Viel mehr als nur eine Portfolio-Beimischung
Staatsanleihen bringen gute Zinsen

Wer Staatsanleihen der Euroländer als Anlageform gewählt hat, konnte sich in den letzten zwei Jahren über eine gute Performance freuen. Aus steuerlichen Gründen bieten sich Anleihen mit niedrigem Kupon an. Klassiker sind Papiere mit einer Restlaufzeit von fünf bis zehn Jahren.

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Europäische Staatsanleihen sind nicht nur unter Risikoaspekten attraktiv. Im Schnitt brachten sie einen Ertrag von 5,8 % im vergangenen Jahr und bisher 6,2 % im laufenden Jahr. Der Investor sieht sich keinen Währungsschwankungen ausgesetzt, und die Gefahr, dass Zins- und Tilgungsleistungen ausbleiben, ist extrem gering.

Trotz zum Teil steigender Budgetdefizite gab es in den letzten beiden Jahren bei europäischen Staatsanleihen (im Gegensatz zu Pfandbriefen und Unternehmensanleihen) keine Herabstufungen, dagegen einige Heraufstufungen. Spanische Anleihen profitierten am meisten, aber auch Finnland und Irland haben mittlerweile die Bestnote "AAA/Aaa". Ein "Triple A" stellt die höchste Bonitätsklasse dar, die Ratingagenturen für einen Schuldner vergeben. Auch Belgien und Italien bekamen bessere Bonitätsnoten.

Trotzdem geht der Anleger Risiken ein: Kauft er Papiere mit kurzer Restlaufzeit, sieht er sich bald einem Wiederanlagerisiko ausgesetzt, da er, nachdem seine Anleihe fällig geworden ist, sein Geld möglicherweise nicht wieder zu gleichen Konditionen anlegen kann. Erwirbt man dagegen "ultralange" Staatsanleihen mit einer Restlaufzeit von 15 bis 30 Jahren, so ist man einem hohen Zinsänderungsrisiko ausgesetzt. Würde innerhalb eines Jahres der Zinssatz 30 jähriger Bundesanleihen von 5 % auf 6 % steigen, erzielt man zwar einen Kuponertrag von 5,5 %, der Preis der Anleihe fiele jedoch um ca. 15 %. Auf Jahressicht hätte man somit etwa 10 % verloren. Sehr erfreulich für den Anleger war die Entwicklung 30 jähriger Staatsanleihen in den ersten drei Quartalen des laufenden Jahres. Mit deutschen Bundesanleihen erzielte man zwischen Januar und September 15,3 %. Für Anleger, die die Papiere bis zur Endfälligkeit halten, spielen die Kursschwankungen indes keine Rolle.

Beleuchten wir nun einige Details des europäischen Staatsanleihenmarkts. Die überwiegende Mehrzahl der Staatsanleihen ist mit einem festen Kupon ausgestattet, der einmal im Jahr gezahlt wird. Eine Ausnahme gibt es hier bei italienischen Staatsanleihen, deren Kupon in halber Höhe halbjährlich ausgeschüttet wird. Mit Ausnahme von Luxemburg haben alle europäischen Länder großvolumige Staatsanleihen (ab 3 Mrd. Euro) ausstehen, etwa 215 sind derzeit hochliquide und werden täglich gehandelt. Auch Schweden, Dänemark und die Bank of England haben kleinere Emissionen in Euro. Das Renditeniveau liegt derzeit zwischen 3,1% und 5,4 %. Bei deutschen Bundesanleihen hat man in einer Laufzeit zwischen fünf und zehn Jahren meist zwei Anleihen pro Fälligkeitsjahr zur Auswahl, in Frankreich ebenso. Kleinere Länder wie Portugal, die Niederlande und Belgien haben meist eine liquide ausstehende Anleihe pro Jahr, in Finnland und Irland ist das Laufzeitspektrum nicht voll besetzt.

In kurzen Laufzeiten kann man dagegen aus einer größeren Anzahl von italienischen, deutschen und französischen Anleihen auswählen. Jede europäische Staatsanleihe trägt eine Wertpapierkennnummer (WKN) und eine ISIN-Nummer (International Securities Identification Number). Italien und Deutschland haben das größte Marktvolumen, gefolgt von Frankreich.

Durchgesetzt haben sich die so genannten Benchmark-Anleihen. Anstelle von vielen kleinen Emissionen begeben die Länder nur noch einige großvolumige Anleihen. Ein hohes Volumen hat für den Investor den Vorteil, dass die Anleihe zu fairen Preisen ge- aber auch wieder verkauft werden kann. So beträgt die Geld-Brief-Spanne, also der Unterschied zwischen Verkaufs- und Kaufkurs, bei einigen italienischen Staatsanleihen auf elektronischen Handelsplattformen nur 0,015 %. 30-jährige Anleihen haben eine etwas höhere Spanne.

Der wichtigste Trend des letzten Jahres ist der Erfolg des elektronischen Handels. Zwischen Banken werden eine Auswahl von Staatsanleihen neben dem telefonischen Handel auch über die Plattform EuroMTS gehandelt. Da eine Emissionsgröße von 5 Mrd. Euro Zulassungsvoraussetzung ist, streben auch die Schatzämter der kleineren Euro-Länder wie Portugal, Finnland und Irland dieses Zielvolumen für ihre Anleihen an. Während mit dem System EuroMTS nur größere Banken handeln, können kleinere Banken und institutionelle Anleger über die internetbasierte Plattform TradeWeb oder den Bloomberg - Bond-Trader elektronische Preisanfragen senden, die innerhalb von Sekunden zu einer Transaktion mit einem Market-Maker führen. Die elektronischen Handelssysteme haben entscheidend dazu beigetragen, dass sich die Transparenz über die aktuellen Preise erhöht hat. Leider gilt das jedoch nur für den, der Zugriff auf ein Nachrichten- oder Handelssystem hat.

