Viele Garantieprodukte versprechen dem Anleger mehr als sie hinterher halten
Sicherheit kann teuer werden

Wer Risiken meidet, muss auf Chancen verzichten. Das gilt auch für Garantiefonds und-zertifikate. Bei diesen Produkten ist der Zusammenhang auf den ersten Blick allerdings schwer zu erkennen.

DÜSSELDORF. Die Kasko zahlt beim Crash. Wieso hat dann der Garantiefonds Neuer Markt Kasko 07/2005 im vergangenen Jahr ein Minus von 60 % eingebracht? Ganz einfach: Nur die ersten 25 % der Kursverluste waren abgesichert. Der Fall zeigt: Garantieprodukt ist nicht gleich Garantieprodukt. Das Beispiel des Kaskofonds ist nicht einmalig. Der Adig EuropaPlus Strategie 9/2004 wollte "insbesondere" die ersten 20 % eines möglichen Kursrückgangs der erworbenen Papiere absichern - und bescherte dem Anleger minus 23 %. Wie eine Sprecherin der Fondsgesellschaft Cominvest (zu der Adig gehört) erläuterte, haben die zurzeit neu angebotenen Produkte jedoch Garantien von 100 %.

Die Idee der Garantieprodukte klingt famos: bei Aktiengewinnen dabei sein, bei Verlusten möglichst weit gehend außen vor bleiben. Fonds oder Zertifikate dieser Art galten im Börsenboom als Einsteigerprodukte - geeignet für Leute mit wenig Erfahrung oder dem Lebensmotto von Karl Valentin: "Mögen hätte ich schon wollen, aber dürfen hab? ich mich nicht getraut..."

Seit die Börsen mächtig Luft abgelassen haben, sieht die Sache anders aus. In Gesprächen zwischen Beratern und und vermögenden Privatkunden spielen Garantieprodukte jetzt eine größere Rolle, wie etwa die Commerzbank und der Vermögensverwalter Portfolio-Concept bestätigen. Das Volumen der Aktienfonds mit Laufzeit und Garantie sank per Jahresende 2001 auf 2002 zwar von 4,5 auf 3,8 Mrd. Euro. Allerdings spiegelt sich darin auch eine Verschiebung vom Fonds- in den Zertifikatemarkt wider. Die Zahl der an der Börse Stuttgart notierten Garantiezertifikate ist seit Oktober 2002 um 33 auf 75 gestiegen - und sie gehen so gut weg, dass häufig Tranchen nachgeschoben werden. Sie erreichen Volumina bis zu 100 Mill. Euro. Darunter finden sich aber auch "Garantieanleihen", bei denen lediglich die Höhe der Zinszahlungen an die Entwicklung des Aktienmarktes gekoppelt ist.

Die meisten der Fonds werden für eine bestimmte Laufzeit angeboten: Zu Anfang wird der Fonds geschlossen, und nur für das Ende gilt die Garantie; wer vorher aussteigt, kann Pech haben und muss kräftig draufzahlen. Es gibt aber auch Modelle, bei denen der Einstieg jederzeit möglich ist, etwa den Oppenheim Aktien Protect Euro II sowie den neuen Dit Euro Protect Dynamic. Zertifikate kann der Anleger nach Auflage über die Börse kaufen.

Die Sicherheit kostet Geld, und weil zurzeit Versicherer und Pensionsfonds ebenfalls großen Bedarf daran haben, ist der Schutz nicht eben billig. Der Anleger zahlt dafür, indem er auf Chancen verzichtet. Bei den neuen Cominvest-Garantiefonds zum Beispiel profitiert der Anleger nur zu rund 70 % von einem Anstieg der Aktienkurse. Die Höhe dieser "Partizipationsrate" hängt von den Gegebenheiten am Terminmarkt ab und liegt meistens erst dann genau fest, wenn die Laufzeit startet. Manchmal sind die "Kosten" der Sicherheit auf den ersten Blick gar nicht zu erkennen. Die Deutsche Bank bietet zum Beispiel Garantiezertifikate auf den Euro-Stoxx-50 mit 100 % Absicherung und 100 % Partizipationsrate an. Allerdings behält die Bank sich vor, an drei Terminen während der Laufzeit zu kündigen - oberhalb von 100 %, aber möglicherweise weit unterhalb des erreichten Aktienmarktniveaus: darin stecken die Kosten für die Absicherung.

Weil Garantiefonds ganz unterschiedlich konstruiert sind, lassen sich die Ergebnisse schwer vergleichen. Wer es dennoch tut, findet in den Tabellen von Feri-Trust für das Jahr 2002 als Spitzenreiter den Rentenfonds Euro-Chance Garant der DWS mit 12 % plus. Er ist kein Aktienfonds, sondern bietet dem Anleger die Chance, am steigenden Euro zu verdienen - mit Absicherung. Auf Platz zwei liegt der Aktienfonds SEB Invest Garant Euroland-Plus mit 6,3 % Gewinn.

Der Nutzen der Garantieprodukte ist umstritten. So hält Oppenheim wenig von Aktienfonds mit 100 %iger Garantie - "wer das möchte, ist mit Aktien in der falschen Asset-Klasse", sagt ein Sprecher. Auch Günter Schlösser, Geschäftsführer bei Portfolio-Concept, betont: "Wir bieten das nur an, wenn der Kunde danach fragt oder von seinem Risikoprofil her dafür besonders in Frage kommt." Auch hier klingt Skepsis durch: Wer Chancen ohne Risiken will, hat häufig noch zu wenig Klarheit über seine Anlageziele. Schlösser weist aber auch darauf hin, dass Garantieprodukte sich nicht als "Beimischung" eignen - wenn sie ihr Sicherungsziel erreichen sollen, müssen sie in großem Umfang eingesetzt werden.

Fazit: Wer Garantieprodukte einsetzt, sollte auf klare Konzepte achten, die auch unerwarteten Börsenentwicklungen standhalten. Häufig dürfte zudem das gewünschte Risikoprofil einfacher und kostengünstiger auch ohne Absicherung über die Depotmischung zu erreichen sein.

Quelle: Handelsblatt

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