuen Mobilfunktechnik UMTS Wirklichkeit werden soll. Mit seiner neuen Minikamera setzt Panasonic hier neue Maßstäbe.

Auch andere Hersteller wie Canon, JVC entwickeln an Multifunktionskameras, haben aber bislang nur größere Geräte im Programm. Scheckkartengroße Kameras werden zurzeit nur von der amerikanischen Firma SMaL Camera und von Logitech angeboten. Doch diese Pocket-Kameras bieten keine weiteren Funktionen.

Minicamera für schnelle Schnappschüsse

Weil Wunder in der Elektronik selten sind, führt die Miniaturisierung der Kameras zu Einschränkungen. Sowohl bei der Logitech Pocket Digital-Kamera als auch bei der SMaL Pocket Digital sucht man vergebens nach einem eingebauten Blitz, nach einem LCD-Farbbildschirm oder nach einem Autofokus-System. Dafür war im flachen Gehäuse kein Platz. Und auch bei dem Minicamcorder von Panasonic werden "engagierte Videofilmer mit der Qualität nicht zufrieden sein", sagt Bernhard Kämmer, Herausgeber der Zeitschriften Digital Video und Foto Digital.

Für diese Zielgruppen ist das Gerät aber gar nicht gedacht. Die SV-AV10 ist vor allem für schnelle Schnappschüsse geeignet - egal ob bewegte oder Standbilder -, die man hier auf dem ausklappbaren LCD- Schirm betrachten kann. Wer eine Messe besucht, kann zum Beispiel die Funktionsweise eines neuen Produktes als kurzen Film festhalten, kann die technischen Daten abfotografieren, statt sie mühsam notieren zu müssen, und schließlich sogar die Aussagen eines Gesprächspartners mit der Diktierfunktion aufzeichnen.

Die Wartezeit auf das Taxi oder den Flieger kann man sich mit seiner Lieblingsmusik im MP3-System verkürzen. In der Praxis erweist sich das Multifunktionsgerät als einfach zu bedienen, sobald man das Prinzip durchschaut hat. Mit nur zwei Knöpfen und einer Wippe navigiert man durch Aufnahme- und Wiedergabefunktionen.

Das Aufnehmen von Filmen wird jedoch durch die acht Megabyte der mitgelieferte Speicherkarte im SD-Card-Standard begrenzt. Sie ist schon nach zwei Minuten voll. Reduziert man die Bildgröße und Qualität, sind bis zu acht Minuten auf diesem Speicher möglich. Die niedrige Bildqualität hat aber auch ihre Vorteile: Die Dateigrößen einzelner Aufnahmen bleiben gering, so dass man sie als E-Mail-Anhang auch über konventionelle Telefonleitungen schicken kann.

Leistungsfähige Speichermedien sind der Clou

Ein Filmchen von 20 Sekunden hat mit rund 200 Kilobyte wenig mehr Daten als manches Textdokument und braucht selten mehr als eine Minute zum Versand über das Internet. Verwendet wird der Videostandard MPEG-4, eine Weiterentwicklung der Norm MPEG-2, die sich im Digitalfernsehen oder auf der Filmscheibe DVD bewährt hat. Zum Abspielen der Aufnahmen im PC reicht der Windows Media Player von Microsoft.

Leistungsfähige Speichermedien spielen eine entscheidende Rolle für die Entwicklung der Camcorder der Zukunft: Erst mit größeren Speichermedien - am besten von einem Gigabyte und mehr - lassen sich perfekte Videoqualität und ausreichende Laufzeit unter einen Hut bringen. Panasonic will von diesem Trend profitieren und das SD-Kartenformat als die Speicher der Zukunft etablieren - in direkter Konkurrenz zum Memory Stick von Sony. Zurzeit sind erst Speicher mit bis zu 128 Megabyte im Handel. Im Juni sollen auch SD-Cards mit bis zu 512 MByte lieferbar sein, womit dann mehr als zwei Stunden Film aufgenommen werden können. Oder - noch wichtiger - die Qualität deutlich gesteigert werden könnte. Um auf hohe Stückzahlen zu kommen müssen jedoch die Kosten kräftig sinken: Die SD-Card von 512 Megabyte wird mit rund 500 Euro genau so viel kosten wie das Multifunktionsgerät selbst.

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