Viele Läden öffnen nur bis 18 Uhr am Samstag
Einzelhändler nutzen die neue Freiheit kaum

Deutschlands Innenstädte werden auch nach dem 1. Juni spätestens um 18 Uhr veröden. Nur wenige Einzelhändler planen, die neuen Ladenöffnungszeiten voll auszunutzen. Ob große Ketten oder kleine Läden, die Unternehmen zweifeln daran, dass ihnen die Mehrarbeit tatsächlich mehr bringt.

DÜSSELDORF. "Die Händler wollen erst mal testen, ob ihre Kunden die neuen Öffnungszeiten annehmen", berichtet etwa Markus Fußhöller, Geschäftsführer der City-Marketing Bonn. Die Mitglieder der lokalen Interessengemeinschaft haben sich auf einen einheitlichen Ladenschluss um 18 Uhr am Samstag verständigt: "Im Herbst werden wir sehen, ob wir die Öffnungszeiten weiter anpassen", sagt Fußhöller.

Ähnlich vorsichtig reagieren die Geschäftsleute auch in Großstädten wie Berlin und Hamburg. In der Hauptstadt planen nur 3 500 von insgesamt 8 000 Läden, ihre Kunden bis zur Tagesschauzeit zu empfangen. Hans-Peter Nerger, Geschäftsführer der Berlin Tourismus Marketing (BTM), wertet schon dies als Erfolg: "Wenigstens die Besucher der Stadt werden dazu eingeladen, mehr Geld auszugeben." In Hamburg heißt es vor allem außerhalb der Massen-Einkaufsviertel rund um Mönckeberg- und Spitalerstraße: Schotten dicht um 18 Uhr.

Und selbst die sonst so aggressiven Einkaufsparadiese auf der grünen Wiese üben sich in vornehmer Zurückhaltung. Laut einer Umfrage des German Council of Shopping Centers (GCSC) wollen zwei Drittel der Center Manager die Tore spätestens um 19 Uhr schließen: "Die Center Manager können natürlich nichts gegen die Händler - ihre Mieter - entscheiden", erklärt GCSC-Geschäftsführer Rüdiger Pleus.

Und die wiederum glauben nicht, dass sich die Kaufzurückhaltung der Deutschen so einfach mit der Verlängerung der Ladenöffnungszeiten überwinden lässt. "Es ist immer noch sehr schwierig, an die deutschen Kunden heranzukommen", sagt Elmar Kratz, Sprecher der Kaufhauskette Karstadt. Von Fall zu Fall will das Unternehmen entscheiden, ob eine Filiale länger öffnen soll, oder nicht.

Rainer Schorcht, Inhaber einer kleinen Fotokette in Westfalen, denkt erst gar nicht darüber nach: "Wo kein Geld da ist, kann man schließlich auch keines ausgeben." Öffnungszeiten bis 16 Uhr hat er eine Zeit lang ausprobiert und sie wieder abgeschafft, samstags können seine Mitarbeiter jetzt schon um 14 Uhr nach Hause gehen. Daran will er auch ab Juni grundsätzlich nichts ändern. "Einige Male werde ich mich aber selber hinter die Ladentheke stellen und sehen, ob sich bis 18 Uhr nicht doch etwas tut", sagt Schorcht. Für so etwas neue Mitarbeiter einzustellen komme jedoch gar nicht in Frage.

Während kleine Unternehmen nicht noch weiter an den Personalkosten drehen können, sorgen bei den Konzernen die Forderungen der Arbeitnehmervertreter für Unsicherheit. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi verlangt zwischen 40 und 50 % zusätzliches Zeitguthaben für jede Stunde, die Beschäftigte im Einzelhandel nach 14 Uhr im Laden stehen. Bisher erhalten sie 20 % - noch ist in keinem einzigen Bundesland eine einheitliche Regelung in Sicht.

"Die Verhandlungen mit den Betriebsräten laufen noch", heißt es bei Karstadt und Kaufhof. Bei Ikea sind sie dagegen schon abgeschlossen. Die deutsche Tochter der schwedischen Möbelkette wirbt schon seit langem aggressiv mit den neuen Öffnungszeiten: "Wir wollen unsere Position als Dienstleister stärken."

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