Viele Jugendliche Anhänger
Eine Million Spanier bei Papstmesse

Papst Johannes Paul II. hat bei einer Messe in Madrid die Spanier ermahnt, dem christlichen Glauben treu zu bleiben. "Gebt eure christlichen Wurzeln nicht auf", forderte er vor bis zu einer Million Gläubigen, die zum Gottesdienst unter freiem Himmel auf der zentralen Plaza Colón (Kolumbus-Platz) gekommen waren.

HB/dpa MADRID. Den Spaniern, die in immer größerer Zahl auf den sonntäglichen Kirchgang verzichten, empfahl er als Vorbilder fünf verstorbene Landsleute, die er bei der Messe heiligsprach.

Der von einem Großaufgebot der Polizei bewachte Gottesdienst war der Höhepunkt und zugleich der Abschluss des zweitägigen Besuches des Oberhauptes der römisch-katholischen Kirche in Spanien. Am Samstag hatte er eindringlich zum Frieden aufgerufen und "übertriebenen Nationalismus" verurteilt.

Bei den neuen Heiligen handelt es sich um drei Nonnen und zwei Priester, die im vergangenen Jahrhundert gestorben sind. Angela de la Cruz (1846-1932), Genoveva Torres (1870-1956) und María Maravillas (1891-1974) hatten religiöse Orden und Klostergemeinschaften gegründet. José María Rubio (1864-1929) hatte sich vor allem für arme Kinder eingesetzt, Pedro Poveda (1874-1936) wurde im spanischen Bürgerkrieg von den gegen die Faschisten kämpfenden Republikanern ermordet. Damit hat der Papst seit seinem Amtsantritt vor fast 25 Jahren 469 Heiligsprechungen vorgenommen, mehr als alle seine 263 Vorgänger zusammen.

Der fünfte Besuch des Papstes in Spanien - seine insgesamt 99. Auslandsreise - wurde allgemein als Erfolg gewertet. Der schwer kranke Johannes Paul II. befand sich in relativ guter körperlicher Verfassung und sprach immer mit fester Stimme. Wegen seiner schweren Gehbehinderung wurde er wie erwartet auf einem rollenden Podest zum Altar geschoben und blieb während der Veranstaltungen sitzen. Der Besuch galt als Test für die vier weiteren Auslandsreisen, die der Papst bis September absolvieren will. Anfang Juni wird der Papst nach Kroatien reisen, danach sollen die serbisch-bosnische Republik, die Mongolei und die Slowakei folgen.

Sowohl am Samstag als auch am Sonntag fuhr der Papst an Bord des so genannten Papamobils durch von Menschen gesäumte Straßen der spanischen Hauptstadt. Bei einem Treffen mit Hunderttausenden von Jugendlichen auf einem Flugfeld außerhalb Madrids wurde Johannes Paul II. frenetisch gefeiert. Dabei rief er die Jugend eindringlich auf, für den Frieden zu arbeiten und für ein christliches Europa einzutreten.

Der Irak-Krieg nahm bei dem Besuch entgegen den Erwartungen so gut wie keinen Raum ein. Der Vatikan und Spanien hatten zum Irak-Krieg völlig entgegengesetzte Positionen vertreten. Während der Papst für den Frieden predigte, unterstützte Ministerpräsident José María Aznar die USA. Ein klärendes Gespräch unter vier Augen kam am Samstag nicht zu Stande, weil Aznar zu dem Treffen in der vatikanischen Botschaft in Begleitung von 20 Verwandten erschienen war.

Nach einem protokollarischen Treffen mit der Königsfamilie am Sonntagnachmittag wollte der Papst am Abend nach Rom zurückfliegen.

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