Viele Chrysler-Händler in Deutschland erfüllen die konzerninternen Verkaufsziele nicht
Chrysler-Vertrieb wird ausgedünnt

Die Zahl der Chrysler-Händler in Deutschland wird in den kommenden Jahren deutlich schrumpfen. Der Automobilkonzern Daimler-Chrysler will nur noch mit etwa zwei Dritteln der gegenwärtig 255 Händler zusammenarbeiten. Gleichzeitig sollen mehr Mercedes-Händler Chrysler-Modelle vertreiben.

zel BERLIN. Chrylser hat in Deutschland zu viele kleine und damit zu wenig leistungsstarke Händler. "Es kann nicht wie bisher bei 255 Vertriebspartnern bleiben", sagt Eckhard Panka, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Daimler-Chrysler-Vertriebsorganisation Deutschland, im Gespräch mit dem Handelsblatt. Etwa ein Drittel der deutschen Chrysler-Händler kann dem wachsenden Wettbewerbsdruck kaum noch standhalten. Von diesen Partnern will sich der Automobilkonzern auf Dauer trennen. Daimler-Chrylser hatte vorige Woche allen deutschen Chrysler-Händlern zum 31. Dezember 2002 gekündigt, um neue Verträge auszuhandeln.

Panka bemängelt die bisherige Leistungsfähigkeit des deutschen Chrylser-Vertriebsnetzes, das in diesem Jahr gerade 22 000 Autos der Marken Chrysler und Jeeps absetzen wird. Weniger als 100 pro Händler und Jahr verkaufte Fahrzeuge sind Panka viel zu wenig.

Klares Vorbild ist für ihn die Mercedes-Vertriebsorganisation in Deutschland. Jeder der 100 deutschen Mercedes-Händler und jede der 30 konzerneigenen Verkaufsniederlassungen soll pro Jahr mindestens 1 000 Pkw, 250 Transporter und 150 Lkw absetzen. Im Mercedes-Vertrieb war die Zahl der Händler bis Ende 1999 bereits von 260 auf 100 reduziert worden. "Gegen den allgemeinen Branchentrend verdienen die deutschen Mercedes-Händler jetzt mehr und kommen auf eine Umsatzrendite von 2 %", ergänzt Walter Missing, in der Berliner Zentrale des Daimler Deutschlandvertriebs verantwortlich für die Entwicklung der Händlernetze.

Vertriebschef Panka will auch mit weniger Vertriebspartnern den Marktanteil erhöhen. In den kommenden fünf Jahren strebt er eine Quote von 1,5 % an, im Moment liegt der Anteil deutlich unter 1 %. Die Chrysler-Händler, die im Vertriebsnetz bleiben dürfen, sollen zusätzliche Filialen eröffnen und so die Zahl der Verkaufsstützpunkte auf etwa 300 erhöhen.

Gleichzeitig will Panka die Kooperation innerhalb des Daimler-Chrysler-Verbunds intensivieren. Bereits in diesem Jahr haben 39 Mercedes-Händler zusätzlich den Vertrieb von Chrysler-Fahrzeugen übernommen. Im Jahr 2001 wird noch einmal eine größere Zahl von Mercedes-Partnern dazukommen, die Chrysler-Fahrzeuge verkaufen.

Panka sieht jedoch auch Grenzen bei der Kooperation. "Wir würden es nie zulassen, dass die verschiedenen Marken unter einem Dach verkauft werden", reklamiert er eine scharfe räumliche Trennung. Werde diese Abgrenzung eingehalten, dürften die verschiedenen Konzernmarken innerhalb einer Verkaufsregion durchaus von einem einzigen Händler vertrieben werden.

"Wo es machbar ist, können alle Marken in eine Hand gegeben werden", betont Panka. Wahrscheinlich sei die Zusammenfassung der Marken in städtischen Regionen einfacher als auf dem Land. Auch bei der Kleinwagenmarke Smart haben sich die Mercedes-Händler bereits stärker engagiert. In diesem Jahr sind 39 Mercedes-Vertretungen zusätzlich in das Smart-Vertriebsnetz aufgenommen worden.

Kurzfristig will Panka den Aufbau konzerneigener Chrysler-Niederlassungen aufgeben. Entsprechende Projekte für Stuttgart und Berlin würden wieder gestoppt. Auch die bestehenden Chrysler-Niederlassungen in Hamburg und München sollen jetzt an einen selbstständigen Händler gehen.

Daimler-Chrysler reagiert damit auf eine Entscheidung des Oberlandesgerichts Köln vom November, mit der dem Automobilkonzern eigene Chrysler-Niederlassungen untersagt wurden. Mit dem Rückzug aus den Niederlassungen bietet der Konzern "keine juristischen Angriffsflächen" mehr, hofft Panka.

Der Chrysler-Händlerverband kritisierte derweil den deutsch-amerikanischen Automobilkonzern. Bislang sei den Händlern nicht klar genug erklärt worden, in welche Richtung sich der Deutschlandvertrieb entwickeln werde, so eine Sprecherin der Organisation.

Nach Angaben von Vertriebschef Panka gibt es noch keine Pläne dafür, auch die Autos des japanischen Herstellers Mitsubishi in die konzerneigene Vertriebsorganisation aufzunehmen. Dafür sei es noch viel zu früh. Daimler-Chrysler hatte im Sommer 34 % der Anteile von Mitsubishi Motors übernommen. Der Umbau des Mercedes-Netzes sei hingegen weitestgehend abgeschlossen worden.

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