Der Handel mit europäischen Anleihen an einer der deutschen Präsenzbörsen ist in der Regel dünn. Häufig wird nur einmal pro Tag ein Kurs fixiert, möglicherweise sogar nur taxiert. Nicht jede europäische Staatsanleihe ist an einer deutschen Börse gelistet: So kann man die österreichische Bundesanleihe (5,5 % fällig Oktober 2007, WKN 451101) in Stuttgart und Frankfurt kaufen, die österreichische Bundesanleihe (5,875 %, fällig Juli 2006, WKN: 134789) ist dagegen an keiner deutschen Börse gelistet.

Privatanleger können ihre Anleihenorder direkt an der Börse platzieren. Ein Kaufauftrag für eine Staatsanleihe unter Angabe der Wertpapierkennnummer sollte jedoch auch dann bei der Hausbank problemlos möglich sein, wenn die Anleihe nicht an einer deutschen Börse gehandelt wird. Die Stückelung ist unterschiedlich: Anleihen, die nach der Euro-Einführung 1999 begeben wurden, haben in der Regel eine Stückelung von 1 000 Euro, die älteren Anleihen können sogar "Cent-genau" geordert werden. In der Regel weisen deutsche Bundesanleihen die relativ geringste Rendite im Vergleich zu anderen Staatsanleihen mit vergleichbarer Restlaufzeit auf. Im zehnjährigen Laufzeitbereich haben Frankreich und die Niederlande etwa 0,1 % höhere Renditen als Bundesanleihen. Mit minimalem Abstand folgen Finnland, Spanien, Österreich und Irland. Die höchsten Anleiherenditen sind mit Portugal, Italien und Griechenland zu erzielen. Der Renditeabstand (Spread) zwischen griechischen und Bundesanleihen ist jedoch gering und beträgt bei einer Laufzeit von zehn Jahren nur 0,38 % oder 38 Basispunkte.

Bei kurzlaufenden Anleihen ist der Spread zwischen den Schatzanweisungen des Bundes und anderen Ländern (Spanien, Frankreich, Österreich) verschwunden. Deren Bonität und Liquidität wird vom Markt als gleichwertig eingeschätzt. Italienische Kurzläufer liegen in der Regel nur geringfügig in ihrer Verzinsung über den deutschen (zwei bis zehn Basispunkte).

Ist nun die Wahl des Landes oder die Wahl der Laufzeit das entscheidende Kriterium für die Anlage? Dank der engen Renditeabstände kann man im nächsten Jahr keine großen Performance-Unterschiede (wir denken an maximal 0,4 %) mit der richtigen Länderwahl erzielen. Die Laufzeitentscheidung ist aber von größerer Bedeutung: Wer in einjährige Papiere investiert, erzielt eine sichere Rendite pro Jahr von derzeit 3,1-3,25 %. Wer 30 jährige Anleihen kauft, erzielt im Durchschnitt der nächsten 30 Jahre 5,1-5,35 %. Auf Jahressicht gab es in der Vergangenheit hohe Verluste, aber auch hohe Erträge.

Für den privaten Anleger ist auch die steuerliche Komponente von Belang. Da die Kuponzahlungen zu versteuern sind, bieten sich Staatsanleihen mit niedrigem Kupon an. Im Jahr 1999, als zehnjährige Zinsen ihr Tief erreichten, wurden Staatsanleihen mit Kupons von 3,75 % (Deutschland, Belgien, Niederlande) bis 4,5 % und Fälligkeit im Jahr 2009 begeben.

Auch der Markt für Anleihen deutscher Bundesländer hat sich positiv entwickelt. Es gibt derzeit 45 "Länderjumbos" mit Laufzeit zwischen 2004-2013. In Laufzeiten bis 2007 weisen die Papiere eine höhere Verzinsung als Griechenland auf, der zehnjährige Bereich liegt mit 0,26 % etwa auf dem Niveau Italiens. Die Anleihen von Berlin handeln mit einem kleinen Renditeaufschlag aufgrund der prekären Finanzlage der Hauptstadt.

Staatsanleihen sollten mehr als nur eine "Portfoliobeimischung" sein. Mit ihnen sichert man sich auf lange Sicht eine Grundverzinsung. Wegen der herausragenden Bonität und Liquidität sowie des Wegfalls des Währungsrisikos ist der Markt seit der Euro-Einführung 1999 sehr homogen geworden. Für tradingorientierte Investoren bietet der Markt 15-30-jährige Anleihen und die Anleihen-Futures der Eurex. Die Klassiker für die langfristige Anlage bleiben Papiere mit Restlaufzeit zwischen fünf und zehn Jahren. Staatsanleihen der Länder, deren Budgetdefizit 2003 deutlich unter der kritischen Marke von 3 % bleiben wird (Österreich, Spanien, Belgien Irland und Finnland) sollten eine etwas bessere Performance als die anderen Länder der Euro-Zone erzielen.

Johannes Rudolph ist Rentenanalyst bei HSBC Trinkaus & Burkhardt, Düsseldorf.

Quelle: Handelsblatt

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