Viel Arbeit für Werften, Reedereien und Zuliefererbetriebe
Häfen buhlen um Offshore-Kunden

Beim Aufbau der riesigen Offshore-Windparks in Nord- und Ostsee geht es um ein Milliardengeschäft. Ein Stück von diesem Kuchen wollen auch zahlreiche Hafenstädte abbekommen. Sie erwarten volle Auftragsbücher, neue Jobs und auf Dauer eine spürbare wirtschaftliche Belebung in den Hafenregionen.

DÜSSELDORF. Mangelndes Selbstbewusstsein kann Jürgen Hinnendahl niemand nachsagen. Auf die Frage, welche der norddeutschen Küstenstädte Basishafen für das künftige Offshore-Geschäft wird, muss der Vorstand der Emder Hafenförderungsgesellschaft e.V. nicht eine Sekunde lang überlegen: "Wir brauchen kein Kompetenzzentrum, um uns in Sachen Windkraft zu profilieren, wir in Ostfriesland und Emden sind schon seit Jahren das Windkraft-Kompetenzzentrum." Der Seitenhieb auf Cuxhaven, wo genau ein solcher Think-tank für die Offshore-Windnutzung angedacht ist, ist unüberhörbar.

Der Anspruch des Hafenmanagers kommt nicht von ungefähr: Der Bau der zahlreichen Offshore-Windparks in der Deutschen Bucht weckt Begehrlichkeiten bei allen Hafenstädten an der gesamten deutschen Nordseeküste. Dabei geht es um mehr als die berühmten Peanuts. So rechnet die Landesregierung in Hannover dank der Kraftwerke auf See allein für Niedersachsen bis zum Jahr 2020 mit bis zu 15 000 neuen Arbeitsplätzen an der Küste und 8,5 Mrd. Euro Investitionen - ein hochwillkommenes Förderprogramm für die darbende maritime Wirtschaft.

Der Bau und vor allem der ständige Service für die Riesenpropeller in der Nordsee bedeutet viel Arbeit nicht nur für Werften, Reedereien mit Spezialtonnage und Zuliefererbetriebe. Da der Transport der Windkraftwerke mit ihren gewaltigen Ausmaßen an Land kaum mehr möglich ist, macht nur die Montage direkt an der Küste Sinn. Glücklich kann sich deshalb jede Hafenstadt schätzen, die über bestandskräftige Entwicklungsflächen in ihren Bebauungsplänen verfügt.

Eine gute logistische Anbindung an Land ist wichtig

Bei dem begonnenen Wettlauf ist ein Ergebnis schon absehbar: "Das Rad, an dem gedreht wird, ist so groß, dass sich das gesamte Offshore-Geschäft nicht nur auf einen einzigen Hafen konzentrieren wird", sagt Wilfried Voigt, Staatssekretär im Energieministerium Schleswig-Holsteins. Die gleiche Auffassung hat Jörg Buddenberg, Geschäftsführer der Niedersächsischen Energie-Agentur: "Die Aufgaben werden sich auf alle Hafenstädte verteilen, die jetzt schon ihre Hand gehoben haben." Für Buddenberg sind aber schon einige Vorentscheidungen gefallen: So präferiert die Auricher Windschmiede Enercon GmbH, die Mitte August in der Nähe von Magdeburg ihre für den Offshore-Einsatz konzipierte neue Turbine mit 4,5 Megawatt aufgebaut hat, schon seit über zwei Jahren für alle Exportgeschäfte den nahen Emder Hafen als Umschlagsplatz. Allein im vergangenen Jahr schipperten 286 Enercon-Maschinen mit einem Gesamtgewicht von 15 625 Tonnen von Emden aus in die ganze Welt.

Diesen Erfahrungsvorsprung will Jürgen Hinnendahl von der Hafenförderungsgesellschaft für das Off-shore-Zeitalter nutzen: "Wir haben die kürzesten Wege zu allen geplanten Offshore-Projekten um Borkum herum, sprich damit für Planer, Betreiber und Serviceteams die niedrigsten Kosten." Neben Enercon liebäugeln die Ostfriesen mit dem Turbinenhersteller GE Wind Energy GmbH mit Sitz im südemsländischen Salzbergen als zweiten Kunden aus der Windindustrie. Jürgen Hinnendahl: "Soweit ist es über die Ems von Salzbergen bis Emden auch nicht."

Festgelegt hat sich auch die Plambeck Neue Energie AG (PNE) auf den künftigen Offshore-Port Cuxhaven. Und dass nicht nur, weil PNE in Cuxhaven seinen Firmensitz hat. "Von Cuxhaven können wir gut alle Offshore-Projekte erreichen, die wir planen", so Vorstandsvorsitzender Wolfgang von Geldern. Bei den Windparks auf See sei weniger die Frage der Entfernung entscheidend, sondern eine problemlose logistische Anbindung an Land.

Die Konkurrenz sammelt bereits erste Erfahrungen

Im rund 30 Kilometer entfernten Bremerhaven hat man auch schon den ersten Fisch an der Angel. "Die Pfleiderer Wind Energy GmbH wird bei uns den Prototypen ihrer neuen Fünf-Megawatt-Anlage errichten", zeigt sich Nils Schnorrenberger von der Bremerhavener Gesellschaft für Investitionsförderung und Stadtentwicklung mbH zufrieden. Dabei soll es nach dem Willen des Wirtschaftsförderers nicht bleiben: "Den Prototypen sehen wir als ersten Schritt, im zweiten Schritt sollte die Entscheidung für eine Produktion fallen." Weitere Investoren will Schnorrenberger unter anderem mit einem Teststand für die Gondelhäuser der Multi-Megawatt-Maschinen gewinnen: "Dass auf See nur eine ausgereifte Anlagentechnik zum Einsatz kommt, darauf legen bei den mehrstelligen Millioneninvestitionen vor allem die Versicherungen Wert."

Großen Wert legt auch die Kieler Landesregierung darauf, dass bei den künftigen Offshore-Geschäften die Häfen an der schleswig-holsteinischen Westküste mit dabei sind. Zwei Kandidaten gibt es: Brunsbüttel mit einem Seeschiff tiefen Elbehafen und vorhandenen Flächen sowie das nordfriesische Husum mit einem bislang kaum geeigneten Hafen, aber mit drei Windturbinen-Herstellern mit Sitz direkt oder im unmittelbaren Stadtgebiet. Ein eigens gegründeter Hafenstrukturverein ist deshalb aktiv geworden.

Die Zeit drängt: Das dänische Esbjerg im südlichen Jütland sammelt schon fleißig Erfahrungen im Offshore-Business. Etwa 15 Kilometer vor der Hafenstadt laufen zurzeit die Aufbauarbeiten für die maritime Windfarm Horns Rev.

Den Kieler Staatssekretär Voigt kann das nicht beunruhigen: "Ich bleibe dabei, es gibt so viel zu tun, dass von der Offshore-Windenergie alle Hafenstädte profitieren werden." Für ihn gibt es noch einen Kandidaten, an den bislang keiner gedacht hat: die Hochseeinsel Helgoland: "Dort lassen sich Ausrüstungs- und Ersatzteile deponieren bis hin zu einer Task Force für alle Notfälle. Von der Insel sind alle Offshore-Parks in der Deutschen Bucht schnell erreichbar."

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