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Viele arabische Staaten öffnen sich dem Internet nur langsam

In der islamischen Welt gehört das Internet vielerorts noch lange nicht zum Alltag. Das international tätige Online-Marktforschungsunternehmen Nua schätzt, dass im gesamten Mittleren Osten 4,65 Mill. Menschen das Internet nutzen. In Afrika seien 4,15 Mill. Menschen online - gegenüber rund 155 Mill. Nutzern in Europa. Menschenrechtler kritisieren, dass viele arabische Regierungen ihre Gesellschaften nur zögernd für das Internet öffnen.

dpa HAMBURG. Vor allem zwischen reichen und armen Ländern zeigt sich eine digitale Spaltung: In den Vereinigten Arabischen Emiraten sind laut Nua 31 % der Bevölkerung online, in Bahrain 10 %. Im Irak haben dagegen nur 0,05 % der Menschen Zugang zum Netz. Auch im afrikanischen Land Sudan verfügen nur 0,08 % der Bevölkerung über einen Internetzugang. Die Experten räumen zwar ein, dass die Ermittlung der Internetnutzung schwierig sei, betonen aber die Seriosität ihrer aufwendig unter anderem bei Internetanbietern recherchierten Zahlen.

Das Internet ganz verboten hat das Taliban-Regime in Afghanistan. "Wir sind nicht gegen das Internet, aber es wird benutzt, um Obszönitäten, Unmoral und Propaganda gegen den Islam zu verbreiten", sagte der Außenminister des Regimes, Wakil Ahmed Mutawakil, im Sommer der in Pakistan ansässigen afghanischen Nachrichtenagentur AIP.

Der Internetexperte des Zentralrats der Muslime in Deutschland (ZMD), Aiman Mazyek, hält die sittlichen Bedenken manches islamischen Religionsführers für ein "vorgeschobenes Argument". Vor der Existenz des Internets habe es schon Kritik an dem Werte-Verfall der Gesellschaft gegeben. Er vermutet, dass mancher Wortführer den freien Informationsfluss fürchtet. "Über das Internet verbreiten sich zum Beispiel schneller Informationen über Menschenrechtsverletzungen", sagte Mazyek. Auf ihrer eigenen Homepage will der Verein zwischen Gläubigen und Nicht-Muslimen vermitteln. Unter www.islam.de informiert er über die Weltreligion und unterstreicht deren friedliche Ausrichtung.

Die Menschenrechtsorganisation "Human Rights Watch" (HRW) stellt in einem Bericht fest, dass viele islamische Staaten ihre politischen, sozialen und religiösen Machtstrukturen durch das neue Medium gefährdet sähen. Sie würden das Internet zwar nicht generell verbieten, da sie wirtschaftliche Nachteile befürchteten, schreibt Autor Eric Goldstein. Nicht gewünschte Inhalte würden aber durch Filter oder eingeschränkten Zugang zensiert. Oft sei Meinungsäußerung im Netz jedoch weniger eingeschränkt als in Druck-Publikationen. "In Tunesien veröffentlichen Journalisten Online-Magazine nachdem ihr Antrag auf Publikation in Druckprodukten von den Autoritäten ignoriert wurde", so Goldstein.

Besseren Zugang durch Internetcafes hätten Menschen vor allem in großen Städten wie Kairo, sagt ZMD-Experte Mazyek. "Hauptsächlich wird das Internet genutzt von Akademikern und Vermögenden. Die Mittelschicht ist dünn gesät." Vielen Menschen könnten sich keinen Computer leisten.

Islamistische Extremisten haben übrigens wenig Bedenken, die Möglichkeiten des weltweiten Computernetzes für sich zu nutzen: Eine mittlerweile geschlossene Internetseite hatte eine Reise angeboten - ihr Zweck: Willige sollten sich dabei zum Krieger für den Dschihad (Heiliger Krieg) ausbilden lassen.

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