Viel Glanz, wenig Durchblick
Vermögensverwalter: Vergleiche sind schwierig

Bei der Geldanlage kommt es auf die Rendite an. Aber die festzustellen, ist bei Vermögensverwaltern gar nicht so einfach.

Klassische Investmentfonds haben einen großen Vorteil: Ihre Ausgabe- und Rücknahmepreise stehen jeden Tag in der Zeitung. Zwar kann es bei Messung der Wertentwicklung trotzdem Verwirrung und Fehler geben, doch alles in allem ist die Fondsbranche recht transparent: Man sieht, wer gut und wer schlecht abschneidet.

Ganz anders bei der individuellen Vermögensverwaltung. Hier kann der Kunde in der Regel auf keine öffentlich zugängliche Quelle zurückgreifen, um die Ergebnisse zu vergleichen. Er ist auf die Angaben des Anbieters angewiesen. Und die sind schwierig zu beurteilen, denn es gibt eine Fülle von Zahlen, die präsentiert werden können.

Da sind einmal die Musterdepots. Denn bei aller Individualität gibt es doch bei den meisten Banken ein Standardverfahren für die Geldanlage: Der Kunde wird, je nach Alter und Risikobereitschaft in eine bestimmte Klasse wie "konservativ" oder "dynamisch" einsortiert. Für jede dieser Klassen gibt es ein Musterdepot, das sich von den anderen vor allem durch den Aktienanteil unterscheidet und zentral geführt wird. Die Anlageberater vollziehen die Strategie dieser Depots weitgehend nach. Viele Banken arbeiten mit vier verschiedenen Musterdepots, was noch einigermaßen übersichtlich ist. Oppenheim bringt es hingegen auf stolze 18 Musterdepots. Da wird es schon schwierig, die Muster zu vergleichen.

Ein anderes Problem: Häufig weichen die tatsächlichen Kundendepots von den Mustern ab - weil zum Beispiel der Kunde bestimmte Papiere unbedingt haben oder nicht haben möchte. Wenn neue Kunden nach den Ergebnissen fragen, kann der Anbieter ihnen die Zahlen seiner Musterdepots oder der tatsächlichen Kundendepots nennen - im Zweifel immer das, womit er am besten aussieht. Daher ist es enorm wichtig, genau nachzufragen, wie diese Ergebnisse zu Stande gekommen sind. Dabei gibt es durchaus Möglichkeiten, Transparenz zu schaffen. Trinkaus & Burkhardt zum Beispiel führt drei von vier Musterdepots (alle außer dem reinen Rentendepot) mit richtigem Geld für Rechnung der Bank und belegt die Wertentwicklung auf Wunsch mit Depotauszügen.

Trotzdem sind Vergleiche schwierig. "Bei der Performancemessung geht jeder anders vor, mal werden beispielsweise Steuergutschriften berücksichtigt, dann wieder nicht", hat Dietmar Vogelsang, vereidigter Sachverständiger für Kapitalanlagen und Finanzplanung, beobachtet. Schon bei den Musterdepots müsse sich der Anleger genau vorrechnen lassen, wie die Rendite vor und nach allen Kosten aussieht. "Die durchschnittliche Performance aller realen Depots eines Geldmanagers - bezogen auf ein Jahr - bekommen sie fast nirgendwo", sagt Vogelsang.

Die Kosten sind ein heikles Thema

Die Kosten sind ein heikles Thema. Denn häufig verdient die Bank in erster Linie daran, das Depot zu "drehen", das heißt möglichst viele Papiere zu kaufen und zu verkaufen. Wer vorher genau wissen möchte, wie viel er zu bezahlen hat, sollte daher ein Gebührenmodell wählen, bei dem alle Kosten eingeschlossen sind ("all in fee"). Damit kommt er in hektischen Börsenzeiten gut weg, in ruhigen Zeiten zahlt er unter Umständen etwas mehr. Viele Banken bieten zurzeit gerne die Pauschalgebühr an, einige, zum Beispiel Hauck & Aufhäuser, allerdings gar nicht. Diese Gebühren liegen nach Angaben der Banken meist zwischen ein und zwei Prozent. Sie sind natürlich Verhandlungssache. Bei Vermögen von 50 Mill. Euro aufwärts gilt als vage Richtschnur ein Satz von unter 0,5 Prozent. Wenn die Kauf- und Verkaufsgebühren nicht enthalten sind, sind Sätze von deutlich unter einem Prozent üblich.

Ein weiteres Problem ist die Unabhängigkeit. Aus Sicht der Kreditinstitute, Finanzmakler oder Allfinanzkonzerne ist es verständlich, auf hauseigene oder mit hohen Provisionen versehene Produkte - manchmal auch Unternehmensbeteiligungen - zurückzugreifen. Allerdings bedeutet das für den Kunden eine eingeschränkte Auswahl und eine schlechtere Rendite, denn keine Bank ist überall Spitze.

Ein Ausweg sind freie Vermögensberater, die auf Honorarbasis arbeiten, also vom Kunden bezahlt werden und nicht vom Anbieter der Produkte. Sie nehmen im Regelfall zwischen 100 und 300 Euro pro Stunde und "leben nicht nur vom Zuraten, sondern können auch einmal abraten", wie Jens Heinneccius, Vorstandschef der Sineus AG, selbstbewusst formuliert. Bei Sineus könne beispielsweise eine Gesamtbetreuung ab 20 000 Euro jährlich in Anspruch genommen werden. Fallen Provisionen an, so werden diese für die Kunden verrechnet.

Zwar bieten auch verschiedene Großbanken mittlerweile eine Vermögensstrukturberatung auf Honorarbasis an, dennoch bleibt der Verdacht, dass es sich nur um eine raffinierte Vertriebswegerweiterung handelt. Andererseits stehen die Banken mit ihrem Markennamen ein, während es bei den Vermögensverwaltern schwierig ist, sich über deren Seriosität ein Urteil zu bilden.

Streit mit dem Verwalter gibt es schnell, wenn Verluste auftreten. Experten raten zu klären, wie und wann der Kunde darüber informiert wird. Sie empfehlen zusätzlich ein Stopp-loss, also eine automatische Umschichtung in risikoarme Anlagen - etwa wenn zehn Prozent der Mittel abgängig sind. So vermeidet man Missverständnisse und Anwaltskosten, denn: "Die Zahl der gerichtlichen Auseinandersetzungen zwischen Kunden und Vermögensverwaltern hat stark zugenommen", weiß der Sachverständige Vogelsang.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%