Viele Hedge Funds erwirtschaften Erträge unabhängig von der Börsenlage
Verlockende Gewinnchancen

Die Anlagepalette für Privatinvestoren wird größer: Ab Januar sind Hedge Funds in Deutschland zugelassen, wenn das Investmentmodernisierunggesetz wie geplant die letzten Hürden nimmt. Mitte der Woche brachte das Bundeskabinett den Gesetzentwurf auf den Weg.

FRANKFURT/M. Hedge Funds sind Kapitalanlagegesellschaften, die meist ihren Sitz in Steueroasen und damit weitgehend freie Hand haben, wie sie das Geld der Investoren arbeiten lassen. Zum eigenen Schutz, wie die Regierung betont, dürfen Kleinanleger direkt nur in Hedge-Funds-Dachfonds einzahlen. Dachfonds streuen das Risiko, berechnen in der Regel aber auch deftige Gebühren.

Populär geworden sind Hedge Funds, weil sich mit ihnen auch in der Baisse Geld verdienen lässt. Zwar wurden nicht die anvisierten zweistelligen Renditen erreicht, aber die Anleger mussten nicht wie bei anderen Investmentfonds zusehen, wie sich ihr Vermögen zu großen Teilen in Luft auflöste. Zudem ist das Pauschalurteil falsch, dass alle Hedge Funds sehr riskante Strategien fahren. Mittlerweile haben viele Banken Zertifikate aufgelegt, die Anlegern einen Einstieg in das Segment ermöglichen.

Hedge Funds folgen unterschiedlichen Konzepten: So sind etwa Arbitragestrategien, bei denen die Manager der Funds zum Beispiel von Preisunterschieden zwischen den Aktien einer Branche profitieren, wesentlich risikoärmer als die "Long-/Short- Equity-Strategie", nach der aktuell rund 70 Prozent aller Hedge-Funds- Mittel investiert sind. In der Sprache der Hedge Funds ist der Manager "long", der Aktien kauft, dann hält und damit auf steigende Kurse setzt. Manager, die "short" gehen, verkaufen geliehene Aktien und setzen damit auf fallende Kurse. In den ersten sieben Monaten des Jahres war nach Angaben von Oliver Schupp, des Präsidenten von Credit Suisse First Boston Tremont Index LLC, mit dieser Strategie ein durchschnittliches Plus von 7,5 Prozent zu erzielen - was im Vergleich zu einem 12,2-prozentigen Zuwachs des S&P-500-Indexes allerdings bescheiden ist.

Zahl der Hedge-Funds steigt stetig

Mehr Erfolg hatten Manager, die auf Aktien von Problemunternehmen ("distressed securities") setzten. Nachdem die Titel in der Baisse zunächst überdurchschnittlich stark gedrückt worden waren, stieg die Nachfrage der Investoren in den letzten Monaten, so dass der Hedge-Funds- Teilindex für diese Strategie von Anfang Januar bis Ende Juli 2003 mit 15,5 Prozent den größten Anstieg aufweist.

Derzeit steigt die Zahl der Hedge-Funds-Zertifikate hier zu Lande stetig an. Bald steht bei ING-BHF eine Emission an. Die zehn Papiere mit der besten Performance seit Auflegung sind in der Tabelle zu sehen; dabei steht die Commerzbank mit ihrem "Comas" gut da. Die Comas-Manager hatten während der Baisse in hohem Maße auf Arbitragestrategien gesetzt.

Die Zertifikate sind unterschiedlich konstruiert: Manche beziehen sich auf einzelne Hedge-Funds-Gesellschaften, andere auf Hedge- Funds-Dachfonds. Den meisten Papieren liegen Indizes zu Grunde, die von den Emittenten der Zertifikate kreiert werden. Viele sind nicht börsennotiert und nur bei der Bank erhältlich. Wegen der unterschiedlichen Ausgestaltung sollte man die Emissionsprospekte genau lesen. So können viele Papiere monatlich zurückgegeben werden, manche nur einmal im Quartal.

Die Commerzbank hat die Zertifikatepalette durch "Turbos" ergänzt. Dafür ist ein vergleichsweise geringer Geldeinsatz nötig. An einem Anstieg des Barometers verdienen Anleger auf Grund eines Hebeleffektes überdurchschnittlich. Wird eine bestimmte Stop-Schwelle erreicht, werden die Papiere vorzeitig gekündigt und abgerechnet. Wie Christopher Maaß, Derivateexperte bei der Commerzbank, erklärt, bezieht sich der zu Grunde liegende Index auf 25 Hedge Funds, wobei aktuell zu über 50 Prozent Funds mit Arbitragestrategien hoch gewichtet sind.

Wie bei den Hedge-Funds-Zertifikaten sind aber auch bei den Turbos die hohen Kosten ein wichtiger Kritikpunkt: Der Aufschlag (Differenz zwischen An- und Verkaufskurs) liegt bei sechs Prozent. Zudem fallen bei vielen Papieren saftige Performancegebühren an. Anleger müssen also Vertrauen mitbringen, dass die Hedge Funds hohe Renditen erzielen.

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