Videospiel-Konsole Xbox soll neues Standbein schaffen
Microsoft nimmt Kampf um die Wohnzimmer auf

Am Donnerstag werden im milliardenschweren Videospielmarkt die Claims neu gesteckt: Der Softwarekonzern Microsoft bringt dann mit riesigem Werbeaufwand seine Konsole X-Box in den USA und Kanada auf den Markt. Mit super-realistischer Grafik will das Unternehmen die Konkurrenten Sony und Nintendo abhängen.

afp NEW YORK/SAN FRANCISCO. Für die Software-Schmiede geht es allerdings nicht nur darum, sich mit der X-Box angesichts der Flaute auf dem PC-Markt ein neues Standbein zu schaffen; Microsoft eröffnet damit auch den Kampf um die Wohnzimmer, in denen künftig Internet, Fernsehen und Unterhaltungselektronik verschmelzen sollen.

Die schwarze X-Box in der Größe eines Videorekorders hat nach Einschätzung von Experten durchaus das Zeug, bald eine Größe in der virtuellen Spielewelt zu werden. Mit einem 733-Megahertz-Prozessor, eingebauter Festplatte und einem DVD-Laufwerk setzt das an den heimischen Fernseher anschließbare Gerät sie einen neuen Standard in der Branche.

Microsoft konzentriert sich zunächst ganz auf das bevorstehende Weihnachtsgeschäft auf dem Heimatmarkt in Nordamerika. Dort trifft das Unternehmen auf ein williges Publikum: Mehr als 60 Prozent der US-Bürger spielen in ihrer Freizeit Videospiele, die Daddel-Maschinen sind damit längst nicht mehr nur Domäne von Kindern und Jugendlichen. Erst im Februar kommt die X-Box dann auch in Japan in den Handel und am 14. März schließlich in Europa.

Dass es bei den Videospiel-Konsolen nicht um Peanuts geht, zeigen die Prognosen der Experten. Weltweit würden die Konsolen und Videospiele der verschiedenen Hersteller zusammen in diesem Jahr auf einen Umsatz von 18 Mrd. Dollar (20,2 Mrd. Euro) kommen, sagt die Londoner Informa Media Group voraus. 2006 sollen es demnach dann schon 32 Mrd. Dollar sein. Damit ist der Videospielmarkt einer der letzten, der nach der Technologie-Krise noch hohe Wachstumraten verspricht.

Doch auch die etwas weiter entfernte Zukunft spielt in den Plänen des Visionärs und Microsoft-Gründers Bill Gates eine große Rolle: Als einzige der Konsolen hat die X-Box schon alle Komponenten eingebaut, um auch an einen Hochgeschwindigkeitszugang ins Internet angeschlossen zu werden. Dort sollen künftig von Microsoft und seinen Partnern bereitgestellte Software und Filme auf die Kunden warten - gegen Gebühr, versteht sich.

Microsoft drängt deshalb mit aller Macht auf den neuen Markt. Eine halbe Milliarde Dollar lässt sich das Unternehmen seinen ersten ernsthaften Ausflug in die Hardware-Welt kosten. Damit ist es aber noch lange nicht getan: Die US-Investmentbank Morgan Stanley geht davon aus, dass Microsoft bis 2004 eine Milliarde Dollar durch das X-Box-Abenteuer verlieren wird.

Die hohen Anlaufkosten sind normal in der Branche. "Das ist wie die alte Geschichte vom Rasierapparat und den Rasierklingen", sagt Beth Llewelyn vom Konkurrenten Nintendo, der nur drei Tage nach Microsoft mit dem Gamecube sein neuestes Modell präsentieren will. "Wenn Du Rasierklingen verkaufen willst, musst Du den Leuten erst die Rasierer in die Hand geben."

Entsprechend bringt Microsoft seine aufwendige Konsole, die so manchem PC den Rang abläuft, mit 299 Dollar (656 Mark/335 Euro) klar unter Wert unters Volk. Sie kostet damit ebenso viel wie die schon im Frühjahr vergangenen Jahres auf den Markt gebrachte Playstation 2 des Branchenprimus Sony, die mittlerweile 20 Millionen Mal über den Ladentisch ging. Nintendo mit einem Blick auf ein jüngeres Publikum bringt den Gamecube gar für nur 199 Dollar in den Handel.

Wer aus dem Rennen als Sieger hervorgeht, wird sich erst in einigen Jahren zeigen. Derzeit ist alles offen. Für echte Videospielfans gebe es zwischen der X-Bbox und dem Gamecube zur Markteinführung in den USA ohnehin keine Qual der Wahl, meint Spiele-Freak Jamerlon Gillm, der in San Francisco in einem Werbezelt von Microsoft die Xbox vorab beäugt: "Ich werde beide kaufen." Die Playstation 2 hat er natürlich schon lange.

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