Viele Kurse haben in den vergangenen Wochen eine Aufholjagd hingelegt
Touristikaktien sehen erholt aus

Die Sommersaison mit den Familienurlaubern gilt als Brot-und-Butter-Geschäft der Reisekonzerne. Noch buchen die Kunden nur verhalten, aber die Bank-Analysten sind schon positiv gestimmt.

pk FRANKFURT/M. Die einst erfolgsverwöhnte Touristikbranche leidet noch immer unter den Spätfolgen der Terroranschläge in den USA. Der nicht börsennotierte Reisekonzern Thomas Cook ("Neckermann") berichtete beispielsweise gestern von einer um 21 % gesunkenen Gästezahl in der Wintersaison. Für die Analysten in den Großbanken ist das aber Schnee von gestern, ihr Blick richtet sich auf die Sommersaison und in das Jahr 2003. Und da überwiegen offenbar wieder die Lichtblicke.

Die Experten der Hypo-Vereinsbank weisen darauf hin, dass der "Spätbuchertrend" für den Sommer eine Nachfrage schaffen werde, die über den drastischen Kapazitätsanpassungen liegen sollte. Noch lägen die Sommerbuchungen um rund zehn Prozent hinter der Vergleichszeit des Vorjahres zurück, in den nächsten Monaten werde dieser Rückstand aber auf nur noch drei Prozent schrumpfen, meinen die Analysten der Hypo-Vereinsbank.

Für den Privatanleger könnte sich ein Engagement in Touristik-Aktien also lohnen, andererseits hat die Börse schon viel von der prognostizierten Besserung vorweggenommen. Viele Titel haben wieder ihr Kursniveau aus der Zeit vor dem 11. September erreicht. Der Travdexx-Index (siehe Tabelle) hat sich schneller erholt als der breite Aktienmarkt in Europa.

Die Hypo-Vereinsbank stellt dann auch nur drei Titel heraus, bei der sie besondere Chancen sieht, nämlich die schweizerische Kuoni mit einem Kursziel von 580 Franken, die britische MyTravel (die ehemalige Airtours plc) mit 2,77 Pfund und das deutsche Touristikschwergewicht Preussag (Marke TUI) mit Kursziel 41 Euro. MyTravel sollte von der erfolgten Reorganisation profitieren, beim Marktführer Preussag stünden erreichte Größenvorteile und die verbesserte Kostenstruktur auf der Habenseite und Kuoni erscheine aussichtsreich, weil die Schweizer - die in ihrer Heimat mit einen 30-prozentigen Marktanteil dominieren - wieder in die rentable Nische hochwertiger Fernreisen zurückfänden.

Die Analysten von Merrill Lynch halten europäische Hotelaktien auf Sicht von zwölf Monaten aktuell für unterbewertet. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis für diesen Sektor betrage auf Basis der erwarteten Ergebnisse für 2003 rund 13,2 gegenüber 14,5 im langjährigen Mittel. Allerdings sollten die Anleger auf die Bilanzqualität achten, nach dem Enron-Skandal rücke verstärkt der Cash-Flow als Kennziffer ins Blickfeld der Bewertung. Vor allem die Hotelkette Six Continents Plc (früher Bass) habe eine starke Kapitalbasis, um über Investitionen den Unternehmenswert zu halten.

Auch Accor wird als sichere und liquide Wette auf den Konjunkturaufschwung gesehen, wegen der schon wieder recht hohen Bewertung sei aber der Kursspielraum nach oben eingeengt, meinen Merrill Lynch und JP Morgan. Anleger, die auf diesen fahrenden Zug springen wollen, sollten also nicht vergessen, im Jahresverlauf auch einmal an Gewinnmitnahmen wahrzunehmen - etwa für die Reisekasse.

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