Viel Bewegung in den Bietergruppen – Bindende Angebote fehlen
Kirch-Verkauf verwirrt die Investoren

Der Verkauf der insolventen Kirch Media entwickelt sich zu einer scheinbar unendlichen Geschichte. Obwohl die Transaktion schon in vier Wochen abgeschlossen sein soll, steht noch immer nicht fest, wer genau mit wem bietet. Das Problem: Bisher fehlen finanzkräftige Bieter, die einen Preiskampf anzetteln könnten.

hps/jojo DÜSSELDORF/MÜNCHEN. Anfang Mai sah alles noch so einfach aus: "Wir haben stapelweise Interessensbekundungen von Finanzinvestoren und Branchenunkundigen hier liegen", freute sich Kirch-Sanierer Wolfgang van Betteray über die zahlreichen Angebote für Kirch Media. Auch vor zwei Wochen auf der Gläubigerversammlung gab sich sein Kollege Hans-Joachim Ziems noch optimistisch, dass der Verkauf des insolventen Unternehmens schnell über die Bühne geht. Immer mehr Beobachter fragen sich inzwischen allerdings, ob das Stammgeschäft des Medienunternehmers Leo Kirch wirklich wie geplant bis Mitte September verkauft werden kann. Denn noch steht nicht einmal fest, welche Investoren sich verbünden und wieviel die Konsortien bereit sind zu zahlen. "Jeder spricht mit jedem", heißt es seit Wochen in der Medien-Branche und bei den Banken. Vor allem aber fehlen finanzkräftige Investoren, die die geforderte Milliardensumme berappen können.

Das Verfahren verlaufe chaotisch, heißt es aus dem Kreis der Bieter. Es werde Zeit, dass es mit den Vehandlungen endlich voran gehe. Die Vorbereitung durch die Investmentbank UBS Warburg sei nicht gerade ideal verlaufen, ist zu hören. Das könne aber auch daran liegen, dass die Unterlagen von Kirch Media nicht die erforderliche Qualität gehabt hätten.

Die Investoren machen sich aber auch selbst das Leben schwer. So weigert sich bisher beispielsweise die Investorengruppe aus Axel Springer Verlag, Bauer Verlag und Hypo-Vereinsbank (HVB), ihr Angebot von 1,4 Mrd. Euro - ohnehin die niedrigste Offerte aller Bieter - aufzubessern. Dazu kommt: Die drei Partner wollen den profitablen Sportrechtehandel von Kirch Media nicht übernehmen. Ziems und van Betteray dagegen möchten Kirch Media am liebsten als Einheit verkaufen, also inklusive Sportrechte.

"Wir sind das berechenbarste und solideste Konsortium mit klaren Absichten", sagte am Dienstag aber ein Insider und signalisierte damit weiteres Interesse. Die Ausgangslage ist nicht schlecht, denn das Konsortium galt bislang als Favorit, nicht zuletzt bei deutschen Medienpolitikern.

Auch ein Verbund aus Commerzbank und der amerikanischen Sony-Tochter Columbia Pictures rechnet sich Chancen aus. Außerdem haben der amerikanische Milliardär Haim Saban und das Pariser TV-Unternehmen TF 1 ihr starkes Interesse an dem Herzstück des früheren Medienimperiums von Leo Kirch angemeldet. Möglicherweise kommen auch die bisherigen Kirch-Media-Gesellschafter wie die amerikanische Investmentbank Lehman Brothers, der Handelskonzerns Rewe sowie der schwerreiche saudische Prinz Al Waleed und der italienische Mediaset-Konzern zum Zug. In München wird spekuliert, dass Leo Kirch selbst Teile seiner Gruppe, etwa den Sportrechtehandel, zurück kaufen könnte.

Noch immer ist alles im Fluss. "Die Interessenten sind keine fest gefügten Blöcke", hieß es gestern erneut in Investorenkreisen. Ob tatsächlich alle Angebote seriös sind, wird von deutschen Interessenten bezweifelt. Offenbar eint alle Investoren der Wunsch, das Risiko zu minimieren. Deshalb sind möglichst viele Partner erwünscht, soweit sich die Interessen unter einen Hut bringen lassen. "Wir sind weiter interessiert, sofern der Preis stimmt und das Risiko überschaubar bleibt", sagte eine Springer-Sprecherin. "Unser Konsortium einschließlich des optionalen Partners Spiegel steht stabil. Aber wir sind weiterhin offen für neue Partner."

So soll es auch zwischen Commerzbank und Hypo-Vereinsbank eine stille Übereinkunft geben: Sollte eines der Konsortien, an denen die Banken beteiligt sind, scheitern, könne das ausgeschiedene Institut in die Gruppe der anderen Bank einsteigen. Damit solle geholfen werden, dort die finanziellen Lasten zu schultern. Die Gläubiger-Banken fürchten offenbar, dass Kirch Media unter Wert verkauft werden könnte und sie damit einen größeren Teil ihres Kreditengagements verlieren würden.

In Branchenkreisen wird davon ausgegangen, dass sich die Übernahme der Kirch Media in jedem Fall länger hinzieht als geplant. "Eine vertiefte Due Diligence ist in zwei Wochen nicht hinzukriegen", meint ein Insider. Kirch Media hatte Ende vergangener Woche erklärt, nach der ersten Runde seien von insgesamt sieben Interessenten drei Konsortien in die engere Auswahl gekommen. Sie würden in nächster Zeit zusätzliches Datenmaterial über die Geschäftsfelder Fernsehen, Film- und Sportrechtehandel erhalten. Tatsächlich hätten aber alle ernsthaft Interessierten Zugang zu den Zahlen des Medienkonzerns aus Ismaning bei München, hieß es in Branchenkreisen.

Gleichzeitig wird Kirch Media angesichts der anhaltenden Medienkrise immer weniger wert. Nicht nur der Fernsehkonzern Pro Sieben Sat 1 Media hat einen Gewinneinbruch gemeldet. Auch der Wert des Kirch-Filmarchivs liegt bei nur noch 1,6 Mrd. Euro, ein Bruchteil früherer Schätzungen.

Quelle: Handelsblatt

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