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Viel Lärm um Nichts

Die Beamten in Brüssel haben sich das eigentlich ganz anders vorgestellt. Mit aller Macht hatten sie durchgesetzt, dass auch in Deutschland die Telefonleitungen im Ortsnetz für Sprache und Datenverkehr getrennt vermietet werden.

"Line-Sharing" heißt der Fachbegriff dafür. Das Ziel: Konkurrenten des einstigen Monopolisten Deutsche Telekom sollten billiger als bisher die Infrastruktur des Bonner Konzerns nutzen können, um massenweise schnelle Internet-Zugänge an den Kunden zu bringen. Mehr Wettbewerb auf einem für die Zukunft enorm wichtigen Markt wollten die Beamten auf diese Weise erreichen. Schließlich hat der für Unternehmen und die Informationsgesellschaft verantwortliche EU-Kommissar Erkki Liikanen schnelle Internet-Zugänge zur "Schlüsseltechnologie für den europäischen Fortschritt beim E-Commerce, ja sogar in der IT schlechthin" erklärt.

Doch die Realität ist ernüchternd: Es gibt keine einzige solche geteilte Leitung und das knapp ein halbes Jahr, nachdem die Bonner Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post die entsprechenden Regeln und Preise für das Geschäftsmodell festgelegt hat. Nur die Kölner QSC AG, die deutschlandweit Internet-Turbos via DSL vertreibt, testet seit einigen Monaten Line-Sharing und hat dafür eine Leitung bei der Telekom gemietet. Ob daraus aber ein Angebot für den Massenmarkt wird, steht in den Sternen.

Damit geht die Rechnung des Telekom-Regulierers und der EU zunächst nicht auf: Line-Sharing ist bisher kein attraktives Geschäftsmodell, um der Telekom mit schnellen Internet-Zugängen Konkurrenz zu machen und daran ist der Regulierer nicht ganz unschuldig. Denn die 4,77 Euro pro Monat für die geteilte Leitung, die er als Mietpreis festgelegt hat, halten die Telekomanbieter für zu hoch.

Ohnehin ist bereits der Kreis der potenziellen Unternehmen, die Line-Sharing vertreiben könnten, in den vergangenen Monaten geschrumpft. Und die Anbieter, die die Marktkonsolidierung bisher überlebt haben, wollen ihre Existenz nicht mit Produkten aufs Spiel setzen, die kaum Gewinne abwerfen, weil die Vorleistungen schon teuer erkauft werden müssen. Eigentlich schade um das Line-Sharing, so schlecht war die Idee der EU gar nicht.

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