Viele Analysten rechnen mit einer Jahresendrally – Hightechaktien und Finanzwerte dürften überproportional profitieren
Gute Aussichten für Technologietitel

In der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass bei einer Aufwärtsbewegung manche Aktien besonders stark steigen - etwa Finanzwerte und Technologietitel. Daher ist diesen Werten jetzt Potenzial zuzutrauen.

FRANKFURT/M. Die Kursgewinne, die die deutschen Aktien in den letzten Wochen erzielt haben, sind noch kein Beginn eines nachhaltigen Aufwärtstrends; da sind sich die meisten Analysten einig. Sie erwarten mittelfristig eine Seitwärtsbewegung. Doch kurzfristig hat der Deutsche Aktienindex (Dax) noch Potenzial, meinen viele Banken, und rechnen mit einer Jahresendrally.

Bernd Meyer, Stratege der Deutschen Bank, beispielsweise sieht den Dax Ende 2002 bei 3 500 Punkten. Auch Christian Stocker, Aktienstratege bei der Hypo-Vereinsbank, erwartet einen Aufschwung bis maximal 3 500 Zählern, betont aber, in den nächsten Tagen sei ein leichter Rückgang auf 3 100 Punkte möglich. Achim Matzke von Commerzbank Securities billigt dem Standardwertebarometer einen Zuwachs auf 3 400 Punkte zu. "Ein Teil der guten Stimmung ist aber bereits eingepreist", meint der Experte. Matthias Jörss vom Bankhaus Sal. Oppenheim betont zwar auch, derzeit herrsche "übertriebener Optimismus", doch er hat ein Dax-Ziel von 3 600 Punkten ausgegeben - "vorausgesetzt, der Irakkonflikt eskaliert nicht demnächst", nennt er eine wichtige Voraussetzung für dieses Szenario.

Hoffnung auf einen Aufschwung zum Jahresende und Mut zum Kauf von Aktien macht auch ein Blick in die Vergangenheit: In den letzten zehn Jahren ist der Dax von Ende Oktober bis Ende Dezember meist kräftig gestiegen - eine Ausnahme stellt lediglich das Jahr 2 000 dar. Dabei lagen die Zuwächse in sechs Fällen über 6,5 Prozent, letztes Jahr waren es sogar 13,18 Prozent. So gibt es Grund, optimistisch zu sein, dass das Aufwärtspotenzial mit einem Plus von gut 4 Prozent seit Ende Oktober noch nicht erschöpft ist.

Für Anleger, die nicht - etwa mit Hilfe eines Indexzertifikats - auf den breiten Markt setzen wollen, bietet sich an: Aktien kaufen, die in der Regel stärker steigen als der Markt. "Wenn man einen Aufschwung erwartet, ist es sinnvoll bei der Auswahl der Titel auf die Sensitivität zum Markt zu achten", bestätigt Reiner Gerdau von Dresdner Kleinwort Wasserstein (DKW) Research. Und die werde anhand so genannter Betafaktoren gemessen.

Der Beta-Faktor beschreibt, in welchem Ausmaß der Aktienkurs die Wertentwicklung des betreffenden Index nachvollzieht. Ist der Beta-Faktor größer als eins, dann reagierte die Aktie überproportional auf Änderungen des Marktbarometers. Ist der Faktor kleiner als eins, ist das Gegenteil der Fall. Ist also zum Beispiel der Dax um 10 Prozent gestiegen, so gibt ein Beta-Faktor von 1,2 an, das der Wert der Aktie im selben Zeitraum um 12 Prozent gestiegen ist. Bei einem Beta-Faktor von 0,8 hat die Aktie nur um 8 Prozent zugelegt.

Die Beta-Werte schwanken im Zeitablauf (siehe Tabelle), doch die Schwankungen sind mittelfristig gesehen meist nicht stark. Derzeit bieten Technologietitel wie Infineon und Epcos sowie Finanzaktien, insbesondere die Allianz, hohe Gewinnchancen.

Das heißt aber auch: Wenn der Index fällt, bergen diese Titel ein höheres Risiko als andere Dax-Werte, wie WestLB-Panmure-Analyst Hendrik Garz betont. Zu den Versicherern merkt er an, die Titel hätten vor der Erholung in den letzten Wochen auf einem sehr niedrigen Niveau notiert. Daher gebe es auch von der Bewertungsseite noch Spielraum nach oben. Dazu komme: Strukturell berge die Branche wesentlich geringere Risiken als andere Titel mit hohem Beta, also beispielsweise als Technologiewerte.

DKW-Experte Gerdau gibt Anlegern den Tipp mit: Wenn ein Unternehmen sein Profil verändert habe - etwa aufgrund einer Umstrukturierung oder Fusion -, sollte man nur auf Beta-Werte zurückgreifen, die für einen kurzen Zeitraum berechnet sind. Ein Beispiel dafür sei der TUI-Konzern, der aus Preussag hervorgegangen ist.

Quelle: Handelsblatt

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